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Böker, Doris [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 31): Stadt Oldenburg (Oldenburg) — Braunschweig, 1993

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https://doi.org/10.11588/diglit.44439#0236
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gen Häusern mit Drempel (Nr. 23 zeigt die
fünfachsige Frühform mit mittigem Eingang;
Nr. 49, 51 wohl neunziger Jahre 19.Jh.) ste-
hen traufständige Gebäude (z. B. Nr. 25), wo-
bei die älteren wie Nr. 27 ohne Drempel aus-
geführt sind. Dazwischen befinden sich zwei-
geschossige, walm- oder mansardgedeckte
Häuser eines dem letzten Jahrzehnt des 19.
Jh. angehörenden Historismus (Nr. 11, 13,
15, 30) und schließlich, bereits als Zweitbe-
bauung um 1910 von der ursprünglich klein-
maßstäblichen Bebauung abweichend, groß-
zügig konzipierte Wohnhäuser vom Anfang
des 20. Jh. (Nr. 19,21).
Östlich von der Biegung der Ulmenstraße
zweigt nach Norden als Verbindung zur De-
destraße die Alteneschstraße ab, deren Be-
bauung zumeist durch giebelständige Häuser
mit Drempel ohne Souterrain auf der Ostseite
in den fünfziger Jahren des 19. Jh. einsetzte
und hier schon in den sechziger Jahren abge-
schlossen war, während auf der Westseite
überwiegend erst ab den neunziger Jahren
Wohngebäude errichtet wurden. Hier erbaute
man für die katholischen Kinder Osternburgs

1889/90 nach Plänen Früstücks d.Ä. ein von
der Straße zurückgesetztes Schulgebäude
als schlichten, eingeschossigen Putzbau mit
Drempel zu neun Achsen, in dem zwei nach
Geschlechtern getrennte Klassen unterge-
bracht waren (Alteneschstraße 15). Schon
wenige Jahre später, 1897, wurde die Anlage
durch A. und C. Westerholt um ein Gebäude
in der Fluchtlinie des Nachbarhauses erwei-
tert, das im Erdgeschoß zwei Klassenräume,
im Obergeschoß die Hauptlehrerwohnung
und zwei Zimmer für eine weitere Lehrkraft
aufnahm (Alteneschstraße 13). Den trauf-
ständigen Putzbau charakterisieren die mo-
notone Reihung leicht stichbogiger Fenster-
achsen und ein Mittelrisalit mit Zwerchhaus,
der im Erdgeschoß den rundbogig gestalteten
Eingang und im Obergeschoß ein Paar Rund-
bogenfenster innerhalb eines Blendbogens
aufnimmt. Die beiden betont konventionell
und zurückhaltend gestalteten Gebäude, de-
ren Denkmalqualität aus ihrer straßenbildprä-
genden und ortsgeschichtlichen Bedeutung
erwächst, wurden 1984 zu Studentenwoh-
nungen umgebaut.

Dragonerstr. 1, Schulstr. 12, 1901


Alteneschstr. 13,1897, Architekten A. u. C. Westerholt


In Fortsetzung des Ulmenwegs führte die
Dragonerstraße mit ihrem nach Norden zur
Stedinger Straße laufenden Abknick als Teil
des heutigen Schulweges bereits in der 1.
Hälfte des 19. Jh. als Weg zum Gut Drielake,
der ab den fünfziger/sechziger Jahren vor-
wiegend mittraufständigen Doppelwohnhäu-
sern für die Arbeiter von Glashütte und Spin-
nerei und auch mit schlichten giebelständigen
Häusern bebaut wurde. An dem platzartigen
Mündungsbereich von Dragoner- und Schul-
straße korrespondieren die beiden sich
gegenüberliegenden Wohn-/Geschäftshäu-
ser Dragonerstraße 1 und Schulstraße 12mit-
einander (erb. 1901). Beide sind sie 1901 als
mansardgedeckte Baukörper in Formen der
Deutschen Renaissance mit einer Backstein-
verblendung erbaut worden.
In Folge der 1885 vorgenommenen Umwand-
lung in eine Aktiengesellschaft nahm die
Glashütte einen bedeutenden Aufschwung,
und es kam zum Bau von Werkssiedlungen
für Glasmacher. Werksnahe Wohnungen bil-
deten eine Produktionsvoraussetzung, da die
Glasmacher abrufbereit sein mußten, wenn
das Glas verarbeitungsfähig geschmolzen
war. Zwischen 1889 und 1901 wurden vier
Werkssiedlungen mit insgesamt ca. 200
Wohnungen erbaut. Da bis zum Ersten Welt-
krieg alle Gebrauchsgläser mundgeblasen
wurden, waren die Glasmacher, in deren
Handwerk jedoch eine ausgeprägte Wander-
tätigkeit Tradition hatte, begehrte Arbeits-
kräfte. Die Errichtung von Wohnungen sollte
einen Anreiz zur Seßhaftigkeit bieten. Südlich
der Dragonerstraße an Noll-und Behrens-
straße erstreckt sich die ehern. Werkssied-
lung „Kamerun“, die als erster geschlosse-
ner Komplex mit zwölf Doppelhäusern zwi-
schen 1889 und 1891 auf einem 400 qm gro-
ßen Grundstück von dem Bauunternehmen
Westerholt erstellt wurde. Es handelt sich um
traufständige, schlicht verputzte Häuser mit
eingeschnittenen Fenstern und Profilgesims
am Drempel (Dragonerstr. 5, 7, 9, 11; Beh-
rensstr. 1 -4; Nollstr. 1 -6). Sie wurden durch
eine Trennwand in Firstrichtung geteilt, so
daß im Erdgeschoß vier, im Drempelgeschoß
zwei Wohnungen untergebracht werden
konnten. Die zu einem Rechteck angeordne-
ten Häuser umschlossen Gartenparzellen,
auf denen parallel gestellte Stallgebäude an-
gelegt wurden. „Kamerun“ ist die einzige
Siedlung, die bis zur Stillegung der Glashütte
1983 in Besitz der Hütte blieb und deshalb
den ursprünglichen Charakter am deutlich-
sten widerspiegelt, während „Sansibar“ an
der Stedinger Straße und „Kreta“, 22 Dop-
pelhäuser im Dreieck Voss-, Glashütten-,
Drielakerstraße, bereits 1956/57 privatisiert
wurden. Die Siedlung „ Roter Strumpf“ an der
Ecke Nord-/Hermannstraße mußte 1980 dem
Neubau der Amalienbrücke weichen.
Die ständig wachsende Bevölkerungszahl im
Osternburger Industriegebiet führte 1914 auf
dem großen, baumbestandenen Gelände der
alten Schule zum Neubau der Drielaker
Schule (Schulstraße 21). Der Architekt Witte
entwarf einen einhüftigen Bau unter Walm-
dach, der in zwei Geschossen jeweils vier
Klassen aufnahm, die alle von Süden belich-

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