Beck, Paul [Hrsg.]; Hofele, Engelbert [Hrsg.]; Diözese Rottenburg [Hrsg.]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 13.1895

Seite: 175
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Laut Instrument des Notars Johann
Schlachter verzichtete am t. März 1507
der Kaplan Quirinus Bonkhofer von Aller-
heiligen, kraft einer ihm vom Papste
Alexander 1493 Juli 24 gegebenen wört-
lich inserierten Generalvollmacht, in die
Hände des Abtes Johannes von Schussen-
ried in dessen Kloster zu Gunsten des
Pröpsten Adam von Waldsee und seiner
Nachfolger auf seine Kaplanei, worauf
genannter Abt diesen Propst in den kör-
perlichen Besitz der Kaplanei cinsetztc?)
Allerheiligen war ehemals eine Besitzung
des Hochstiftes Konstanz, bis es im Jahre
1799 durch Tausch an Heiligenberg kam.
Im Jahre 1794 bewohnte die schon er-
wähnte Einsiedelei ein Greis, der sich von
Eberstein nannte und ehemals Hofkavalier
bei der Kurfürstiu von Sachsen war. Als
die Kaplanei später einging, wurde der
Gottesdienst von Markdvrf aus besorgt.
Von Gcorgi bis Martini mußten jeden
SamStag zwei Kapuziner von Markdorf
an dem Wallfahrtsorte Allerheiligen sich
einfinden und alle 14 Tage drei heilige
Messen für die Verstorbenen lesen. Dies
dauerte bis zum 8. Oktober 1812. A»
diesem Tage wurde die Kirche exsakriert,
das ewige Licht auSgelöscht und das Gnaden-
bild in Prozession von dem KustoS und
Stadtpfarrcr Hanbenschmid in das sogen.
Wcishauptische Chörlein der Pfarrkirche zu
Markdvrf versetzt. Seitdem aber dieses Chör-
lcin, das eine Familienstiftung war, bei
Wiederherstellung der Pfarrkirche nach dem
Stadtbrand 1843 abgebrochen wurde, be-
findet sich das Guadenbild (Maria mit
dem Jesukinde) auf dem Schutzmantel-
BruderschaftSaliar der Epistelscite. Bald
nach der Transferierung des Gnadenbildes
wurde die Wallfahrtskirche Allerheiligen
abgebrochen. Die achtregisterige Orgel und
die Kreuzweg-Stationen kamen in die alte
Pfarrkirche nach Berghcim (abgebrochen
1874). Gegenwärtig befindet sich daselbst
nur noch ein fürstenbergisches Försterhans
und zwei Bauernhöfe, die früher als ein
Hof zur Kaplanci gehörten. Seit langem
schon wohnte ein herrschaftlicher Jäger zu
Allerheiligen. Nachdem das alte Jäger-
haus wegen Baufälligkeit im Jahre 1740
abgebrochen Worte» war, baute das Hvch-
stift Konstanz ein neues. Dieses wurde
unter fürstenbergifcher Herrschaft zuletzt
auch abgebrochen und in Neuester Zeit erst

das jetzige freundliche Försterhauo aufge-
baut. Unter dem Hochstiste hatte der da-
malige daselbst aufgestellte Jäger neben
dem Waidwerk die Aufsicht über die Wal-
dungen, mußte den BahnwartSdienst ver-
sehen und hatte den Mesner in der Kirche
zu Allerheiligen zu machen.
An Stelle, wo die ehemalige Wallfahrts-
kirche gestanden und wo besonders zur
Sommerszeit eine Menge Andächtiger sich
einfand, ist jetzt ein Gemüsegarten, welcher
znin FörsterhauS gehört; nur Eines ist
geblieben, das ist die prachtvolle Aussicht,
die dieser Ort „Allerheiligen", wie er jetzt
noch heißt, dem Besucher gewährt.
Anmerkungen.
U Freib. Diöc.-Archiv V, 113.
2) F-iirstenb. Urkundend. VI, Nr. 101.
Ebendaselbst VI, Nr. 101
Ü Ebendaselbst VI, Nr. 101?.
5) Ebendaselbst VI, Nr. 101?.
ch Ebendaselbst VII, Nr. 97^.
Beitrage zur Geschichte einzelner
Vfarreien.
1. Reihenfolge der katholischen
Pfarrherrn von Oberndorf am
Neckar von 1222—1 895.
Vvn StadtpfarrerB r inzi n g e r in Oberndvrfa.N.
Litteratnr: Registratur der Stadtpfarrei
Oberndvrf. Glatz, Beiträge zur Geschickte des
Landkapitels Rvttweil, im Freiburger Divcesan-
archiv 1876, 1877, 1878. Häßler, Chronik vvn
Rvttenbnrg—Ehingen. Rvttenbnrg, Bänerle,
1819. Felder-Waizenegger, Gelehrtenlexikon,
3 Bände, Landshnt 1817—1822.
Oberndorf am Neckar gehörte geogra-
phisch und polnisch seit uralten Zeiten zur
sogenannten Berchtoldspar, einfach auch
Para genannt. Wie wir aus St. Galler
Urkunden wissen, erstreckte sich die Baar
ihrem Hanptleil nach auf die Bezirke des
SchwarzwaldkreiseS: nämlich über die Be-
zirksämter Villingen, Hüfingen, Möhringen
in Baden, sowie über die württembergischen
Oberämter Tuttlingen, Spaichingen, Rott-
weil, Balingen, Oberndorf, Sulz, Freuden-
stadt, Horb, wahrscheinlich auch Notten-
burg, über die sigmaringische Herrschaft
Haigerloch und Fürstentum Hechingen. Die
Berchtoldspar, welche ihren Namen hat
vom alemannischen Herzog Berchtold, der
erstmals 724 genannt wird (Stalin, Wirt.
Gesch. I, 285 und 243), gehörte, wie das
ganze jetzige Obcramt Oberndorf samt der
Stadt Oberndorf, in kirchlicher Beziehung
zum Bistum Konstanz, zum Archidiakonat
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