Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Metadaten

Ness, Wolfgang
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 10, Teil 2): Stadt Hannover — Braunschweig, 1985

DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.44415#0144

DWork-Logo
Overview
loading ...
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
sich heute besonders auf den Höfen der west-
lichen Straßenseite: Einfachbauweise ohne
architektonischen Anspruch, Abstand zur an-
schließenden Hinterhauszeile an der Stärke-
straße von 4 m.
ELISENSTRASSE
Die Elisenstraße, die seit 1870 von der Koch-
zur Albertstraße reichte, wurde in den neunzi-
ger Jahren schnurgerade Richtung Nordwe-
sten verlängert und zügig bebaut mit vierge-
schossigen Verblendziegel/Putzbauten (Eli-
senstraße 21, 21a, 22ff—36, 38, 40, 42, 44,
Leinaustraße 5, 6).
Die Erdgeschosse mit ihren außermittigen
Eingängen bzw. Durchfahrten - im Hof fan-
den sich häufig Werkstätten - sind weitge-
hend einheitlich durch Bänderrustika als Sok-
kelzone ausgewiesen. Die bis auf eine Aus-
nahme (Eckhaus Nr. 25) flachen, 6-9 Achsen
umfassenden Fassaden zeigen überwiegend
renaissancistischen, selten gotisierenden De-
kor, der das erste und zweite Obergeschoß
auszeichnet und durch verschiedene Fenster-
verdachungen und Versatzstücke rhythmi-
siert. Aus dem weitgehenden Verzicht auf ge-

Elisenstraße 21,23-29, Wohnhäuser, um 1895


Elisenstraße 25, Wohnhaus, um 1895


schoßübergreifende Gliederungselemente
(Ausnahme z.B. Nr. 31 mit durchgehenden
Fensternischen) und aus dem Durchlaufen
der Gurt- und Traufgesimse (Voraussetzung
einheitliche Geschoßhöhe) resultiert die kaum
unterbrochene horizontale Streckung, die sich
in der Dachzone durch zahlreiche Ausbauten
(breite, mittige, teils übergiebelte, teils gerade
abschließende Zwerch- oder Dachhäuser,
seitliche Dachhäuschen und Schleppgauben)
löst. Betonung erfahren die Bauten an den
Straßenkreuzungen durch Läden, Abschrä-
gung und besondere Eckgestaltung. Die Stra-
ßenabschnitte wirken sehr einheitlich. Die Ar-
chitektur hat fast ungestört den Originalzu-
stand bewahrt.
KARREE BENNO-, HENNIGES-, VELVET-
UND WILHELM-BLUHM-STRASSE
Der 1885 gegründete Spar- und Bauverein
Hannover, hervorgegangen aus dem Hanno-
verschen Mieterverein, einer Schutzgemein-
schaft der Handwerker und Arbeiter, hatte den
Zweck, preiswerte, unkündbare Wohnungen
für werktätige Genossenschaftsmitglieder in
der Nähe ihrer Arbeitsstätten zu errichten. Die

Mehrfamilienhäuser blieben in Genossen-
schaftsbesitz, für den sich jeder Nutzer ver-
antwortlich zu fühlen hatte. Gemeinschafts-
einrichtungen für alle Mieter sollten den Soli-
daritätsgedanken fördern.
Der Wunsch, die Kosten für Bauland und Er-
schließung auf möglichst viele Wohneinheiten
verteilen zu können und damit den Mietzins
niedrig zu halten, führte auch beim Spar- und
Bauverein anfänglich zum Bau von Hinterhäu-
sern, wobei man allerdings versuchte, durch
weitere Gebäudeabstände die Wohnungen
freundlicher und heller zu gestalten, als das
der Spekulationsbau tat.
Nachdem der Verein in der List bereits erfolg-
reich gewirkt hatte (vgl. Hannover Teil I, 10
List, S. 171), bemühte er sich seit 1892 um ei-
ne Baugenehmigung in Linden-Nord; 1897-
1906 errichtete er den geschlossenen Wohn-
komplex zwischen Benno- (8, 10, 12, 14),
Henniges- (4, 6, 8,101), Velvet- (2, 4, 6, 8,10)
und Wilhelm-Bluhm-Straße (31,33, 35, 37) in
Blockrandbebauung mit zwei parallel zur Vel-
vet- bzw. Bennostraße gelegenen Hinterhaus-
zeilen, deren Abstand voneinander weiter als
in der Koch-/Stärkestraße war; diese Hofbe-


Elisenstraße 44, 42-32, Wohnhäuser, um 1895


Leinaustraße 5, Elisenstraße 27,
Wohnhaus, um 1895


Wilhelm-Bluhm-Straße 31,33-37,
Wohnhäuser, um 1900


142
 
Annotationen