Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 13.1895

Page: 127
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reute, Stadtammannö und Georg Stürzet,
PermenterS, angenommen haben. Diese
Jahrzeit solle jedjährlich ans Skt. Bartho-
lomäustag ob dem Grabe des vorgedachten
Jakob HumpiS und seiner Hausfrauen mit
einemUlacebo am Vorabend und am Tage
selbst mit einem Seelenamte und 6 heiligen
Messen gehalten werden. Hiefür soll dem
Gotteshaus der Karmeliter jährlich von
den Pflegern des SeelhanseS 1 Pfund und
lO Schill. Pfg. gegeben werden. Besiegelt
ist die Urkunde von Klemens Aukeureule,
Stadtammann.
Spricht diese Urkunde dafür, daß die
HumpiS auch auf ihren neuen HerrschaflS-
gntern die Verbindung mit de» Karmeli-
ter» nicht aufgaben, so ist sie auch nach
einer anderen Seite hin bemerkenswert.
Während sonst in den Jahrtagsstistungen
mit der Möglichkeit gerechnet wird, daß
sie das eine- und das anderemal durch
Nachlässigkeit der Priester oder Pfleger
unterlasse» werden könnten und deshalb
besondere Bestimmungen hiegegen getroffen
werden, so wird in unserer Urkunde die
Abschaffung der Jahrzeit voransgesehen.
„Doch wo hinfüro, heißt es am Schluffe,
die Jahrzeitcu oder Jahrtäg über kurz
oder lang durch ein gemain Consilium
oder Reformation abgetha» oder sonst der-
massen allhie nit mer gehalten würden:
wie das beschehen würde, sollen sy noch
ir Nachkommen uns noch unser» Nach-
kommen alsdann die augezaigtcn 1 Pfd.
10 Schill. Pfg. nit mer wie bisher zu
geben, dergleichen wir solch Jahrzeit nit
weiter zu halten verpunden und nit mer
schuldig sein." Die religiöse Bewegung
jener Zeit war eben auch au der allen
Welfenstadt nicht spurlos vorübergegaugen.
Freilich der aus den angesehensten Patri-
ziern bestehende Magistrat hielt den alten
katholischen Glauben fest und widerstrebte
energisch jeder Neuerung auf religiösem
Gebiete im Vertrauen auf ein Konzilium,
„durch welches die Glaubcnssacheu auS-
getragen werden, weil dieselben von Tag
zu Tag ärger werden" und im Dezember
des Jahres unserer Stiftung, erklärte er
dein kaiserlichen Gesandten Freiherr» zu
Gnndelfiugcn, „daß sie bei dem alten,
wahren christlichen Glauben und auf ein
Konzilium beharren." Aber es gärte
bereits in der "Bürgerschaft, welche 1544

das patrizische Stadtregiment stürzte und
die Neformaiion eiuführte. Wenn sie auch
nicht die Herrschaft behaupten konnte, und
das Stadtregiment mit den Katholischen
teilen mußte, so hatte doch das Karmeli-
terkloster am meisten darunter zu leiden,
da eS die Kirche mit den Protestanten bis
zur Aufhebung im Jahr k803 teilen
mußte. —
b) der Skt. Jodokspfarrei in
Navensbu r g.
Ueber Errichtung derselben und über
Gründung der Kaplaneieu brachte Nro. 2
dieser Zeitschrift schätzbare Mitteilungen.
Daß die einzelnen Pfründen durch Schen-
kungen erstarkt bald in die Lage kamen,
auswärts Erwerbungen zu machen, ist bei
dem wohlthätigen und frommen Sinne des
Mittelalters und bei der damaligen Ver-
waltung der Benefizien nicht zu verwun-
dern. So bringt schon 1441 die Pfründe
des Mittelalters der Skt. JodokSkirche den
Zehnten auf dem Niemandsfrenudhofe Ge-
meinde Amtzell in ihre Hand. In diesem
Jahre nämlich, Donnerstag nach Sankt
Jörgen Tag, erwerben die Pfleger des
mittleren Altars in Skt. Jos Pfarrkirchen
zu Nancnspurg: Matthaeus Butzkofer und
Paule Vugge von Lutz Gäßler dem älter»,
Burger daselbst, den Groß- und Klein-
zehntcn zu Niemandsfreundhof um 100
Pfd. Pfg. Besiegelt ist die Urkunde (Ori-
ginal in der Psarregistratur zu Pfärrich)
von Jos HumpiS, Bürgermeister und HanS
Sürge, Stadtammann. Doch bereits nach
einem Jahre verkaufen dieselben Pfleger
den Zehnten aus diesem Hofe »m die
gleiche Summe an U. L. Frauen Kapcll
zu Pfärrich mit Wissen und Willen des
Jtal HumpiS, des älteren, des Kirchen-
vogtes dieses Gotteshauses. Besiegelt ist
die Urkunde (Original zu Pfärrich) von
Jos Hnmpis, Bürgermeister und Lutz
Gäßler, Stadtammanu.
Diese letztere Urkunde giebt uns Gele-
genheit, die Angabe „der Beschreibung des
Oberamts Wangen" vom Jahr l841 die
Kirchcnvogtci in Pfärrich betreffend zu be-
richtigen. Während sie die Pfänner von
Wangen von 1432—1457 und erst von
1457 an die HumpiS im Besitze der Kir-
cheuvogtei sein läßt, ergiebt sich aus un-
serer Urkunde, daß diese bereits im Jahr
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