Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 13.1895

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Grundriß verfertigte der Tertianer Fr.
Jllnminatus Roth aus der Schweiz; der
Hofiuaurcrmeistcr Dürrheimer aus Signia-
riugeu führte den Bau aus; er hatte täglich
eine Maß Mein und 28 kr., ein Geselle
22 kr., und ein Tagweker 16 kr.
Das alte Kloster staud höher am Berge,
der Neubau wurde weiter heruutergerückt.
Beim Graben der Fundamente wurden die
Gebeine von etwa 80 Mensche» anfgefnn-
den, was zur Vermutung Anlaß gab, daß
hier der Friedhof des früheren Dorfes ge-
wesen sei. Mau beerdigte diese Gebeine auf
den Kirchhof zu Laiz und setzte auf den
Platz, wo sic gefunden wurden, die neue
Kirche. Z Der Bau des Klosters wurde
in einem Sommer vollendet, und am 1. No-
vember 1683 zogen die Schwestern in
den Neubau ein. Am 2. Oktober 1688
konsekrierte der Weihbischof von Konstanz
feierlich die von Grund aus ueugebaute
Kirche und das Kloster; in erstere stiftete
1695 Christoph Ott mit einem Geschenk
von 100 fl. eine Lampe. Im Jahre 1724
wurde der neue Gastflügel, und im Jahre
1725 die Mauer um das Kloster herum
mit herrschaftlicher Bewilligung aus gesam-
melten Beiträgen erbaut; dieser Bau kostete
in allem 4273 fl. Aus Oesterreich und
Wien flössen allein 1500 fl. au Beisteuern.
Im Jahre 1746, dessen Sommer sehr
heiß war, wurde wegeu des üblen Geruches
aus der Klostergruft durch den ?. Pro-
vinzial Loddegar, der damals den Konvent
visitierte, die Erlaubnis erteilt, eine neue
Gruft zu errichten; diese wurde auch vom
Bischof von Konstanz gewährt, und zwar
mit der weiteren Bewilligung, daß der
derzeitige Beichtvater, ?. Bonavita Frank,
sie eiusegue. Zuerst wurde hier begraben
die Schwester Elisabeth» Hefncr.
V^ie durch den Schwedeukrieg, so hatte
das Kloster Gorheim auch durch den spa-
nischen Erbfolgekrieg zu leiden. Bayern
y Dieses Auffmden Vvn Gebeinen hat in
neuerer Zeit eine erhöhte Bedeutsamkeit gewon-
nen. Jin Sommer 1843 wurde bei der Fassung
der herrschaftlichen Brunnenguellen, ln der Nähe
von Gorheim, eine Menge römischer Münzen,
die ans der letzten Zeit der römischen Kaiser
stammen, Scherben und einzelne Gebeine anfgc-
snnden. Dadurch gewinnt die Annahme Wahr-
scheinlichkeit, daß die im Jahre 1683 anfgefnn-
Lenen Gebeine die Ueberreste eines römischen
Begräbnisplatzes gewesen seien.

und Franzosen bedrängten die Umgegend
und das Kloster. Fortwährende Streifzüge
von Freund und Feind, Kontributionen an
Geld und Naturalien schwächten es sehr.
Es existieren hierüber interessante Aufzeich-
nungen in dem noch erhaltenen Kloster-
buche. Darnach mußte die Stadt Sigma-
ringen „denen sexischcn Völkern" für ihren
Teil 3500 Gulden zahlen und hierzu sollte
das Kloster von je 100 Gulden zehn Gul-
den, also 350 Gulden, liefern. Dessen
weigerten sich die Klosterfrauen, weshalb
die Stadt am 2. Januar 1704 „einen
fnhrier sambt 3 renthern" nach Gorheim
ins Quartier legte. Doch schon am fol-
genden Tage wurde das Geld bezahlt; „die
Exequierer marschierten zwar wiedcrnmb
ab, (wir) mußten aber syn für 2 gantze
tag bezahlen und mit 7 st. Wein haben
sy getrunken 20 maS, bier 20 mas, und
an Essen musten wür ihnen geben, was sy
nur verlangten; neben dem hcw verfneterten
sy 10 fürtl Haber." Man sieht, die Leute
verstanden das „Exeqnieren". Diese Art,
langsame Zahler rasch zu machen, war
schon vom Mittelalter her sehr in Ge-
brauch, und was ein Soldatcnmagen zu
leisten im stände sei, das hatten die Klo-
sterfrauen im Jahre 1679 schon erfahren
müssen. Damals sollten sie ihren Beitrag
zur Kriegsstencr zahlen, und da sie sich
gleichfalls zu hoch geschätzt hielten, so
weigerten sie sich. Da „schickten sy (die
Sigmaringer) uns einen Korporal sambt
2 Tragoner vom Trantmansdorffischen
regimens^ welche von 10 uhr vormittags
bis 10 uhr abendts gemelten tags neben
continuirlichem Essen und trinken sehr ibel
gehauset. 22 mas wein habe» sy getrun-
ken und haben (wir) ihnen miessen geben
5 Firtl Haber." Noch manche Angst mußten
die Klosterfrauen ertragen, bis endlich auch
dieser verheerende Krieg sein Ende fand.
Im Jahre 1782 wurde das Kloster
von Kaiser Joseph II. aufgehoben, sämt-
liche Schwestern pensioniert und ihnen in
der Person des Geistlichen Joseph Lenzinger
ein Beichtvater nmter dem Namen Direktor
gegeben. Die Aufhebung vollzog, wie in
Laiz, der K. K. Kommissär Biermann aus
Stockach, welcher dabei ein sehr strenges
Verfahren beobachtete. Allen Klosterfrauen
wurde zur getreuen Fassion des Vermö-
gens das Handgclübdc abgenommen, das
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