Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 47.1920-1921

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GEORG
KOCH-
BERLIN.
»MASKEc

Die heutige Weltstadt ist ein Maskenmeer."
Mit diesen Worten leitet Georg Koch sein
künstlerisches Selbstbekenntnis ein. Der Künst-
ler, der sich als ein geistiger Wahlverwandter
der Poe, Daumier und Dostojewski bekennt,
schreibt weiter: „Die durch die grelle Nacht-
beleuchtung verursachten scharfen Schlagschat-
ten lassen die Züge der menschlichen Physio-
gnomie markanter erscheinen als am hellen
Tage." Man wird aber gut daran tun, in die
seelische Werkstätte einen Blick zu tun, aus
der die Masken Kochs hervorgingen.

Das Visionäre, die in nächtlicher Einsamkeit
entstandene Erscheinung, gab wohl der einzel-
nen Arbeit den Anstoß; aber schon dieser An-
stoß ist immer weit mehr als ein Zufall und

nicht nur wahlloses Phantasieren der hinter ge-
schlossenen Lidern am intensivsten arbeitenden
Gesichtsnerven; denn diese Erscheinungen sind
schon das Ergebnis einer starken psychologi-
schen Konzentration. Und diese Konzentration,
die aus dem menschlichen Antlitz das letzte Ge-
heimnis der Seele herauszuzerren sucht, setzt
sich bei Koch in der Werkarbeit fort, verstärkt
und verdichtet sich. Koch nennt seine Art den
„Expressionismus der künstlerischen Psycholo-
gie". Sofern wir nach Schlagworten suchen,
können wir uns mit diesem Wort begnügen. Aber
wir werden noch sehen, wieviel mehr in den
Kochschen Gesichtern und Köpfen liegt, als nur
die Synthese einer auf Erforschung des Ge-
sichtsausdrucks gerichteten Betrachtung. Hier-
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