Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 13.1895

Page: 121
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ist dcm Gottßhans; auch vil versprochen
werde», aber nichts gehalten, vnd dörff
nnr wer nit vil scrupuIierenL, sonder haißt
srnn^enti llclem re. vil weniger ist der
Magistrat dannit vcrsöliget worden, sonder
daz außschaffen ohne vnderlas; regiert, wie
es; Herr Oberst von Wohlstain öffentlich
vnd vnverhollen repetiert, sye auch
rneinct, das; Ehr den Orden bißhero bey
dem Gottßhans; erhalten, iedoch nit vmb
sonsten, weilen Ehr znegleich bekhönnet, dz,
wan der orden vertribc» were, hatte der
Magistrat das; cinthommcn an sye gezogen,
vnd ihme obristcn, dz lehre hanß hinder-
lassen; discr gestalt aber habe Ehr sambt
den seinigcn wenigst anch ein Stnckhlin
brolt darvon zno genießen, was; darnnder
verstanden wurde, gibt ring zn crkhönncn,
weiten incrhalb iczt verfloßner 28 Wochen
ober sl. 200 allein vmb salz vnd vnstlich
.wörzcn anfgangen, vnd ist in dz Gottß-
hans vermögen nit mer länger, als; auf
4 Wochen allerlängst, sollicheS zner-
schwingen vnd ans zne bringe», was; nnr
alßdann zne lhnn vnd crvolgen?
Die anfächtung des Gottßhans vnd
aller andern hcnßern in Memmingen, so
anßländischen zno gehörig, bethröfftiget
die gelhone crclärnng eines Ersamen Nalhß
gegenherren Obristcn von Kröllen, deine
das schloß Beuren sambt dem Flöckhcn
darbet) an der Nottach gelegen, vnd Herren
Obristcn Hanß Jacob von Edelsteltcn ge-
hörig, verehrt vnd geschcnckhl worden vnd
deßwegen selbiger soltiches nit allein bezogen,
sonder anch die EdelsteNische bchanssnng in
Memmingen würklich benützt vnd bewohnet,
diseü aber ein Ersamer Nath keineßwegs
gnothaißct anch den Burger, so allda gewont
aber anßgeschafflworden, nit lasset anßziehen.
Der erthlörnng Lopins Hab ich haimlich
bekhommcn, vnd gern wöllen bcyschlücßem,
gibt ein starkhcs; argumentum oder Oms-
curs. 3i euim lloc in virili.
Aritili der Wuppe» der iNimiesinger
ntin Schwaden.
Ein Beitrag zne Geschichte der christlichen Mystik
i» Schtvaben nnd Alamannicn.
Von Professor a. D. vr. F. V,' v n e in Karlsruhe.
XXII.
Die drei Schilflolben als Heroldstück
tonnnen anch in folgenden Wappen vor.

Es ist mithin erlaubt, die Bedentnng der
fünf Schilflolben im Schilde des Thal er
mit jenen dreien der zn nennenden Wap-
pen insofern in Verbindung zn bringen,
als sie ans derselben mystischen Anschau-
ung beruhen. Der Abt Georg Brcnning
von Manrsmünster und Gengcnbach
1612—1617 führte in geteiltem Schilde
eine Krone, durch welche drei Schilfkolben
mit Schafte gesteckt sind. — Auf einem
GlaSgemälde-EnOvnrf von 1590, gezeich-
net von Tobias Stimmer, sieht man auf
dem Schilde des Bestellers drei Schils-
kolben mit Schaft auf einem Berge, der
mit Gras bewachsen ist.
Der sagenhafte Sänger nnd Besucher
des Vcnnsbergcs Tannhänser, der
1240—60 gedichtet haben soll, wird unter
Nr. 90 im Manesse-Codex anfgeführt nnd
Tafel 43 giebt Zangcmeister das Wappen
desselben. Wilhelm Scherer in seiner
Geschichte der Deutschen Liltcratnr, Berlin
1889, S. 214 macht sich die Sache leicht,
indem er die Personifikation einer Allegorie
z» einem körperlichen Wesen macht. Er
schreibt: ,,Dcr Tannhäuser, ein Dichter
ans dcm salzbnrgischen Geschlechtc von
Tan hu sc», der etwa 1240—1270 ein
Wanderleben führte, am bayerischen, am
österreichischen nnd an anderen Höfen sich
anfhielt und auf seinen Fahrten bis in
de» Orient kam, zeigt sich als eine ganz
originelle Persönlichkeit." -— Was den
Namen Tanhnser betrifft, so denkt man
zunächst an das Dorf Thannhausen bei
Antendorf, an der Eisenbahn von da nach
Waldsee. Dasselbe liegt unweit von
Winterstelte». Es giebt aber anch ein
Tanhusen im Salzbnrgischen, eines in
Bayern nnd eines in Schwaben, was die
Entscheidung in der vorliegenden Frage
etwas erschwert. Abgesehen davon hat
mau den Namen Tanhnser mit Tann-Zahn
und den Namen der Ziegenböcke des
Gottes Thorr in Verbindung gebracht.
Jedenfalls ist Tannhänser ein fingierter
Name, denn eine Familie von Thannhausen
gab cs nicht, welche das im Manesse-
Codex gegebene Wappen führte. Anch
dieses letztere ist nnr ein Phantasie-Wappen.
Der Manesse-Eodex giebt dem sagenhaften
Humoristen eineil schwarzgvldenen, quer-
geteilten Schild, während die Weingartner
Liederhandschrift in dcm gleich geteilte»
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