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Böker, Doris [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 31): Stadt Oldenburg (Oldenburg) — Braunschweig, 1993

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https://doi.org/10.11588/diglit.44439#0161
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TURNHALLEN
Als das Turnen nach anfänglichen politischen
Konflikten zu Beginn des 19. Jh. („Turn-
sperre“ 1819-1842) allmählich öffentliche
Anerkennung gewann, die sich in der Grün-
dung von Vereinen niederschlug, und auch
als Disziplin Eingang in die Schulen fand, ent-
wickelte sich als neue Bauaufgabe in der
zweiten Hälfte des 19. Jh. derTurnhallenbau.
Begründet in dem regen Vereinsleben, wurde
im ausgehenden 19. Jh. ein erweiterterTypus
mit quer vor die Halle gelegtem Vereinsheim
geschaffen. Ihm entspricht die 1899 südlich
der Ehnernschule durch Noack und Weber
errichtete Turnhalle, ein eingeschossiger
Massivbau unter Krüppelwalmdach, dessen
Wirkung auf dem Wechsel von Ziegelmauer-
werk und segmentbogig um die Fenster ge-
legten Putzfeldern beruht (Ehnernstraße 6).
Die Halle überspannt eine verschalte Hänge-
werkkonstruktion mit Deckenbemalung. Der
Querbau vor der südlichen Schmalseite be-
sitzt einen Kniestock in dekorativen Fach-
werkformen. Überdies verleihen ihm Schwe-
begiebel an den beiden Giebelseiten und

dem Eingangsrisalit der Südfassade die im
Späthistorismus beliebte malerische Kompo-
nente, die hier durch die Rezeption des
Schweizer Landhausstils erzielt wird.
Ebenso späthistoristischen Vorstellungen ist
auch noch die 1909 errichtete, inzwischen
modernisierte Turnhalle unter flachem Sattel-
dach des Bürgerfelder Turnbundes an der
Alexanderstraße verpflichtet (Nr. 191, Arch.
Gebr. Meyer). Hier schafft der krüppelwalm-
gedeckte Querbau mit Drempel durch die
zierlichen neugotischen Formen des Mittelri-
salits, den seitlich jeweils ein großes dreiteili-
ges Segmentbogenfenster begleitet, eine re-
präsentative Eingangssituation an der Straße.
Eine weitere Turnhalle in diesem Stadtquar-
tier ließ sich 1919 am Lindenhofsgarten 2 der
1894 gegründete Turnverein „Jahn“ als Halle
mit einem vorgelegten zweigeschossigen
Vereinshaus erbauen. Seine neoklassizi-
stisch gestaltete Putzfassade zu sieben Ach-
sen wird durch ziegelverblendete Kolossalpi-
laster rhythmisiert, hervorgehoben durch die
Ziersetzung der Steine.

DIE WOHNHAUSBEBAUUNG
ZWISCHEN NADORSTER STRASSE
UND ALEXANDERSTRASSE
In dem an den Gertrudenfriedhof anschlie-
ßenden Areal bis zur Friesenstraße als nördli-
cher Grenzlinie dokumentieren einige Stra-
ßenzüge in ihrer Geschlossenheit (Acker-,
Brommy-, Rebenstraße), manche zumindest
abschnittweise (Ehnern-, Lambertistraße) die
siedlungs- und baugeschichtliche Entwick-
lung dieses Stadterweiterungsgebiets von
den späten siebziger Jahren des 19. Jh. bis in
das zweite Jahrzehnt unseres Jahrhunderts.
Der vorherrschende Wohnhaustyp ist das
giebelständige Haus mit Drempel unter Sat-
teldach, das im älteren, ab den späten siebzi-
ger Jahren bis 1890 bebauten östlichen Teil-
stück der Lambertistraße (bis Ehnernstraße)
nur vereinzelt mit vorgelegtem Treppenhaus
ausgeführt ist (Lambertistraße 10), vorwie-
gend aber der einfachen vierachsigen Va-
riante mit seitlichem Eingang entspricht. Au-
ßer an Ehnern- und Ackerstraße findet sich
dieser Typ vor allem in der ab den neunziger

Ehnernstr. 8, Schule, 1888/89


Ehnernstr. 6, Turnhalle, 1899


Friesenstr. 27, ehern. „Idiotenanstalt“ 1888/89, Architekt L. Freese


Lindenhofsgarten 2, Turnhalle, 1919


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