Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 14.1904

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XII. Wettbewerb der »Deutsche Kunst und Dekoration*.

C. DREYSSE—ZABERN i/E.

Lobende Erwähnung.

Die Geseke des ITIoscnks,

(Schluss von Seite

Indes, wenn wir so Steinchen von Steinchen
durch verschiedene Färbung trennen und
selbständig machen, besteht da nicht Gefahr,
dass das Ganze auseinanderfällt, dass all
die Einzel - Individuen sich nicht mehr
zu einer umfassenden Einheit zusammen-
bringen lassen? In der Tat ist dies eine der
Schwierigkeiten, welche im Mosaik liegen,
trotz dieser Buntheit eine Bildwirkung und
trotz der denkbar grössten Mannigfaltigkeit
im einzelnen — Einheitlichkeit des Ganzen
zu erzielen. Allein gerade deshalb wird das
Problem manchen zur Bearbeitung reizen!

Nun ein weiteres! Die Steinchen und
Glasstücke, welche zur Herstellung des
Mosaiks dienen, werden zusammengesetzt;
dieses Zusammensetzen ist ebenfalls wesent-
lich für die Technik. Es ist nicht etwa wie
bei der Schablonenmalerei, wo die Einzel-
flecke durch eine Schablone, durch Löcher
hindurch aufgetragen werden; nicht wie beim
Laubsägen, wo sie aus einem Stück Holz

439, Mai-Heft.)

ausgesägt werden; nicht wie ein Nagelmuster,
das durch einfaches Einschlagen von Nägeln
succesive entsteht; sondern die Stein- und
Glasstücke, zugleich von einer gewissen
Stärke und Widerstandskraft, werden neben-
einandergesetzt. Eins stösst das andere;
immer bedingt die Gestalt des vorhergehenden
die des folgenden. So ist ihre Zusammen-
lagerung nicht das Werk des Zufalls, sondern
nach einer gewissen Gesetzmäßigkeit erfolgt,
und in der Gesamterscheinung kommt dies
auch zum Ausdruck. Es ist eine gewisse
Abhängigkeit des einen vom andern in seiner
Form sowohl wie überhaupt in seiner ganzen
Existenz. Man sieht, wie jedes Stück seinen
Halt erst empfängt durch seine Umgebung.
Eins scheint auf das andere zu drücken, wie
es selbst von allen Nachbarn gedrückt, ein-
geengt, festgehalten wird; ein ähnliches
Schauspiel scheint man zu erleben, wie wenn
eine mächtige Volksmasse sich irgendwo ge-
staut hat und nun keiner mehr vor- noch
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