Beck, Paul [Hrsg.]; Hofele, Engelbert [Hrsg.]; Diözese Rottenburg [Hrsg.]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 13.1895

Seite: 49
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-13.
ZahrM.

Schwäbische ViagraMiecu.
3. Propst Anton II. Straub des
ChorherrnstifteS Reichersberg in
Oberösterreich aus Kolbingen a. D.
(1780—1860). l)
Bon Amtsrichter a. D. Beck.
Derselbe wurde am 2. September 1780
in dem am Südabhang des HeubergS
gelegenen, früheren vorderösterreichischen
Pfarrdorfe Kölbingens bei Mühlheini a. D.,
im jetzigen württembergischen Oberamtsbe-
zirke Tuttlingen, von armen Eltern, die
sich von ihrer Hände Arbeit nährten, ge-
boren und auf den Namen Andreas ge-
tauft, kam durch Vermittlung seines Bru-
ders, damals Schulgehilfe zu St. Florian
bei Schärding, und mehrerer Menschen-
freunde in Schärding zu den Studien auf
das Gymnasium nach Passau, welche er
mit ausgezeichnetem Erfolge znrücklegte.
Noch vor Vollendung seiner Gymnasialzeit
hatte er sich um die Zusicherung der Auf-
nahme in das im Jahr 1084 gegründete
regulierte lateranensische Chorhcrrnstift vom
hl. Augustin zu Reichersberg, welches sich
an der westlichen Grenze Oberösterreichs,
eine halbe Stunde unterhalb Obernberg,
links von der nach Schärding führen-
den Straße, auf einem gegen den Inn
vorspringenden Hügel, weithin sichtbar er-
hebt und durch seinen, wenn auch nicht
großartigen und ganz regelmäßigen, doch
immerhin stattlichen Bau einen schönen
Anblick gewährt, beworben, welche dem
hoffnungsvollen Jünglinge am 3. Sep-
tember 1803 auch gerne gewährt wurde. Das
Probejahr trat er jedoch erst, nachdem er
zu Linz als Kandidat der Theologie sich

der Prüfung ans der Philosophie, sowie
den theologischen Studien unterzogen
und zu St. Pölten den 8. Scptember
1807 die Priesterweihe erhalten hatte, am
21. Oktober des nämlichen Jahres an nnd
legte am 22. Oktober 1808 seine feierlichen
OrdenSgelübde ab. Zunächst wurde der
junge Priester als Katechet und Koopera-
tor im Stifte verwendet, dem er in den
herben Kriegsjahren 1805 nnd 1809 durch
seine perfekte Kenntnis der französischen
Sprache die trefflichsten Dienste leistete.
Tausend von Napoleons Kriegern hauchten
im Reichersberger Spitale an der grassieren-
den Seuche ihren Geist aus; den meisten
stand der junge, unermüdliche und opfer-
willige Stiftspriester in ihrer Leidcnszcit
bei, tröstete nnd richtete dieselben auf, wie
auch die meisten aus seinen Händen die
letzten Tröstungen der Religion empfingen.
Nebenbei erteilte er vielen solchen Knaben,
die im Begriffe standen, sich den Studien
zu widmen, den hiezu erforderlichen Vor-
unterricht und eröffnete er so manchen
talentvollen Jünglingen die höhere Stu-
dienlanfbahn, Zutritt zu Würden in
Kirche und Staat. Gleich nach der fran-
zösischen Invasion vom Jahre 1809 ge-
langte das nicht lange vor seiner Zeit,
im Jahre 1779 als Bestandteil des sog.
Jnnviertels von Bayern an Oesterreich ge-
kommene Stift infolge des Wiener Frie-
dens voir 1809 zuerst unter französische und
dann das Jahr darauf wieder unter baye-
rische Landeshoheit, sowie unter Admini-
stration. Zn Anfang des Jahres 1810
starb hochbetagt der verdiente Propst (seit
1770) Ambros Krenzmayr am Spital-
brand nnd war nun das Stift bis zum
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