Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 14.1904

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Bücherschau: Das Kleid der Frau.

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An der Ausschmückung dieser Räume
sind neben anderen Künstlern auch die
übrigen Mitglieder der Künstler-Kolonie
Professor Habich, Cissarz, Haustein und
Dr. Greiner beteiligt. — Das Hessenland und
besonders dessen Hauptstadt haben Ursache,
auf den herrlichen Erfolg des Olbrich-
Pavillons stolz zu sein. —
4

NEUE GLASFENSTER in Opaleszent-
glas nach Entwürfen von Professor
Hans Christiansen—Darmstadt ausgeführt
von der Spiegel - Manufaktur und Kunst-
glaserei H. Hahn—Frankfurt a. M. Wir
verweisen hierzu auf die auf den Seiten 500
und 501 abgebildeten prächtigen Fenster,
in deren Ausführung für die Welt-Ausstellung
St. Louis die genannte Firma den Absichten
des Künstlers in technischer Vollendung wie
feinem Wiedergeben der Farben durchaus
gerecht wurde. d. r.

£

BÜCHERSCHAU.

DAS KLEID DER FRAU von Alfred
Mohrbutter, mit weiteren Entwürfen
von Peter Behrens, H. van de Velde, Else
Oppler, Anna Muthesius, Emmy Friling,
Else von Hahn, Marie Hartmann, Rudolf
und Fia Wille, Frieda Petersen, Clara Möller,
Louise Matz u. a. Ein Beitrag zur künstle-
rischen Gestaltung des Frauen - Kleides mit
ca. 90 Abbildungen ausgeführter Kleider,
20 Entwürfen (darunter 8 farbig) und 32
farbigen Stoffmuster - Zusammenstellungen
und Buchschmuck. — 100 Seiten gross 8°
in Prachtband Mk. 12.—. Verlags-Anstalt
Alexander Koch—Darmstadt. — Ein Werk,
das die gesamte gebildete Frauenwelt wie
auch die Berufs-Arbeiterin in Kostümdingen
aufs lebhafteste interessieren wird, zählt es
doch unstreitig zu den bedeutendsten Dar-
bietungen seiner Art aus neuer Zeit. Kein
Geringerer als der bekannte Maler und de-
korative Künstler Alfred Mohrbutter, der in
Fragen der modernen künstlerischen Frauen-
Kleidung mit besonders wertvollen Vor-
schlägen und Entwürfen hervorgetreten ist,
hat hier die Summe seiner bisherigen Arbeit,
das Ergebnis der letzten Ausreifung seiner
Ideen und Versuche in greifbaren Proben

niedergelegt, die gleichsam den Höhepunkt
der bisherigen Bewegung in dieser Richtung
bedeuten. — Wie nun aber der ergänzende
Untertitel ausweist, haben wir es hier nicht
mit einer einseitig gelösten Aufgabe zu tun,
die auch bei bester Beherrschung des Stoffes
durch Alfred Mohrbutter allein schliesslich
etwas einförmig, sich wiederholend gewirkt
haben würde. Mohrbutter hat eine Reihe
Mitarbeiter dafür herangezogen, deren Bei-
träge es ihm ermöglichten, an seine eigene
Arbeit einen strengeren Maßstab anzulegen.
Er hat damit aber auch den Anschauungen
anderer Raum gegeben und hierdurch natür-
lich die Bedeutung der mit dem Thema selbst
verknüpften prinzipiellen Fragen wesentlich
gesteigert und deren Lösung sehr verall-
gemeinert. Doch der Löwenanteil am Werke
ist Mohrbutter verblieben. Von ihm stammt
der gesamte Plan und die grösseren Beiträge
einschliesslich des einführenden Textes; das
übrige Material ist eine Erweiterung, eine
Beweisführung seiner Ideen in wirklich aus-
geführten Kleidern. Und auf Grund dieser
eröffnen uns seine eigenen Entwürfe, die
teils in schwarzer Zeichnung, teils in Aquarell-
Manier gehalten sind und in den farbig
wiedergegebenen 3 2 Original-Stoffproben eine
Musterkarte der Verwendbarkeit zeigen, un-
gezählte Möglichkeiten der Persönlichkeit das
ihr individuell zukommende Kleid zu ge-
währen. — Eine geradezu erstaunliche Fülle
an Vorbildern und Anregungen ist in diesem
allermodernsten Kostüm-Werke nahe bei-
sammen , und zwar weit über den augen-
blicklichen Bedarf, über die gegenwärtige
Zeitmode hinausragend. Darin beruht sein
Schwerpunkt. Es hebt nicht das Typische
des zur Zeit gerade beliebten Modebildes
hervor, sondern es zeigt das künstlerische
Moment des Eigenkleides der Frau über-
haupt, wie es über Zeit und Mode hinaus
seinen unantastbaren Wert, seine persönliche
Note behalten soll. — Wie bei allen Werken
der Kochschen Verlags-Anstalt, so kann
auch über das vorliegende Kostüm-Werk
von Mohrbutter in seiner gesamten Aus-
stattung nur das wärmste Lob ausgesprochen
werden. Es ist ein Buch-Erzeugnis, das allen
Beteiligten zur Ehre gereicht. k. h.
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