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Böker, Doris [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 31): Stadt Oldenburg (Oldenburg) — Braunschweig, 1993

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https://doi.org/10.11588/diglit.44439#0160
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Friesenstr. 27, Grundriß des Erweiterungsgebäudes


Friesenstr. 27, Erweiterungsbau 1902, Architekt L. Freese


Alexanderstr. 60/62, ehern. Lambertistift, 1882


ÖFFENTLICHE BAUTEN IM
BEREICH ZWISCHEN NADORSTER
STRASSE UND ALEXANDERSTRASSE
Innerhalb des gesellschaftspolitischen Pro-
zesses im 19. Jh. entwickelten sich soziale
Einrichtungen, Schulen usw. zu wichtigen
kommunalen Bauaufgaben, für deren Anlage
in den neuen Stadterweiterungsgebieten
ausreichend Raum zur Verfügung stand.
Nördlich des Gertrudenfriedhofs auf der Ost-
seite der Alexanderstraße nimmt das hinter
einem Vorgarten aus der Fluchtlinie zurück-
gesetzte ehemalige Lambertistift (Nr. 60-62)
eine hervorragende städtebauliche Stellung
ein. Es wurde nach Plänen des Hofbaumei-
sters G. Schnitger über zweihüftigem Grund-
riß als Heim für wohnungslose Frauen errich-
tet und später zu einem Altenwohnheim um-
gestaltet. Die durch Gurtgesimse und aufge-
legte Fensterprofile betonte Horizontaler-
streckung des mit dreiachsigen Eckrisaliten
symmetrisch gegliederten Gebäudes, dasein
nur flachgeneigtes Walmdach leicht gedrun-
gen erscheinen läßt, ponderiert der mittige,
als Turm gestaltete Eingangsbereich mit gau-
benbesetztem Zeltdach aus.
Für den 1888/89 aufgeführten Ziegelbau der
„Idiotenanstalt“, das heutige Gertrudenheim
(Friesenstr. 27), wurde ein in der Folge park-
artig gestaltetes Gelände in unbebauter Um-
gebung nördlich der Ackerstraße ausgewählt.
Der Architekt L. Freese richtete den vierach-
sigen, von Seitenrisaliten gerahmten Haupt-
flügel traufständig zu dem von der Nadorster
Straße abzweigenden Zufahrtsweg aus. Mit
seinen zwei Geschossen überragt er die un-
mittelbar anschließenden, eingeschossigen
Nebentrakte, die heute eine Mansarddek-
kung besitzen. Einfache Stichbogenfenster
und die Beschränkung schmückender Details
auf die Giebelzonen der Risalite unterstrei-
chen den Charakter als nüchternen Zweck-
bau. Das nördlich davon in Ost-West-Rich-
tung angelegte Erweiterungsgebäude (erb.
1902, Arch. L. Freese) paßt sich in Material
und Geschoßhöhe dem Vorgänger an und
wird auf Nord- und Südfassade durch einen
dreiachsigen Mittelrisalit gegliedert, wie-
derum mit ornamental durchbrochenen Bret-
tern vor den Giebeldreiecken. Unterhalb des
auf Holzkonsolen vorkragenden Daches um-
zieht ein abgetreppter Klötzchenfries den
Baukörper.
Der im letzten Drittel des 19. Jh. forcierte Aus-
bau des Oldenburger Schulwesens führte
1888/89 zum Bau einer Volksknabenschule
an der Ehnernstraße nördlich des Gertruden-
friedhofs (Ehnernstraße 8). Unter Mitwirkung
F. Noacks führte H. Ramien einen Komplex
aus zwei sich durchdringenden Baukörpern
auf. Gegenüber dem zur Ehnernstraße trauf-
ständig ausgerichteten zweigeschossigen
Nordtrakt unter Walmdach springt der südli-
che, höher gezogene Eingangstrakt mit Sat-
teldach vor. Die formale Ausstattung des
Putzbaus durch quaderimitierende Einfas-
sung der Gebäudeecken, Gurtgesimse, je ei-
nen Mittelrisalit auf Nord- und Südseite und
Pilasterrahmung des Eingangs tradiert klassi-
zistisches Formengut.

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