Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 47.1920-1921

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KUNSTHANDWERK UND ERZIEHUNG.

Es gab eine Zeit — und es ist die Frage, ob
man davon wie von Vergangenem reden darf
— da galt die Kunst als etwas über den Wassern
des Alltags Schwebendes, für eine schöne, aber
nicht unbedingt notwendige Beigabe des Seins.
Weil aber die Kunst nicht ein abseits liegen-
der Zaubergarten ideal gesinnter Träumer
ist, und, wo man sie dazu verurteilt dieses
Scheindasein zu führen, ihre beste Kraft zum
Schaden des ganzen Volkstums dahinwelkt und
stirbt, dürfen Dichter und „Könner" sich nicht

von einander trennen. Kunst ist nicht nur
Idee, nicht nur inneres Erlebnis; aus die-
sem wächst das Kunstwerk erst durch das Ge-
stalten heraus. Und das verlangt ein Kön-
nen. Wo dieses im Ringen mit der Materie
seine Kräfte stählte und entfaltete und sieghaft
persönliches und allgemeines inneres Schauen,
Tausende beseligend, in die Sinnenwelt zwang,
da erblühten Hochzeiten der Kunst. Gelang es
der Architektur, die am erdenschwersten ge-
bunden ist, so wurde sie Mutter und Führerin

RENI SCHASCHL WIEN. »KERAMIK«
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