Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 13.1895

Page: 33
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Beiträge, .Korrespondenzen zc., Rezension s-Eremplare, Tanschzeilschriften re. welle»
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4S95.

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Aus dru Flchiriisaleu drs Girsrs im
dreiszigjätzrigru Arirg.
Von Bibliothekar l>r. Grupp in Maihingen.
Nach der Schlacht bei Breitenseld
(7. Sept. 1631) war Gustav Adolf
nach den Rheinlanden und nach Süd-
deutschland gezogen, hatte am 2l. März
seinen Einzug in Nürnberg gehalten und
belagerte vom 26. März bis Anfang
April Donanwörth. Nach der Einnahme
Donanwörths ging es über das NieS her,
zuerst wurde Nördlingen (9. April) durch
Oberst Degenfeld und Sperrenter besetzt
nnd hierauf Dinkelsbühl ins Auge gefaßt.
Am 14. April schrieb Oberst Sperreuter
an deil Nat in Dinkelsbühl, welches nach
1629 ausschließlich katholisch war, die
Stadt möchte sich gutwillig der königlichen
Majestät Protektion ergeben, damit er
nicht widrigenfalls mit den ihm an die
Hand gegebenen nnd ernstlich anbefohlencn
Mitteln per loiv.L (mit Gewalt) verfahren
müsse?) Er habe bereits einigen Compag-
nien (von denen, welche Würzbnrg be-
lagerte») den Befehl gegeben, ans Dinkels-
bühl zu marschieren, wenn cs ans seine
Forderungen nicht eingehe. Der Nat ant-
wortete ihm in schwankenden nnd zögern-
den Ausdrücken, er sei nicht abgeneigt sieb
in den Schutz des schwedischen Königs zu
begeben, aber Sperrenter möge bedenken,
daß die Stadt Dinkelöbühl seit vielen
Jahrhunderten im Schutze des Kaisers ge-
standen, dem der Rat und die ganze ihm
untergebene katholische und evangelische
') Schab, Geschichte der Stadt DiukelSbühl
während des dreißigjährigen Kriege?-, 1875, wel-
chem das folgende über Dinkelsbiihl emnviumcu ist, ;

! Bürgerschaft Pflicht und Eid geleistet nnd
sich dabei in beiden Religionen ganz einig,
friedlich nnd wohl befunden habe. Ans
diese Antwort hin schickte Sperreulcr drei
Compagnien Fußsoldaten nnd eine Abtei-
lung Reiter nnd ließ die Stadt einschlicßen.
Den Leuten in der Umgegend trieben die
Schweden das Vieh weg und zerstörten
die Feldfrüchte. Viele flohen in die
Wälder. In der eingeschlossenen Stadt
trat schon nach 14 Tagen Mangel an
Lebensmitteln ein nnd da keine Hoffnung
ans Entsatz war, mußten die Bürger dem
Gedanken an die Uebergabe nahe treten.
Eines Tages erschien ein Spcrrenterscher
Onartiermeister vor dem Wörnitzthor lind
verlangte endgültigen Bescheid, ob die
Stadt gutwillig die Thore öffnen wolle
oder nicht. Umsonst suchte eine Abord-
nung der Bürgerschaft mit dem in der
Koboldsmühle einquartierten Wachtmeister
zu verhandeln; die erbetene Bedenkzeit
wurde abgeschlagen und die Verbrennung
der Stadt angedroht, wenn sie länger
Widerstand leiste. Am 1. Mai mußten
dem Sperrenter die Thore geöffnet und die
Schlüssel zu den Stadtthore», zu den
Türmen nnd znm Zeughaus, überreicht
werden. Die Bürgerschaft, welche unter
Waffen stand, wurde entwaffnet und der
katholische durch einen protestantischen Rat
ersetzt. In dieser Zeit, während Nörd-
lingen, Dinkelsbühl und andere im tliea-
trum Umropaeum erwähnten Nies- nnd
Donanstädie, wie Dillingen, Wcmdingen,
Pappenheim nnd Licktenau von den Schweden
belagert nnd eingenommen wurden, wurde
das RieS nach allen Richtungen durchstreift,
geplündert und gebraudschatzt. Vor allen
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