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Böker, Doris [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 31): Stadt Oldenburg (Oldenburg) — Braunschweig, 1993

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https://doi.org/10.11588/diglit.44439#0104
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chenden altstädtischen Hinterhausbebauung
sollte der Theaterwall auf herzoglichen
Wunsch dem Bild eines englischen Squares
entsprechen. Der Herzog selbst überprüfte
die Einhaltung der hinsichtlich Geschoßhö-
hen, Türen und Fenster angeordneten Bau-
auflagen, um die angestrebte Einheitlichkeit
zu erreichen. Trotz des Abbruchs der beiden
Häuser Nr. 34 und Nr. 36 (1970) und späterer
Umbauten vermittelt die zum größten Teil in
den vierziger Jahren entstandene offene Be-
bauung aus fünf- bzw. siebenachsigen, mit
flachem Vollwalm gedeckten Putzbauten den
deutlichsten Eindruck eines klassizistischen
Straßenzugs in Oldenburg (Nr. 2, 4, Berg-
straße 17, Theaterwall 10, 14, 14a, Gaststraße
18, Theaterwall 18, 20, 24, 28, 30, 32).
Am reinsten hat sich dieserTyp des vorstädti-
schen Hauses in dem fünfachsigen Gebäude
Theaterwall 18 (erb. 1843) mit seitlichem Ein-
gang erhalten, dessen klare, zurückhaltende
Behandlung die Blockhaftigkeit des kubi-
schen Baukörpers unterstreicht. Beherr-
schend ist die horizontale Gliederung durch
einen von Gurt- und Sohlbankgesims einge-

faßten breiten Mauerstreifen, der Erd- und
Obergeschoß voneinandertrennt. Die Wand-
flächen des Erdgeschosses um die scharf-
kantig in die Mauer eingeschnittenen Fenster
überzieht ein quaderimitierender Fugen-
schnitt, während die glatt belassene Fläche
des Obergeschosses durch die feinen, um
die Fenster geführten Profile Kontur erhält.
Das Haus Nr. 14 (erb. 1842) war ursprünglich
ähnlich gestaltet, doch treten die Fenster
nach der Umgestaltung Gerhard Schnitgers
im Jahre 1873 durch stärkere Rahmen und
eine zusätzliche Horizontalverdachung im
Obergeschoß stärker hervor. Zu den fünfach-
sigen Gebäuden gehören außerdem Gast-
straße 18 (1846 zur Brandkasse angemeldet)
mit der seitlichen ädikulaähnlich eingefaßten
zeitgenössischen Eingangstür und das völlig
im Stil des Spätklassizismus überarbeitete
Haus Theaterwall 32 (erb. 1846), dessen
Walm- durch ein Mansarddach ersetzt wurde.
Von den bishergenannten fünfachsigen Bau-
ten weicht Theaterwall 24 (erb. 1852) durch
das zusätzliche hohe Sockelgeschoß und die
zentrale Erschließung auf der Traufseite ab.
Im Originalzustand war das Haus mit quader-

imitierendem Putz im Sockelgeschoß und ho-
rizontalem Fugenschnitt im Erdgeschoß auf-
wendiger als heute sichtbar gestaltet.
Eine völlige Ausnahme im Stadtbild stellen
die beiden stark modernisierten Häuser Nr.
28 und Nr. 20 (beide 1842 erb.) mit ihrer je-
weils sieben Achsen umfassenden Traufseite
dar. Ihre ursprüngliche behäbig lagernde Wir-
kung-bei Haus Nr. 20durch die beiden, über
den leicht vorgezogenen äußeren Erdge-
schoßachsen auskragenden Balkons betont
- wurde durch die nachträgliche Aufstockung
mit einem Mezzaningeschoß erheblich ein-
geschränkt.
Die beiden Häuser Theaterwall45(erb. 1866)
und Nr. 47(anstelle der 1868 abgebrochenen
Haarentorwache 1869 erb.), deren drei- bzw.
fünfachsigen Traufseiten dem Julius-Mosen-
Platz zugewandt sind, griffen Baukörperform
und Gliederung der vorausgegangenen Be-
bauung auf und besitzen das geläufige For-
menrepertoire des Spätklassizismus. Haus
Nr. 47 wurde zwischen 1891 und 1930 für die
Konditorei Klinge mehrfach umgebaut und er-

Theaterwall 10, um 1856


Theaterwall 47, 45


Theaterwall 41, Umbau 1899


Theaterwall 32, 1846


Bergstr. 17, 1880, Architekt G. Schnitger


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