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Böker, Doris [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 31): Stadt Oldenburg (Oldenburg) — Braunschweig, 1993

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https://doi.org/10.11588/diglit.44439#0180
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lieh dem Haus einen repräsentativen Akzent
durch den vorgelegten, auf vier kannelierten
Säulen ruhenden Austritt, die Pilasterrah-
mung der drei mittleren Obergeschoßachsen
und das mittige, giebelbekrönte Zwerchhaus
mit flankierenden Voluten.
Den klassizistischen Typ tradieren die Bauten
der Gründerzeit, Peterstraße 29 (erb. um
1885) und Blumenstraße 1 (erb. 1870), deren
Fassaden nun allerdings durch Neurenais-
sanceelemente dekorativ bereichert wurden,
bei beiden Häusern insbesondere durch die
Fensterverdachungen in Form von Segment-
bzw. Dreiecksgiebeln, bei Haus Nr. 29 mit
dem in der südlichen Außenachse liegenden
Eingang zusätzlich durch einen Austritt auf
vorgezogenem Souterraingeschoß vor den
drei Mittelachsen. Entsprechend großzügig
wird hier auch der bescheidenere Typ des
giebelständigen Hauses mit Drempel unter
Satteldach ausgeführt, so z. B. das fünfach-
sige Haus Peterstraße 37 mit dem Eingang in
der nördlichen Außenachse, das deutliche
Merkmale des 1912 vorgenommenen Um-
baus zeigt.

GRÜNE STRASSE UND GEORGSTRASSE
Die in einer Parallele westlich zur Peterstraße
verlaufende Georgstraße und die Grüne
Straße dienten bis zur Anlage der Peterstraße
als Wege zu den im Anfang des 19. Jh. auf der
ehemaligen Haarenschanze entstandenen
Gärten. Erst beim Bau der Peterstraße wurde
die Grüne Straße 1838 bis über die Georg-
straße hinaus verlängert. Die ab 1842 ausge-
baute Georgstraße führte man 1856 über die
Grüne Straße hinaus weiter bis zum Pferde-
markt. 1901 wurden die am Stadtgraben ste-
henden Häuser von der Grünen Straße abge-
trennt. Den vor ihnen liegenden Weg jenseits
des Heiligengeistwalls bezeichnete man als
Wallgraben. Hier nehmen zwei benachbarte
giebelständige Häuser mit Drempel unter
Satteldach eine markante Stellung im Stra-
ßenbild ein, in deren aufwendiger formalen
Behandlung sich der Anspruch ihrer Bauher-
ren, eines Molkereibesitzers und eines Tier-
arztes, dokumentiert. Das ältere Haus Nr. 5
(erb. 1863/64), das zu den frühen Beispielen
der seitlich erschlossenen Variante gehört,
entwarf der Architekt C. F. Spieske in Formen



Wallgraben 5,1863/64; Nr. 4, 1877/78, beide Architekt Spieske

Peterstr. 29, um 1885


des Rundbogenstils, hier mit zartgliedrigen
Bogenbegleitprofilen und einem Bogenfries
am Giebel. Dagegen wählte er für den jünge-
ren Bau von 1877/78 (Nr. 4) spätklassizisti-
sche Formen, ebenfalls in einer fein detaillier-
ten Behandlung.
Am südlichen Beginn der Heiligengeiststraße
erhebt sich zurückgesetzt auf der Westseite
das ehemalige Wohnhaus des Architekten
Töbelmann, das er 1884 errichtete und 1895
unter Rückgriff auf Elemente der französi-
schen Renaissance umbaute (Wallgraben 2).
Fassadenblickpunkt des ziegelverblendeten
Baus unterschiefergedecktem Mansarddach
ist der einachsige Mittelrisalit, dessen steiles
Dach eine Lukarne ziert. Die vorgezogene
Südachse nahm nach dem Umbau ursprüng-
lich einen Wintergarten im Erdgeschoß und
eine Loggia im Obergeschoß auf. Vergleich-
bar gestaltete er 1897 das Eckgebäude Ge-
orgstraße 24, das zusammen mit dem gegen-
überliegenden Bau Nr. 23 (erb. 1875/76) und
dem nach Osten folgenden Haus Grüne
Straße 20 (erb. 1875), beide von J. Wempe
als spätklassistische Putzbauten errichtet, die

Grüne Str. 20, 1875; Georgstr. 23, 1875/76, beide
Architekt Wempe


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