Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 13.1895

Page: 17
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Organ für Orschichtr., AlrerruniDnndr^
Uunst und liruitur der Diücrsr Korrrndnrg und der aiigrrnzrnden Geüirte.
töelmusgegcbon und redigiert von Amtsrichter a. D. Beck, in NaVcnDur§.

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Ar. Z.
1S95.

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.Schwüdische Wiographicn.
2. Heinrich (II.) von Jsny, Erz-
bischof nnd Kurfürst von Mainz
(1286—1288).
Bon Amtsrichter a. D. Bcck.
Heinrich II. („Knoderer"), viel bekannter
unter dem Namen Heinrich von I s n Y,
(37.") Erzbischof und Kurfürst zu Mainz,
geboren in Jsny i. A. im Jahre 1222
als einfacher Leute (wahrscheinlich eines
Schmieds, nach anderen eines Bäckers)
Kind, gestorben am 17./18. März 1288.
Heinrich widmete sich dem geistlichen
Stande, trat frühzeitig zu Basel in den
damals blühenden Minoritenorden, studierte
in Paris, wurde im Franziskanerkloster von
Mainz Lektor der Theologie und mit der Zeit
Guardian der Konvente zu Basel und
Luzern (?). Von hier anS wurde er mit
Graf Rudolph von Habsburg bekannt,
sein Ratgeber in allen Angelegenheiten und
schließlich sein Kanzler nnd unentbehrlicher
Vertranter, soll auch noch sein nnd seiner
Gemahlin Beichtvater und Leibarzt gewesen
sein. Später im Jahre 1275 erlangte
der kluge Barfüßermönch statt des bereits
erwählten Peter Reich v. Reichenstein den
BischofSstnhl von Basel; die Art und
Weise seiner Erwählung äst jedoch sagen-
haft; letztere läßt sich weit natürlicher
durch seine große Gelehrsamkeit, seinen
ungewöhnlichen Verstand, die im Innern-
des Domkapitels herrschende Uneinigkeit
nnd durch die naheliegende Einwirkung
Rudolphs erklären. Als Bischof war seine
Hanptsvrgc ans den geistlichen Zustand
seiner Diöcese gerichtet, und ging er schon
hier in pflichtmäßiger Strenge nicht selten §

gegen den seiner Standespflichten sich nicht
immer bewußten Klerus vor. Aber auch
sonst wußte er sich immer noch mehr Geltung
zu verschaffen: Von König Rudolph, dessen
allezeit treuer Berater er war und welcher
ihn auch einmal (in einem Dokument) seine
„rechte Hand" nennt, wurde er mehrfach
in den schwierigsten und vertrautesten An-
gelegenheiten zu wichtigen Sendungen,
z. B. 1274 und 1276 nach Nom, im
Jahre 1277 nach London behufs der
Heiratsvermittlnngzwischen Rudolphs Sohn
Hartmann nnd Johanna, der Tochter des
Königs Edward von England, Schwagers
des Königs Alphons von Kastilien ge-
braucht. Bald daraus im Jahr 1278
machte er die Entscheidungsschlacht von
Dürnkrut zwischen König Ottokar von
Böhmen nnd Rudolph mit, vor welcher er
des letzteren Truppen zur Tapferkeit ent-
flammte und den Kriegern, die im Kampfe
für daS Recht fallen sollten, als Märtyrern
die himmlische Siegcskrone verheißen ließ.
Auf einem prächtig gerüsteten Streitrosse
sitzend, mit herrlichen Waffen geschmückt,
hätte er -— als echter Bischof der alten
Zeit, in der einen Hand das Kreuz, in
der anderen das Schwert — sich selbst
gerne in das Gewoge nnd Getümmel des
Kampfes gestürzt, allein der König ließ
dies nicht zu. Dafür bediente er sich nun
der ihm besser anstehenden Waffe des Ge-
betes, und soll er auch das bekannte Lied:
„Sand Marey, Mutter und Maid,
All unsre Not sey dir gechlaid,"
angestimmt, später aber doch noch in der
Stunde der höchsten Not und Gefahr, als
das Leben Rudolphs auf dem Spiele stand,
persönlich in die Schlacht eingegüffen haben.
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