Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 14.1904

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Neue Porzellankunst in Coburg.

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einem Punktierer die Marmor-Behandlung erlernt
hatte, begründete er im Jahre 1888 mit Franzi,
dem damaligen ersten Punktierer Mailands, ein
Kompagnie-Geschäft. Seine selbstschöpferische
Tätigkeit begann einige Jahre später, mit einem
kleinen »marinajo« (in Corfu, Achilleion), der noch
die süssliche, italienische Manier zeigt. Dann
aber stellte er die »Witwe« aus, welche Marmor-
büste vom »Museum für moderne Kunst« in
Rom angekauft wurde. Diese führte ihm auch
einen deutschen Kunstfreund zu, für den er
seitdem fast ausschliesslich arbeitet. Es ent-
standen nun seine »Märtyrerin«., die bei ihrer
Ausstellung in München die goldene Medaille
erhielt, dann 2 grossartige Brunnen - Masken,
einige interessante Porträtbüsten, ein »Junger
Arbeiter im Laufe« u. a. mehr, vor allem aber
sein »L'uomo che tace«. Dieses Werk zeigt in
seiner realistischen Behandlung des menschlichen
Körpers beinahe klassische Vollendung. So gibt
uns dieser Bildhauer eindrucksvolle Zeugnisse
einer starken, männlichen Kunst, die alle
dem Ideal der schlichten, grossen Gestaltung
nachzustreben scheinen. m. v. Bieberstein.

kath. schaffner—prag. Freie Ornament-Motive.

neue Porzellankunst in Coburg.

In keiner Industrie hat der in künstlerischer
Beziehung ganz ungenügend vorgebildete
Stand der Modelleure, Maler etc. solche Ent-

artungen aufzuweisen, wie das in der Por-
zellanfabrikation Deutschlands im allgemeinen
der Fall ist; deshalb kamen wenige Künstler-
Keramiker auf den Gedanken, in diesen
Brutstätten der Sinnlosigkeit ein Betätigungs-
feld aufzusuchen, aber es bedarf keiner
weiteren Erörterung, dass bei diesen Ver-
hältnissen neue ethische Kultur nicht empor-
blühen kann und eben so wenig ein fein-
fühlender, neue Wege bahnender Künstler
in fruchtbarer Arbeit wirken kann. Erheb-
liche Schwierigkeiten bieten sich aber dem
Neugründenden in dem nötigen hohen Grün-
dungskapital, so dass Künstler selten in der
Lage sind, Fabrikanten zu werden. Das
Porzellan des breiten Marktes ist nur deshalb
in seinem ersten Entwickelungs-Stadium ge-
blieben, weil die farbige Ausstattung, be-
zeichnender Weise »Dekoration« genannt,
als nachträglicher Tünch von aussen her nach
dem Brennen erfolgt; diese technisch primi-
tive Weise, ein edles Material zu tönen, artete
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