Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 13.1895

Page: 45
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mitplündcrn. Noch stärker schildert der
NegiernngSkonnnissär HauSmann bas Uebel,
wenn er sagt, daß die Räubereien allge-
mein, die Soldaten jeder Zucht und Dis-
ziplin entwachsen seien, nnd daß die Be-
völkerung ob der unmenschlichen Behand-
lung verzweifelt und wütend sei. Der bei
der französischen Rheinarmee damals steh-
ende General Duhesme, der für seine
Person der Gelderpressung sich enthielt,
gab einmal, als er um Gnade und Scho-
nung angerufen wurde, die bezeichnende
Antwort: „Die Franzosen sind eben böse
Bursche nnd lassen sich durch Strenge
nicht bändigen. Dann müßt ihr wissen,
sobald ein französischer General seinen
Fuß in einen Ort setzt, gehört derselbe
der Republik. Ich kann nicht immer han-
deln, wie ich will."
Die (von dem nachmaligen Prälaten und
Patrioten Joh. Gottfried Pahl veröffent-
lichten) „Materialien zur Geschichte des
Krieges in Schwaben im Jahre 1796"
(dreiLiefernngen, Nördlingen bei KarlGott-
lob Beck, 1797/98, 717 Seiten) geben
hierüber eine reiche Auslese.Unter
den vielen hiebei übel mitgenommenen
Dörfern nnd Ortschaften ist aber in
diesen „Materialien" ec. nnd auch in
der Navensburger Obcramtsbcschreibnng
von Memminger (S. 134) sowie bei
Eben a. a. O. der südlich auf dem Berge
(hinter der Beitsburg) malerisch gelegene
Pfarrweiler St. Christi na mit einer
der ältesten Pfarreien der Gegend nicht
erwähnt, wo die Franzosen wahrhaft van-
dalisch hausten, lieber diese Heimsuchung
dieses Pfarridylls gicbt der damalige Psarw
Herr, bezw. Pst-n'rvikar, ein Prämonstra-
tensermönch aus dem nahen Reichsstift
Weissenan, welchem die Bergpfarrei seit
uralten Zeiten einverleibt war, in einem
„Kurzer Beschrieb der feindlichen Ueber-
rnmpelnng der löblichen Pfarrey St.
Christ ina ob Ravensburg ab Seiten
der retirirenden französischen Truppen unter
den Generalen Abatncci, Ferino, JordiS,
am 30." Septbris, 1." 2." 3." 4." 25." Ok-
tobris 1796 verfaßt von P. Gottfried
Seyfried, Reichsstift Wcissenauschen
Kapitnlaren, nnd daselbst gewesten Pfarr-
vicarcn" überschriebenen, in der dortigen
Pfarregistratur befindlichen säuberlich nnd
sein ans 48 Seiten Qnartfolio geschriebenen

Manuskripte ein aufrichtiges ungemein pla-
stisch-drastisches Bild, welches wir als der
Veröffentlichung wert folgen lassen, und wel-
ches viel ausführlicher ist, wie ein anderer zu-
erst im „Oberschwäbischen Anzeiger" vom
11. August 1889, Nr. 182 b, dann in
dieser Zeitschrift, IX. Jahrgang (1892)
Nr. 7, S- 27/28, „Die Franzosen in
Oberschwaben" über dieselben Vorkomm-
nisse bereits abgedruckter Bericht, nnd
letzteren bedeutend ergänzt. Der auch dich-
terisch angelegte Verfasser dieser Leidens-
nnd Jammerchronik, P. Seyfried, ein
(i. I. 1743) geborener Ravensburger,
Pfarrer in St. Christina von 1793—
1803 (?), von 1812—14 in Obereschach
(ch zu Weissenan i. I. 1816), scheint erst
einige Zeit nach der Katastrophe wahr-
scheinlich während eines Vakanzaufenthalts
im Kloster an die Niederschrift seiner trau-
rigen Erlebnisse zu ewigem Gedächtnis ge-
kommen zu sein, waS indes der Offen-
herzigkeit und Treue der Schilderung durch-
aus keinen Eintrag lhnt. Eröffnet wird
dieselbe mit einein
„Bor-Carmen
an sämtliche 1796 milbetroffenen Landsleute".
, 1.
Schrecklich ist die Kriegesplage,
Denn da wird in einem Tage,
Was man jahrelang erhanset,
Kurz und gänzlich weggemauset.
' 2
Sind die Feinde Teufelsgeister,
Und nur heut nnd morgen Meister;
Dann, vH liebe Landeslenle!
Gebt her, was ihr habt, zur Beute!
3.
WaS der Hunnen nnd Barbaren,
Was der Tartaren wilden Scharen
Bvrzuspielen einst beliebet,
Wird von neuem ansgeübet.
4.
Gottes Tempel sind verheeret,
Weiber, Jungfern sind entehret:
Menschlich-göttliche Gebote
Dienen bloß zum Hohn und Spotte.
5.
Gott und Vater Deiner Kinder!
Schöner Retter selbst der Sünder,
Mach' dem Elend doch den Beschluß,
Schenk uns bald den Friedenskuß.
Es war — so hebt die Leidenschrvnik an —
am 30. September 1796, au welchem Nachmit-
tag nach 1 Uhr der nächst an nnd um den Galgen-
berg bei Ravensburg postiert geweste, etwa ein
Truppencvrps von höchstens 4000 Mann kom-
mandierende k. k. General Klinglin einer mehr
als noch so starken, in zwei Kolonnen von Machen-
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