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Böker, Doris [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 31): Stadt Oldenburg (Oldenburg) — Braunschweig, 1993

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https://doi.org/10.11588/diglit.44439#0188
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Adlerstr. 4,1891 /92, Architekt Spieske


Fenstern und mittigem Eingang, ersteres un-
ter einem Satteldach, letzteres breit lagernd
unter einen Krüppelwalm, als Vorläufer des
Doppelwohnhauses mit Drempel zu betrach-
ten sind. Dieserseitden siebziger Jahren weit
verbreitete Typ präsentiert sich um 1900 in
relativ aufwendiger Gestaltung, wie sie das
vierachsige Haus Haareneschstraße 80 (erb.
1901) mit Backsteinverblendung und zweige-
schossigem Mittelrisalit beispielhaft vorführt.
Das älteste zweigeschossige walmgedeckte
Wohnhaus des Viertels, ein schlichter Putz-
bau mit Horizontalgliederung durch einen
breiten, von Gurt- und Sohlbankgesims aus-
gegrenzten Wandstreifen, erhebt sich an der
städtebaulich markanten Ecke Zeughaus-/
Ackerstraße (Zeughausstr. 2). Zwar bewahrt
es den fest umrissenen Kubus der klassizisti-
schen Vorläufer, greift jedoch entsprechend
seiner Erbauungszeit um 1860 bei den fünf
Erdgeschoßfenstern mit feingliedrigem Bo-
genbegleitprofil Formen des Rundbogenstils
auf.
Die wenigen aus den siebziger Jahren stam-
menden Gebäude dieser Art im Haarenesch-
viertel sind bezüglich der geschlossenen
Kontur des Baukörpers vergleichbar, zeigen
aber durch Hinzufügung eines hohen Souter-
raingeschosses eine deutlichere Höhener-
streckung. Insbesondere unterscheiden sie
sich durch die differenzierte Fassadengestal-
tung, die in spätklassizistischer Manier für ei-

nen gegenüber dem schlichten Putzbau pla-
stischeren Ausdruck sorgt. Im Erdgeschoß
beschränkte man sich in zurückhaltender
Weise zumeist auf einen Fugenschnitt, wäh-
rend der Hauptakzent auf die Betonung des
Obergeschosses gelegt wurde, indem Ge-
simse und Brüstungsfelder der Fenster, die
nun konsolgestützte Segment- oder Drei-
ecksgiebelverdachungen tragen, durch
Friese geschmückt werden (Brüderstr. 40,
erb. 1869/70, Arch. C. F. Spieske; Auguststr.
49, erb. 1876; Nr. 51, erb. 1878/79; Nr. 53,
erb. 1877; Wilhelmstr. 23, erb. 1876, Arch. A.
Töbelmann, mit Hervorhebung der abge-
schrägten Ecke durch eine Ädikularahmung
des Obergeschoßfensters).
In den neunziger Jahren des 19. Jh. überwie-
gen gegenüber den Giebelhäusern schließ-
lich die an die klassizistische Tradition an-
knüpfenden zweigeschossigen, in der Regel
vierachsigen Walm- bzw. Mansarddachbau-
ten, die als Zweifamilienhäuser konzipiert
wurden und im Grundriß dem giebelständi-
gen Haus mit Drempel durchaus ähnlich sind.
Sie können sich bis ins erste Jahrzehnt unse-
res Jahrhunderts behaupten (z. B. Auguststr.
18, erb. 1910). Ihre Fassaden werden mei-
stens im Vokabular der Neurenaissance ge-
staltet: mit konventioneller Betonung der Ho-
rizontalgliederung durch Gurtgesimse, Rusti-
kaimitation des Souterraingeschosses, Putz-
quaderung der Gebäudeecken, kräftiger Pro-
filrahmung der Fenster, mit Brüstungsbalu-

stern, ornamentierten Keilsteinen und bis-
weilen bereichert durch ein mittiges Dach-
haus und einen Altan (Margaretenstr. 25, erb.
1900, Adlerstr. 10, 11, 12, erb. zwischen
1903 und 1905, alle durch H. Wittholt).
Wie zuvor bei den giebelständigen Häusern
entwickelte sich seit den achtziger Jahren
eine Variante mit seitlichem Treppenhaus-
trakt, wie ihn z.B. Kastanienallee 29 (erb.
1902, Arch. G. Willers) in zweigeschossiger
Ausführung mit gegenüber dem Hauptdach
verringerter Firsthöhe zeigt. Eine Variante der
neunziger Jahre, die dem Bedürfnis nach ei-
ner zunehmend differenzierten Binnenstruk-
tur des Wohnraums Rechnung trägt, schloß
dem seitlichen Treppenhaustrakt rückwärtig
einen gleichfluchtenden Wirtschaftstrakt an,
so daß sich bei gleicher Fassadenbehandlung
ein L-förmiger Grundriß ergab (Blumenstr.
57, erb. 1895, Arch. J. Wempe; Kastanienal-
lee 28, erb. 1902, Arch. G. Ulken; Adlerstr. 6,
7, beide erb. 1902, Arch. F. Hegeier). Eine an-
dere, ebenfalls in den neunziger Jahren ent-
wickelte Konzeption bindet dagegen den Ein-
gangstrakt wieder in den Wohnbereich ein, in-
dem nun die oft sehr reich ornamental um-
rahmte Eingangstür straßenseitig in einer Au-
ßenachse der vier-oder fünfachsigen Ge-
bäude liegt (z.B. Auguststr. 69, 71, 75,
82-87, Blumenstr. 60, Margaretenstr. 21,
Steinweg 8; Auguststr. 63, erb. 1895, Arch.
A. J. Roskam mit geradezu wucherndem De-
kor in Neubarockformen).

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