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Böker, Doris [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 31): Stadt Oldenburg (Oldenburg) — Braunschweig, 1993

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https://doi.org/10.11588/diglit.44439#0190
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Auguststr. 63, Entwurfszeichnung, 1895, Architekt Roskam



Kastanienallee 20, 21,22


Den in der 2. Hälfte des 19. Jh. ständig gestie-
genen Anspruch im Bereich des bürgerlichen
Wohnens reflektiert die raumgreifende Erwei-
terung der zweigeschossigen Walm- bzw.
Mansarddachbauten durch Hinzufügung ei-
nes gleichhohen, risalitartigen Vorbaus in
asymmetrischer Anordnung, wie ihn z. B. die
Häuser Kastanienallee 20, 1901/02 in For-
men der deutschen Renaissance erbaut, und
Nr. 38 besitzen; letzteres 1904 mit gotisieren-
den Anklängen der backsteinverblendeten
Fassade besonders individuell durch Schiff-
fahrtsmotive für einen Kapitän ausgeführt. Als
weitere Beispiele dieser Variante sind Marga-
retenstraße24(erb. 1905), Nr. 26 (erb. 1906),
Adlerstraße 13 (erb. 1907, alle entworfen von
H. Wittholt) zu nennen. Das letztgenannte
zeigt noch die traditionelle Horizontalgliede-
rung, ist jedoch in einer sich vom Historismus
lösenden und statt dessen die Ornamentik
des Jugendstils einbeziehenden Formen-
sprache gestaltet, wie sie auch Kastanienal-
lee 37 (erb. 1905/06, Arch. Schelling) und
Marienstraße 15a (erb. 1906, Arch. F. Lüb-
bers) in einer bereits von traditionellen Glie-
derungsschemata freien Handhabung mit
elegant geschwungenen Linienführungen
des dezenten Dekors zeigen.
Anschaulich spiegelt sich das Bemühen spät-
historistischer Architektur um individuellen
Ausdruck bei dem Zweifamilien-Doppel-
wohnhaus Blumenstraße 25/27 wider (erb.
1907, Arch. J. Wempe), von dessen ziegel-
verblendeter Fassade mit östlichem Eckturm
und westlichem Risalit sich die hellen, ge-
putzten Gliederungselemente abheben. In
eklektizistischer Weise verknüpft der aufwen-
dige Stuckdekor, besonders reich im Ober-
geschoß ausgeführt, Motive unterschiedli-
cher historischer Stilrichtungen mit der Orna-
mentik des Jugendstils.
Einige der zweigeschossigen Bauten des
Haareneschviertels rücken durch ihre irregu-
läre Grundrißausbildung, die herausgelösten
Bauteile und verschiedenen Dachformen in
die Nähe historistischer Villen mit ihrer male-
risch wirkenden Silhouette, wobei vor allem
die Lage an straßenbildwirksamen Eckgrund-
stücken zur Repräsentationsentfaltung aus-
genutzt wurde (z. B. Auguststr. 67, erb. 1896,
Arch. A. J. Roskam; Nr. 62, erb. neunziger
Jahre 19. Jh.).
Herausragendes Beispiel für den demonstra-
tiv repräsentativen Charakter bürgerlichen
Wohnens ist Auguststraße 66, ein in Formen
der deutschen Renaissance gehaltener, zie-
gelverblendeter Bau mit entsprechend rei-
cher Innenausstattung (erb. 1893, Arch. Mön-
ning). Geputzte, stark plastische Gliede-
rungselemente und Beschlagwerkornamen-
tik zeichnen die Westfassade mit dem zwei-
geschossigen, polygonalen Vorbau als
Hauptschauseite aus. Wirkungsvoll wird der
hier in der Südachse liegende Eingangsbe-
reich mit einem auf vier Säulen ruhenden
Kreuzrippengewölbe und abschließendem
Balkon gestaltet. Die in kunstvoll verschlun-
genen Mustern gearbeitete Schmiedeeisen-
brüstung wiederholt sich an dem Balkon vor
den beiden nördlichen Erdgeschoßachsen.

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