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Ness, Wolfgang
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 10, Teil 2): Stadt Hannover — Braunschweig, 1985

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https://doi.org/10.11588/diglit.44415#0131

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satzbau Nr. 38 und südlich anschließend als
Neubauten Nr. 40 und 41. Im Vergleich zeigt
sich die inzwischen vollzogene Entwicklung
im Mietwohnungsbau in Linden sowohl an der
Anzahl und Höhe der Geschosse als auch an
der Erschließung: Die vier Vollgeschosse und
das Dachgeschoß mit je zwei Wohnungen er-
reicht man vom Hof aus durch die mittige
Haustür, die in einen Treppenhausvorbau
führt, in dem auch die Toiletten untergebracht
sind.
Der Einbau eines Ladens oder die Durchfahrt
zum Hof führen zur unsymmetrischen Auftei-
lung des Erdgeschosses, das durch Gurtge-
sims und z.T. durch die beliebte Bänderputz-
rustika deutlich als Sockelzone der Fassade
artikuliert ist. Der obere Fassadenteil ist mit
Ziegeln verblendet und symmetrisch ange-
legt. Häufig binden Fensternischen mit inte-
grierter Zier das erste und zweite Oberge-
schoß zusammen, während sich das dritte -
attikaähnlich - durch ein Gesims absetzt. In
der Dachzone findet sich hier ein mittiges,
breites Zwerchhaus oder seitlich je ein
Zwerchhaus (z.B. Wittekindstraße 14). Diese
Dachausbauten wirken insofern auf die Glie-
derung der Fassade ein, als sie zu rhythmi-
sierten Fensterachsen führen. Gleichzeitig
deuten sie die Lage der „Guten Stube“ an.
KONKORDIASTRASSE
Parallel zur Dieckbornstraße verläuft die Kon-
kordiastraße, eine weitere westliche Parallel-
straße kam nicht zur Ausführung. Die Gebäu-
de (Nr. 1,2,3,4, 5,6,7, 8,9) der Ostseite bzw.
an den Ecken entstanden zwischen 1885 und
1890, die Westseite erhielt die Bebauung in
den folgenden fünf Jahren; hier finden sich al-
lerdings auch zwei Nachkriegsersatzbauten.
Trotz dieser Neubauten und einiger vor allem
infolge der Kriegszerstörungen notwendigen
Veränderungen hat die Straße ihre Geschlos-
senheit bewahrt. Die Gebäude sind drei-, die
späteren viergeschossig, zweispännig, haben
vorwiegend sechs Fensterachsen, rückwärti-
ge Erschließung und Bauwich, und zeigen
Ziegelfassaden mit Formsteinen und Zierset-
zungen als Gesims, in den Brüstungsfeldern
und am Giebel. Prägend wirkt sich die über-
wiegende Giebelständigkeit der Häuser (Nr.
3-7,12,13) aus, die man in Linden derart be-
herrschend nur noch im Nordabschnitt der
Nieschlagstraße findet. Seit etwa 1860 waren
in Linden auch giebelständige Häuser, die
vorher unerwünscht waren, entstanden. Wie
die gleichzeitigen traufständigen hatten die äl-
testen von ihnen fünf Fensterachsen und den
Eingang vorn in der Mitte; später setzte sich
auch bei diesen Häusern der hofseitige Ein-
gang mit Treppenhausanbau durch, und der
zweispännige Grundriß führte zu sechs Fen-
sterachsen.
Die Gestaltung von Eckgebäuden birgt wegen
der städtebaulichen Bedeutung und der bei-
den Ansichten meist unterschiedlicher Breite
spezielle Probleme. Eines der gelungensten
Beispiele ist Konkordiastraße 1, das sich
durch seine geringe Höhe als eines der älte-
sten im Quartier ausweist. Die Paarung zweier
symmetrischer Fassaden und einer auf die
Kreuzung ausgerichteten Eckbetonung wurde
häufig wiederholt.

Die Häuser in diesem Bereich haben kleinbür-
gerlichen Zuschnitt. Die Nähe zum Bahnhof
ließ hier offenbar Handwerker siedeln, die im
Blockinnern Werkstätten und einige bewohn-
bare Hinterhäuser errichteten. An den beiden
„Hauptstraßen“ (Wittekind- und Nieschlag-
straße) entstanden Läden, an den Straßen-
ecken richteten sich häufig Gastwirte ein -
Linden hat einen großen Bestand an „Eck-
kneipen“. Einerseits tagten die Gewerkschaf-
ten und die SPD in den Gasthäusern, gleich-
zeitig tranken sich hier die Arbeiter über ihre
Misere hinweg. Wohl auch, um die Arbeiter
von der Straße zu bringen, bauten konfessio-
nelle Arbeitervereine um 1900 Vereinshäuser.
Erhalten hat sich jenes des Katholischen Ar-
beitervereins, das 1906 auf dem Grundstück
Konkordiastraße 14 nach Plänen der hanno-
verschen Architekten Thofern & Jagielski er-
richtet wurde. Es ist ein blockhaftes Gebäude,
das sowohl in der Formensprache als auch
der Kombination des unterschiedlichen Mate-
rials (Ziegel, Putz, angeböschte Naturstein-
strebepfeiler) dem Jugendstil verpflichtet ist.

WITTEKINDSTRASSE
Die Verlängerung des vorhandenen Ab-
schnitts der Wittekindstraße nach Westen und
Osten, um eine weitere Querverbindung
durch Linden zu schaffen, lag nahe und wurde
in den achtziger Jahren geplant. Es entstand
ein doppelt geknickter Straßenzug von be-
trächtlicher Länge, für den z.T. 1887 die
Fluchtlinien festgelegt wurden. Schon vorher
waren im Zuge der Bebauung der südlichen
Nieschlagstraße (zwischen 1870 und 1880)
die Eckhäuser Nieschlagstraße 6 und 7 (Nr. 7
Ersatzbau) errichtet worden; am Versprung
von Nr. 6 läßt sich die ursprüngliche Breite der
Wittekindstraße ablesen.
Die eigentliche Entwicklung setzte mit dem
Haus Konkordiastraße 1 (s.o.) und kurz vor
1890 auf den Grundstücken östlich der Dieck-
bornstraße (Dieckbornstraße 7 - heute Er-
satzbau -, 8, Wittekindstraße 9, 10, 11, 12)
ein. Bis 1900 war die Besiedlung weitgehend
abgeschlossen; lediglich die Häuser 2-8,17,
19, 21 entstanden um 1902,24a in den dreißi-
ger Jahren; Nr. 3-7 sind moderne Wohnbau-
ten auf dem Gelände des 1897 gegründeten
Elektrizitätswerks Linden. Schreitet man die

Wittekindstraße, Blick nach Westen


Konkordiastraße, Westseite Konkordiastraße, Ostseite


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