Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 14.1904

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A. Taumann—München: Zur Exlibris-Mode.

THEO MOLKENBOER—AMSTERDAM.

Porträt.

Zur Exlibris-Mode.

Ich werde mir keine Sympathieen
erwerben mit meiner Verurteilung
der modernen Exlibris, das weiss
ich wohl. Schaffen sie doch manchem
Künstler willkommene Beschäftigung
und Verdienst; und das Interesse für
Kunst, das sich in ihnen dokumen-
tiert , kann fürwahr nicht warm ge-
nug begrüsst werden. Als kostbare
Seltenheit verdient es sorgfältigste
Pflege. Schade, dass dies eine Mal,
wo sich regere individuelle Teilnahme
an Kunst gezeigt hat, sie auf einen
falschen Weg geraten ist. — Ich
appelliere an den gesunden Menschen-
verstand. Vergessen wir für einen Mo-
ment all die liebgewordenen Deute-
künste und Allegorien und Gedanken-
labyrinthe, auf die unsere Exlibris-

Besitzer so stolz sind, und über-
legen wir einfach, ungezwungen:
Welchen Zweck haben Exlibris,
und welche Zeichnung wird
diesem Zweck am besten ent-
sprechen? — An alten Ur-
kunden sehen wir oft gewaltige
Siegel baumeln. Sie zeigen in
bald roher, bald feiner Aus-
führung entweder das Wappen
der Siegelnden oder, bei einem
grösseren Herrn, auch das Por-
trät. Jahrhunderte lang hat
man sich auf diese Inhalte der
Siegel beschränkt. Man bemerkt
ferner an ihnen, dass sie Kreis-
oder kreisähnliche Formen haben
und dass die Zeichnung archi-
tektonisch in diese Kreisform
hineinkomponiert ist. Die Zeich-
nung trägt auch immer straffen
architektonischen Karakter. Und
man hat angesichts dessen den
Eindruck, dass es so gut sei,
dass ein anderer Umriss und
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