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Böker, Doris [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 31): Stadt Oldenburg (Oldenburg) — Braunschweig, 1993

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https://doi.org/10.11588/diglit.44439#0094
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In den rückwärtigen Ostteii des Gebäudes
wurde beim Neubau ein zweigeschossiger
traufständiger Fachwerkbau integriert. Des-
sen Bauinschrift „Erbaut vor 1598“ bezieht
sich auf den Bastschen Stich, der 1598 an
dieser Stelle ein Traufenhaus verzeichnet.
Bei dem inzwischen stark erneuerten, in
Stockwerkbauweise mit leicht vorkragendem
Obergeschoß errichteten Gebäude dürfte es
sich um das 1677 nach dem Stadtbrand wie-
der aufgebaute Haus handeln.

BURGSTRASSE
Die Burgstraße, deren ursprünglicher Name
Poggenburg (= Fröschesumpf) 1897 auf An-
trag der Anlieger geändert wurde, hat ihren
durch architektonisch anspruchslose, meist
zweigeschossige Handwerker- und Arbeiter-
häuser geprägten Charakter heute weitestge-
hend eingebüßt. Mehrere kleinmaßstäbliche
Häuser wurden 1964/65 abgebrochen, um
Parkraum zu gewinnen (zwischen Nr. 5 und
Nr. 8, zwischen Nr. 9 und Nr. 12). Das Er-
scheinungsbild der noch vorhandenen Ge-

bäude wurde durch zahlreiche bauliche Ein-
griffe verändert (z. B. Nr. 3, erb. 1849, Nr. 4,
erb. 1882) die auch teilweise schon im 19. Jh.
vorgenommen wurden. Beispielsweise wur-
de das schmale, dreigeschossige Ziegelge-
bäude Nr. 5 mit dem rückwärtigen zweige-
schossigen Werkstattanbau, das 1809 ein
Stuhlmacher erwarb, in kürzester Zeit zu Be-
ginn des 19. Jh. dreimal „verbessert“.
Als kleine Seitengasse blieb die Burgstraße
von der Ausstattung mit repräsentativen Fas-
saden der Gründerzeit unberührt. Lediglich
im 1888 trichterförmig leicht erweiterten Ein-
mündungsbereich zur Gaststraße, den die
beiden Häuser Gaststr. 22 und 23 begrenzen,
wurde in Anpassung an deren Neurenais-
sancegestaltung 1894 das auf der Ostseite
folgende Gebäude errichtet (Burgstr. 31).
Entsprechend dem Entwurf von P. Zimmer ist
die Ladenzone mit quaderimitierendem Putz
verkleidet, während die beiden Oberge-
schosse eine rote Ziegelverblendung besit-
zen, zu der die hellen Putzbänder und -rah-
mungen der Fenster kontrastieren.

Die im zweiten Jahrzehnt unseres Jahrhun-
derts entstandenen zweigeschossigen Häu-
ser (Nr. 9, erb. 1912; Nr. 30, erb. 1916) diffe-
rierten zwar zu der traditionellen Architektur
durch die Art ihrer Baukörperformation, glie-
derten sich aber gleichzeitig, da ohne prunk-
volles Ornament, in die Reihe bescheidener
Fassaden ein.
In die nördliche Biegung, welche die nach
dem Rücksprung bei Haus Nr. 3 geradlinig
verlaufende Burgstraße einschlägt, um in die
Haarenstraße zu münden, führen auf der
Westseite drei äußerst schlicht gehaltene Ge-
bäude in geschlossener Bauweise: Das zwei-
geschossige Traufenhaus Nr. 72mit drei Ach-
sen, das ebenfalls traufständige, aber einge-
schossige Haus Nr. 13 zu fünf Achsen und
das giebelständige Haus Nr. 14. Mehrfach
verändert, im Kern wohl ins späte 18. Jh. zu-
rückreichend, dokumentieren sie als Relikt
die ehemalige kleinmaßstäbliche Bebauung
der Burgstraße.




Haarenstr. 40/41, 1904, Maurermeister J. H. Bran- Haarenstr. 51/52,1888
des

Haarenstr. 43a, 43, um 1880

HAARENSTRASSE
In einer schwachen S-Schwingung verläuft
die urkundlich erstmals 1446 sogenannte
„Harnestraten“ vom Julius-Mosen-Platz,
dem ehemaligen Haarentor, nach Osten
leicht ansteigend und mündet mit ihrem älte-
sten sich etwa ab der Mottenstraße verengen-
den Abschnitt in die Lange Straße. Der ge-
krümmte Verlauf läßt zwei Straßenräume ent-
stehen, die im wesentlichen von aufwendig
dekorierten Schaufassaden aus dem letzten
Vierteides 19. Jh. begrenztwerden. Vorallem
die beiden sich im westlichen breiten Stra-
ßenabschnitt gegenüberliegenden Gruppen
von Wohn-/ Geschäftshäusern demonstrie-
ren das Repräsentationsbedürfnis der dama-
lig ansässigen Kaufmannschaft (Nr. 28-33;
Nr. 40/41-44/44a).
Als einheitliche Konzeption geben sich die
drei giebelständigen Gebäude Nr. 28, 29, 30
zu erkennen, die der Architekt C. Spieske
1891/92 mit ziegelverblendeten Fassaden zu
drei Achsen symmetrisch anlegte. Während
die beiden äußeren, renaissancistisch gestal-
teten Häuser einen Krüppelwalm besitzen,
schließt das mittlere mit einem Stufengiebel
ab, in den entsprechend dem gotisierenden
Habitus ein Spitzbogen eingeschrieben ist.
Die differenzierte Putzornamentik konzen-
triert sich zum einen auf die Lünetten über
den Rechteckfenstern des ersten Oberge-
schosses und zum anderen auf die jeweilige
damit betonte Mittelachse. Auch Maurermei-
ster Brandes legte 1904 den Schwerpunkt bei
dem ziegelverblendeten Neubau des zwei-
geschossigen Hauses Nr. 40/41 auf die mitt-
lere der fünf Achsen, indem er einen dreisei-
tig gebrochenen, ursprünglich haubenbe-
krönten Erker vorlegte.
Dank seiner langgestreckten, neun Fenster-
achsen umfassenden Traufseite sowie des
wuchtigen Mansarddaches bildet das zwei-
geschossige Gebäude Nr. 43/43a eine stra-

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