Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 13.1895

Page: 37
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freundlich empfangen, den Feldmarschall >
mit etlich wenigen ins Schloß geführt,
die übrigen im Markt ansgeteilt, daß sie
an Essen und Trinken nur Ueberflnß (und)
keinen Mangel hatten; ist geschehen mit-
tags um zwölf Uhr. Dieser Tag ist mit
Essen und Trinken zngebracht worden, ich
aber bin in meiner Stube geblieben. Den
Abend, als der Wein operiert, hat's spitzige
Reden gegeben, dadurch ein solcher Tumult
entstanden, daß niemand gewußt wer Lebens
sicher. Auf dieses hin ist alles Gesind
durch ein heimlich Fenster ausgerissen,
weder Wächter noch niemand ist im Schloß
geblieben, als Herr D. Sanr, Haus-
meister, Beschließerin, Näherin, diese wären
auch gern draus gewesen, wenn sie hätten
springen können. Ich (lag) in meinem
Bette ganz ansgezogen, denn ich bin vor-
hin die ganze Woche nie aus den Kleidern
gekommen und es hat der närrische Stall-
Jäckel unser sechs (nämlich den Schreiber,
Sanr, Hausmeister, Beschließerin, Näherin)
wohl verwachen und verhüten lassen. Die
schwedische Reiterei hat selbige ganze Nacht
mit aufgezogenen Hahnen ihrer Pistolen
unter allen Thoren selbst Schildwach ge-
halten, keine Uhr schlagen oder Stunden
anSrnfcn lassen, sondern ohne Unter-
laß geschrieen: Wer da, wer da?
Folgenden Sonntag (2. Mai) habe ich
heimlich ohne Glockenläuten celebriert,
Montag Krenzerfindung, habe ich wieder
die Kutte beiseite legen müssen, im
Hosenwams zur Kappel gegangen, mich
also angelegt und celebriert, keine Glocke
gebraucht, darüber etlichen die Angen
»aß wurde». Bon selbiger Zeit habe
ich nicht ans meiner Stube gedurft,
bin gleichsam gewesen als wie im
Arrest. Weil ich also in der Klausur,
hat sich Herr Pfarrer zu Wallerstein auch
hinwegbegeben ans Hohenrechberg zu
seinem Bruder, daselbst Bnrgvogt, da ihn
die schwedischen Reiter henken wollten;
ist also aller Gottesdienst darnieder ge-
legen; hiezwischen haben die neuen Gäste
alles durchstört, alle Kisten und Kasten
anfgebrochen, davon viel zu melden wäre.
Bin in meinem finstern Stüblein Leibs
und Lebens nicht sicher gewesen. Im
Kloster Maihingen hat Pater Guardian
oft entlaufen und haben doch endlich die
Pferde herhalte» müsse», konnte sic nickt >

! länger mehr verbergen, die losen Bauern
von Löpsingen Habens verrate». Der
Pater Guardian hat von elf schönen Nossen
jetzt mehr nicht denn vier heillose Merrcn,
hat zwei Ochsen bekomme», die müssen
pflügen und der Roß Stelle vertreten.
Maihingen ist Maihingen gewesen, wird
nicht leichtlich wieder zu Maihingcn
werden, bevorab unter solcher Tutel und
Schutz.
Von Kreuz Erfindung bis Samstag
Lantate, 8. Mai ist der Gottesdienst
unterlassen gewesen. Derowegen wurde
Pater Archangelus beschrieben, der Pfarre
sich anznnehmen, darauf wir ans vorher-
gehende zngesagte Sicherheit Sonntags
Lankate den Gottesdienst wieder ange-
fange», ich im Schloß, er in der Pfarre,
doch haben wir uns ohne Convoi (Geleit)
entweder durch den Lieutenant oder Zeng-
wart allein nicht auslassen (auSgehen)
dürfen, ohne uns einem Spott ausznsetzen.
Wo nun Gott seine Kirche, hat der Leidige
auch seine Kapelle. Also ist ein alter
Prädikant von Nördlingen beschickt worden,
derselbe ist mit fünf Töchtern und sonsti-
gem großen Anhang erschienen, sie haben
gesungen im großen Saal: Wo Gott der
Herr nit bei uns hält:e. item: Nun bitten
wir den hl. Geist w'. darauf swurde)
(Dominica Lantate) gepredigt, nach der
Predigt gesungen: „Erhalt uns Herr bei
deinem Wort" rc. Ich habe meinen
Gottesdienst auch gehalten in der Kapelle.
Aflermontag, den kl. Mai ist wieder im
Saal gepredigt und geuachtmahlet worden.
Ich habe ans stark Begehren des Haus-
meisters und um anders Unglück zu ver-
hüten, einen Kelch dazu geben müssen,
hat mich übel verdrossen. Jetzt kann ich
den Kelch nicht mehr brauchen, ich habe
ihn dem Hausmeister gelassen. Bon solcher
Zeit an bin ich und Pater Archangelus
beisammen gewesen, auch beisammen ge-
schlafen, bis die wütige Reiterei
fortgekommen und der jetzige Ka-
pitän mit seinem Fußvolk sich
eingelegt hat. Er (der Kapitän) ist
ein geborener Voigtländer, aber im Mark-
gräflich Baireuthischen beheimatet, in ganzer
Gestalt und Person wie unser gnädiger
Herr selig (Graf Johann Albrecht) doch
! etwas jünger, still und freundlich, also
! bescheidentlich, daß Gott wolle, unsere
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