Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 14.1904

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ARTHUR ILLIES—MELLINGSTADT.

Schwäne,

Dresdner Kunst-Ausstellung.

Die Dresdner Kunst-Ausstellung hat auch
in diesem Jahre ihre Stellung im
deutschen Kunstleben zu bewahren gewusst,
die sie von Anfang an durch die klare Er-
kenntnis ihrer Veranstalter errungen hat. Sie
ist auch diesmal wieder keiner jener allge-
meinen Kunstmärkte geworden, in denen das
Angebot von frisch produzierter Kunst in
jeglicher Gestalt in einem wahrhaft er-
schreckenden Maße zu Tage tritt und jede
Ruhe des eigentlichen Kunstgeniessens von
vornherein unmöglich macht, vielmehr jene
Auslese von Kunstwerken, die ein gewisses
künstlerisches Durchschnitts-Niveau halten,
über das wohl hinauf- aber nicht herunter-
gegangen werden darf, ja sie hat diesmal
wohl dies Ziel noch besser erreicht als je.
Das Durchschnittsmaß des Dargebotenen steht
entschieden höher, als das irgend einer der
vorhergegangenen Dresdner Ausstellungen.
Die alte Richtung, die, von Kunstsalons ganz
abgesehen, noch auf so manchen Kunst-
ausstellungen ein so behagliches Dasein führt,
erscheint hier so gut wie gar nicht mehr vor-
handen, selbst nicht unter den einheimischen
Künstlern. Ausser auf Sezessions-Ausstell-
ungen ist die moderne Kunst wohl kaum je
so rein und schlackenlos auf einer derartigen

Veranstaltung zu Tage getreten. Dafür frei-
lich fehlt es der Ausstellung ein wenig an
grossen Schlagern, an solchen Kunstwerken,
die wirklich das Höchste vorführen, dessen
die Kunst heute fähig ist, die als wirkliche
Bereicherung derselben gelten können. Die
Wiederholung, die Variation, das Schon-
dagewesene herrscht vor. Grund dafür ist
wohl, dass dies Jahr als ein ganz besonders
böses Ausstellungsjahr gelten muss. Die
Welt-Ausstellung in St. Louis, die Düssel-
dorfer Kunst-Ausstellung und gar der alle
guten Kräfte absorbierende Künstlerbund in
München, wo sollen da die Kräfte herkommen,
um jede Kunst-Ausstellung mit lauter inter-
essanten Werken anzufüllen ? Die allgemeine
Ausstellungs-Konkurrenz ist ja überhaupt
in ein gefährliches Stadium getreten.

Recht reizvoll ist dafür auch dies Jahr
wieder die ganze Aufmachung der Aus-
stellung. In dieser Beziehung will sich Dres-
den mit Recht nicht von seiner führenden
Stelle, die ihm nur von der Wiener Sezession
bestritten werden dürfte, zurückdrängen
lassen. Zur Auslese gesellt sich so die rich-
tige Vorführung der Kunstwerke, denen,
obwohl man sie eigentlich garnicht liebevoll
genug behandeln kann, meist auf den Aus-
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