Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 13.1895

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Ans einem schwäbischen Neichchrisre
im barchen Mlsichunderr.
(Schnssenried.)
(Fortsetzung.)
Bo» Amtsrichter a. D. Beck.
(Nachtrag zu Neresheim in Beilage
Nr. 5 von 1894, S. 17, zweite Spalte
med.:
Auch in Neresheim fanden besonders
Mitte vorigen Jahrhunderts viele theatra-
lische Ausführungen statt; jedes bedeuten-
dere Ereignis in Kirche und Staat hatten
sie zu verherrlichen; Darsteller waren teils
die Studenten, teils die Patres selbst; zu-
meist waren es Singspiele, von denen
manche von Neresheimer Konveiunalen
selber verfaßt waren. So wird schon
1695 beim 600jährigen Jubiläum deö
Klosters von etwas „Theatralischem" be-
richtet: Versekünstlcr war damals ?. Haydt,
sonst bekannt als Neresheimer Chronist.
Zn Ehren Abt Edmunds wurde am
91. April 1733 der „Wettstreit der vier
Jahreszeiten" aufgeführt, ein anderesmal
zu Ehren desselben Abtes: amica pu§na
elementorum. Ans den Jahren 1740
und 1741 sind bekannt:
„T^rs Oaedalei opitrcis d. i. dädalische
Baukunst in dem Abt ^urelio des Stifts
L. Oldalr. et^lra in Neresheim. O.Lened.
lVl. poet. Gedanken entworfen und zu seinem
Namensfeste offeriert von seinem Konvent.
Text der Festcantate. Manuskript la-
teinisch und deutsch um 1740, 9 Bl. kl. 4";
nicht gedruckt." Weiter:
„Haro Zratitudinis monumentum.
Tit. ^uincl. illlavius er§a Lüssipum
^tlrenieckbem. Ira^ico-comoediL ac-
torum II Irrclis autumn. a Studios,
juvontute bilereslreimensi in scenam
data. 1741. Manuskript von 21 S.,
kl. 4°; nicht gedruckt." — Außerdem sind
noch vorhanden (in der Maihmger Biblio-
thek) ein geistliches Singspiel (bei der
50. Gelnbdeernenernng der Roman
Baumeister und Bernhard Schmied am
1. Januar 1776 und Nepomuk Reißweg
und Edmund Heiland am 11. November
1781 anfgeführt), versaßt von 1^. Bened.
Maria Werkmeister, der auch bei dieser
Jubilänmsseier die Festpredigt gehalten.
„Der Arge und Karge" wurde 1759 von
der Neresheimer Studentenschaft vorgestellt.

l Das geistliche Singspiel am feierlichen Ein-
weihnugStag deS letzten Abtes M. Dvblcr
(siehe „Härtsfelder Bote" 1894, Nr. 23) :
„Trauer des Volkes über Davids Tod,
Prophet Nathans Ankündigung, der König
lebe in seinem Sohne ans, Triumph des
Volkes über Salomvns Krönung". Einem
Festspiel zu Ehren des 50jährigen Priester-
jubiläums dieses Abtes, wohnten französische
Offiziere mit dem General Grand-Jean
bei; sie waren eigens zur Beglückwünschung
des Abts zu diesem Feste aus dem Ries
herbeigeeilt. Am 3. September 1795 wurde
im Saale ans einem ganz neu gemachten
und von Wintergerst in Wallerstein ge-
malten Theater die Operette anfgeführt:
„Die guten Unterthanen". (?. Nacks
Tagebuch.) Das Theater ist noch vor-
handen im herrlichen Saale, dem schönsten
deö Klosters, mit Deckengemälden, die sich
ans die unbefleckte Empfängnis beziehe»,
und mit Wand-Hautreliefs der Benedik-
linerklöster Donauwörth, Füssen, Deggingen,
Fultenbach, Neresheim, Ottobenren. Der-
zeit versuchen sich ans den Brettern die
Mädchen des Instituts. Auch Herzog Engen
von Württemberg wohnte öfters theatra-
lischen Aufführungen an; einmal führte
ein Pater eine Jnvenschule vor, zu solchem
Ergötzen des Herzogs, daß die Aufführung
wiederholt werden mußte. (?. Faulhabers
Tagebuch.)
In den letzten Tagen des Neichsstiftö
war als Komiker auf diesen Brettern be-
sonders gern gesehen ?. Reiter, Professor
und Klostergeometer. Da einmal eine Auf-
führung wegen Erkrankung einer Haupt-
person unterbleiben mußte, unterhielt er
das Publikum allein mit Pantomimen, was
äußerst befriedigte. Erzherzog Karls Siege
wurden durch ein Singspiel gefeiert:
„Es zog der Jvurdan über'» Rhein
Und siel ins deutsche Reich herein,
Gleich einem Straßenränder.
Süß war die Proklamation;
(Und manche glaubten diesem Ton
Recht ivie die alten Weiber) u. s. f."
(siehe „Härtsfelder Bote" 1894, Nr. 87.)
Neben Werkmeister verfaßten Schauspiele
?. Beda Nack (später Domkapitular in
Augsburg) und k. Meinr. Naringer (später
Rektor des D^ceum Carolinum im Kloster
nach der Aufhebung). Der vorletzte Abt
Benedikt von Angern wäre allerdings, Nacks
Tagebuch zufolge, kein sonderlicher Freund
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