Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 14.1904

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Dr. Adolph Kohut:

ITlciler Hnfon Schöner—Berlin.

(Nachdruck verboten.)

Zu jenen, zu allen Zeiten selten gewesenen
Bildnismalern, denen die hohe Kunst
eigen war und ist, im Porträt die volle
geistige und seelische Bedeutung einer Persön-
lichkeit in grosszügiger monumentaler Auf-
fassung durch die Palette wiederzugeben,
gehört auch der am 14. März 1866 in Nürn-
berg als der Sohn eines schlichten, aber nicht
mit irdischen Gütern gesegneten Schneider-
meisters geborene Anton Schöner. In der
Geburtsstadt Albrecht Dürers fand Schöner
in den Werken des grossen Malers seine
erste Anregung zur Kunst. Das berühmte
Holzschuher-Porträt des Meisters Dürer,
welches sich früher im Germanischen Museum
in der altehrwürdigen Noris befand, übte
schon auf den Knaben einen mächtigen Ein
druck aus, nicht minder auch die Repro-
duktionen des Altmeisters im Albrecht Dürer-
Haus seiner Vaterstadt. Schon früh fiel
Schöners seltenes Talent zum Zeichnen und
zum Karakterisieren auf, aber dem Jüngling
fehlten vollkommen die Mittel, um seiner

ANTON SCHÖNER—BERLIN. NACH DEM GEMÄLDE :

JJildnis des Architekturmalers Prof. Paul Ritter (1903).

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ANTON SCHÖNER—BERLIN. Bildnis-StudÜnkopf (l8Q2).

Neigung zur Kunst nachkommen zu können.
Statt dessen kam er mit vierzehn Jahren zu
einem Lithographen in die Lehre, und diese
Tätigkeit übte er ein ganzes Jahrzehnt aus,
ohne dass jedoch dadurch die Begeisterung
für die Malerei in seiner Seele erstickt worden
wäre. Sobald es seine Mittel erlaubten,
siedelte er nach München über, wo er in
der alten Pinakothek an den so trefflichen
Vorbildern von Porträts der alten Meister
Anregung fand; aber seine beste Lehrmeisterin
blieb eben die Natur, und diese hatte ihm
auch die scharfe Beobachtungsgabe verliehen.
Unter den lebenden grossen Bildnismalern
war es vor allem Franz von Lenbach, dessen
Meisterwerke ihn begeisterten, ohne dass
jedoch das ernste Studium der Natur und
das der alten Meister ihn zum Nachahmer
gemacht hätte. Seine Auffassung hat viel-
mehr stets etwas persönlich Individuelles und
Eigenartiges gehabt.

Von München siedelte der Künstler nach
Berlin über, wo er seit zehn Jahren grosse
Erfolge erzielt und zahlreiche namhafte Per-
sönlichkeiten porträtiert, sowie viele Werke
geschaffen hat, die seinem Namen Bedeutung
und Ruhm verliehen haben.

Von den Porträts jener Persönlichkeiten
die Anton Schöner verewigte, seien hier nur
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