Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 13.1895

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Uritilr der Wappen der.Minnesinger
aup Schwaden.
Ei» Beitrag zur Geschick,ie der christlichen Mystik
in Schwaben nnd Alaninnnien.
Von F. Mone.
(Fortsetzung.)
Daß der Name Ofterdingen in Ofte-
ringeii verändert worden sein kann, darf
nicht anffallen, weil die Ausstoßung des
6 am Ende oder Anfänge einer Silbe in
der alamannischen Mundart dem gewöhn-
lichen Sprachgebrauche entspricht. Die
Schweizer Familie Hnndwyl (Hund, Hnn,
Hnno, Hncne ist gleich Unterrichtendes
Zentgcrichles oder Stellvertreter des Gra-
fen) heißt in der Züricher Wappenrollc
(1340) Hnnwyl nnd Hinwyl, in der
Konstanzer Wappenrollc von 1547 noch
Hnyndwyl nnd 1559 ans GlaSgcmälden
Hintvyl. — Das Eistcrzienscrinnentloster
Magdenan (Xu^in virginum) i>n Toggen-
bnrgischen heißt in den Inschriften ans de»
Glaögemäiden mnndartlich im in er Ma-
gcnan, Maggenan, ohne cl. - Es ist mit-
hin Oftcrdingcn als identisch mit Ofleringen
nachgewicsen. Ta aber sonst der Sänger
Heinrich von Ofterdingen gar nicht ver-
kommt, so bleibt schließlich kein anderer
Answeg übrig, als die Annahme, er habe
psendonym gedichtet nnd man muß den
Beringer von Horheim für dieselbe Per-
sönlichkeit mit der des Oflerdingers halten.
Die Worte des B. v. Horheim, „Der
(König) mir ze Pulle (in Apulien)
die Heerfahrt gebot", kann auch auf
das Jahr 1208, 1209, 1228 nnd 1250
bezogen werden.
XXV.
Nachdem hier von der Dichtung des
„Sängerkrieges ans der Wartburg" von
1266 —1300 die Rede gewesen, so er-
wartet man auch, daß über den bisher
unbekannten Verfasser jener Leistung, die
man jetzt eine akademische oder tendenziöse
nennen würde, irgend etwas gesagt werde.
Bon der Person jenes Dichters oder
DichterlingcS weiß man soviel, als gar
nichts, aber Anhaltspunkte, um ans den-
selben „Schlüsse" ziehen oder ans ihnen
Hypothesen anfbanen zu können, liegen
allerdings einige vor. Zunächst darf an-
genommen werden, daß Mancsse-Hadlanb,
wie auch der Kanzler Kliugimberg, jeden-

falls den oder die Dichter des Sänger-
krieges ans der Wartburg in ihren bezüg-
lichen Sammelwerken ausgenommen haben.
Unter welchem Namen soll aber im
Manesse-Codex der Dichter zu suchen sein?
— Zweitens ist als selbstverständlich an-
znnebmen, daß der Dichter vom „Sänger-
krieg" ebenfalls ein Sammler alter Poesien
gewesen sei, wie der Kanzler Bischof
Klingenberg nnd die beiden Manesse.
Denn nur ein Sammler epischer Dich-
tungen vom Anfänge des 13. Jahrhunderts
an, kann die bezüglichen Kenntnisse der
Personen jener Zeit gehabt haben und
konnte eine Rekonstruktion oder Erdich-
tung eines solchen Vorganges versuchen.
Gehen wir auf die Frage ein, ob der
Dichter des „Sängerkrieges ans der Wart-
burg" ein Süddeutscher oder ein Thüringer
Landeokind gewesen sei, so kommen bei der
Kritik zunächst die Namen der dabei be-
teiligten Sänger in Betracht. Wolfram von
Eschenbach nnd der tugendhafte Schreiber
(lUeinricus gcriptor clo VVix^ense, Weissen-
see, Dominikaner-Mönch in Eisenach),
gest. 1238, waren schon längst nicht mehr
unter den Lebenden, als daö Gedicht „der
Sängerkrieg" gemacht wurde. Dagegen
sind, wie man annehmcn darf, die Namen
der Dichter Klingsor, Ofterdingen
nnd Tannhnser für drei später lebende
und um 1280 noch existierende Poeten er-
funden nnd ersonnen worden, nämlich für
Waller von Klingen, gest. 1285 oder
für Bischof Heinrich von Klinge » b e r g,
gest. 1306, für Beringer von Horheim-
Ofteringen (1254) nnd für Bilgrim
von Tanne. Diesen dreien hat man die
Namen KlingSor, Ofterdingen, Thann-
hnser beigelegt, gleichsam um sie zu
maskieren oder in einem alten Kostüme
auftreten zu lasse». Ferner unterliegt es
keinem Zweifel, daß der Dichterling, wel-
cher um" 1290—1300 unter dem Namen
Hunsi Wolfram von Eschilbach Nro. 47
mit erfundenen Wappen vorkommt, den
wahren und echten Wolfram von Ober-
eschenbach-Pleienfeld im Wartburgkriege
spielen mußte, weil cs eben der Dichter
des Wartburgkrieges so haben wollte.
Läßt man diese Vermutung gelten und
hält man an dieser oder an einer ähn-
lichen Hvpothese fest, so bleibt nur die
Wahlchwntweder de» Bischof Heinrich von
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