Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 14.1904

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Freie OrnamenMIlofiDe Don

So sehr unsere Zeit für eine erhöhte Pflege
des Naturstudiums für die Aufgaben
der bildenden Kunst eintritt, so sehr be-
günstigt aber auch die sieghaft vorwärts
dringende neue Strömung die Erfindung von,
wenn auch nicht gerade abstrakten, so doch
aber von freien Ornament-Motiven, für welche
sich greifbare Vorbilder nicht immer nach-
weisen lassen. Otto Eckmann, dann aber später
auch Hans Christiansen, Herrn. Obrist, Bernh.
Pankok, in jüngster Zeit Rudolf Rochga,
Paul Lang, Paul Haustein, Hugo Steiner—
Prag und einige ganz junge Talente haben
das Feld des Fantasie-Ornaments besonders
erfolgreich abgeerntet. Paul Bürck war an-
fänglich mehr Pflanzen-Stilist, erst später
erwachte seine Neigung zum Fabulieren in
der Ornamentik, wo dann Vorbilder dafür
nicht mehr nachweisbar sind. Eckmann wie
Christiansen haben vielfach Erscheinungen
des Kunstfeuerwerks und der Wasserkünste
künstlerisch beseelt und aus ihnen eine geist-
volle, prickelnde Ornamentik geschaffen.
Andere haben die Natur nicht gerade um-
gangen, sich doch aber mehr den niedrigst
stehenden Formen zugewandt, es sei an
Haeckels Kunstformen der Natur erinnert,
die der Fantasie den grössten Spielraum ge-
statten. Aber ein Vorbild war immer,
auch dem Erfinder des rein abstrakten Or-
naments hat ein solches vorgeschwebt, sei
es im mikroskopischen Präparat, sei es in
den wechselnden Regungen der Elemente,
der Wolken, des schmelzenden Schnees,
bröckelnder Wände oder auch irgendwelcher
Bewegungsmomente der Mechanik — eine
ursächliche Anregung der Fantasie für Or-
nament-Kompositionen bestand auf alle Fälle.

Kafharine Schaffner—Prag,

Sie bleibt nachweisbar trotz raffinierter Ver-
schleierung, trotz kapriziösester Umgestaltung.

Hier streift diese Art Ornamentik das
Mystische der malenden Musik, hier setzt
die eigentliche Erfindung, das innere Schauen
des Kompositions-Ornamentes ein, wenn auch
oft mit dem grossen Fragezeichen »Was will
Das werden?« Die jetzt mit solchen Frag-
ment-Ornamenten zum ersten Male auf den
Plan tretende junge Künstlerin Katharine
Schäffner—Prag bietet dafür in den auf den
Seiten 428—433 wiedergegebenen kleinen
Schöpfungen hochinteressante Beiträge, nach
deren Ursprung zu forschen man geradezu
gereizt wird. Die Anwendung derartiger
Ornamentik ist eine schier unbegrenzte; sehr
nahe liegt Druck, Färbung, Pressung und
Stanzung auf und in allerlei Stoff. Das sind
Fingerzeige für eine schrankenlose Ausbeu-
tung, für ein müheloses Festhalten von Traum-
bildern und tollen Erscheinungen bei Sinnes-
täuschungen. — Ob so etwas jedermann
gefällt, ist eine andere Frage; daraus zu
machen ist auf alle Fälle etwas. — Dieselbe
Künstlerin unterbreitete uns noch eine Reihe
kleiner Landschafts-Skizzen voll duftigen,
intimen Reizes, die es uns nahelegen, der
Künstlerin eine Pflege dieser Seite ihres
auch aus ihren Ornamenten sprechenden
malerischen Könnens zu empfehlen. Das
Suchen nach Ausdruck und Gestaltung wird
sich damit klären. Katharine Schäffner sagt
selbst, dass sie nunmehr nach mancher Irr-
fahrt in Prag Ruhe zu eigentlichem Schaffen
finden wird. Hier lebt und schafft sie n\it
Hermine Laukota zusammen, der sie die
wesentliche Förderung ihres eigenartigen
Gestaltungstriebes verdankt. — k. h. o.

katharine schaffner—

landschafts-studie
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