Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 47.1920-1921

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EINE DEUTSCHE GEWERBESCHAU MÜNCHEN 1922.

VORSCHLÄGE UND ANREGUNGEN VON ALEXANDER KOCH.

Im Sommer 1919 veröffentlichte ich in der
„Frankfurter Zeitung" und in der „Deutschen
Kunst und Dekoration" einen Aufsatz, der für
die Abhaltung einer „Großen deutschen und
deutsch-österreichischen Kunstgewerbeschau"
eintrat. Mein Ausgangspunkt war die Presse-
nachricht, daß 1922 in Paris und Detroit „Welt-
ausstellungen" stattfinden würden, bei denen
Deutschland ausgeschlossen bleiben sollte. In
diesem Aufruf führte ich u. a. Folgendes aus:
„Es ist etwas Groteskes in dem Gedanken:
„Ausschluß der Länder", denen die Welt über-
haupt erst ein neues Kunstgewerbe verdankt!
Selbst wenn wir keinen einzigen Stuhl, kein
einziges Stück Gewebe in Paris zeigen könnten,
unser Geist würde siegreich dort zugegen sein
und diese Ausstellung genau soweit beherr-
schen, als sie gut und modern sein würde.

Aber dies bedeutet für uns nur eine plato-
nische Genugtuung. Wir müssen durch positive
Taten zeigen, was wir auf kunstgewerblichem
Gebiet sind und können. Wir müssen sichtbar
um unsern Markt und Namen kämpfen. Wir
müssen 1922 eine Deutsche und Deutsch-
Österreichische Kunstgewerbe - Aus-
stellung dem Pariser Unternehmen ent-
gegenstellen! Eine „ großdeutsche " Ausstel-
lung gegenüber einem Unternehmen, das er-
klärtermaßen zur Vernichtung des Deutschtums
beitragen will.

Es ist zu fordern, daß sofort in die
Vorbereitung einer Deutschen und
Deutsch-Österreichischen Kunstgewer-
be-Ausstellung eingetreten werde. Einer
Ausstellung, die durch und durch sorgfältig aus-
gearbeitet, gewissenhaft, liebevoll und vollendet
durchgeführt wird ; die alle Kräfte der Nation
zum Gelingen zusammenfaßt; die von allen
Deutschen aller Parteien als wichtige, gemein-
sam-nationale Angelegenheit empfunden und
behandelt wird. Ablehnung jeder Zersplitte-
rung ; weitherzigste Organisation ; Mitwirkung
aller irgendwie befähigten Köpfe und Hände.

Es wäre verfrüht, Rahmen und Ausdehnung
dieser Deutschen Kunstgewerbe-Ausstellung
1922 schon jetzt bestimmen zu wollen. Darüber
können erst die nächsten Monate einige Klar-
heit bringen. Nur soviel: die Ziele sind
weit zu stecken! Mitwirkung der Archi-
tektur und der freien Künste ist selbstver-
ständlich. Technisches, Hygienisches, Soziales
hat mitzusprechen, vielleicht auch die neuen

Nöte der Zeit, Wohnungsnot, Siedelungsbedürf-
nis. Als Ausstellungsort — wenn dieser
Punkt unvorgreiflich berührt werden darf —
kommt meinem Empfinden nach weder Berlin
noch München in Frage, sosehr jede dieser
beiden Großstädte auch geeignet wäre. Größere
Anziehungskraft, besonders auf das Ausland,
hätte zur Zeit vielleicht Südwest-Deutschland,
Main oder Neckar, wo zugleich etwas Kern-
haftes an deutscher Landschaft und allem deut-
schem Städtebild gezeigt werden könnte. Ober-
stes Gebot: Nichts Halbes! Keine Auf-
machung mit fragwürdigen Mitteln,
keine fadenscheinige Repräsentation,
kein Abklatsch der Wirklichkeit, son-
dern die Wirklichkeit selbst! Energische
Herausstellung deutscher Gesinnung und deut-
schen Könnens. Beschränkung auf die Gebiete,
auf denen uns Rohstoffmangel und sonstige
Erschwerungen nicht hindern, den bewährten
Geist unserer Zweckkünste zu offenbaren. Vor
allem keine Ausstellung, die irgendwie
nach dem fremden Besucher schielt,
sondern Formen, Gegenstände, Gesin-
nungen, die unserer Lage, unseren Mitteln
ungezwungen entsprechen.

Keine Sorge, die Welt wird zu uns kommen.
Sie hat sich — unsere Exportziffern vor dem
Kriege beweisen es — gewöhnt, Deutschland
als Wiege und Hort neuen kunstgewerblichen
Schaffens zu betrachten. Zeigen wir, daß
es dies noch in weit höherem Maße
ist und daß es darum kämpft, es mehr

denn je zu bleiben......"

Inzwischen ist nun der Gedanke, den ich da-
mals vortrug, zur Tat geworden. Die „Deutsche
Gewerbeschau München 1922" ist gesichert.
Eine programmatische Denkschrift ist schon
hinausgegangen, in der die Ziele dieser Aus-
stellung usw. dargelegt werden.

Es kann keine Frage sein, daß die Münchener
Künstler für die Umsetzung der gegebenen An-
regung in die Tat den vollen Dank der Allge-
meinheit verdienen. Es wäre ja wohl richtiger
gewesen — von meinem Standpunkt in dieser
Sache vermag ich nicht abzugehen — man hätte
mit Hinblick auf das Ausland einen anderen
Ausstellungsort gewählt; denn noch auf der
Frankfurter Messe konnte ich von Amerika-
nern und besonders von Schweizern die Mei-
nung hören, eine andere Stadt, etwa Frankfurt,
sei vom Standpunkte auswärtiger Besucher ein
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