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Pantel, Etta [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 9, Teil 1): Stadt Wolfenbüttel — Braunschweig, 1983

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https://doi.org/10.11588/diglit.44416#0057
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satz über dem Renaissanceportal den beson-
ders repräsentativen Charakter des einheit-
lich gestrichenen Gebäudes.
Das Nachbarhaus Nr. 62 in Fachwerkkon-
struktion ist ein jüngeres, in der 1. Hälfte
des 17. Jh. mit den typischen Konstruktions-
elementen errichtetes Hofbeamtenhaus. Das
hohe Erdgeschoß des heutigen Wohn- und
Geschäftshauses ist durch Ladenausbauten
stark verändert, die seitliche Tordurchfahrt
ist verbaut. Rückseitig steht u.a. ein Lager-
gebäude von 1650, dessen langgestreckter
Fachwerkbaukörper zum Hof hin über der
Tordurchfahrt ein Zwerchhaus mit Kran und
Ladeluke zeigt. 1828 befand sich hierin die
Herzogliche Eisenfaktorei.
Das straßenseitig anschließende Fachwerk-
haus Nr. 61 wurde wohl etwa gleichzeitig
errichtet. Das Erdgeschoß dieses schmalen,
dreiachsigen Hauses ist mit dem von Nr. 62
verbunden.
An der Ecke zur Okerstraße, der östlichen
Grenze der ehemaligen Alten Heinrichstadt,
fällt der breit gelagerte Fachwerkbaukör-
per des Wohn- und Geschäftshauses Nr. 46
auf. Er ist dem barocken Typus des Hofbe-
amtenhauses zuzurechnen und wurde in der

Lange Herzogstraße 62,
rückwärtiges Lagergebäude, 1650


Lange Herzogstraße 1,
Ende 16./Anfang 17. Jh


Lange Herzogstraße 46,
Hofbeamtenhaus, 1. Hälfte 18. Jh.


1. Hälfte des 18. Jh. wohl unter Einbezie-
hung eines älteren Vorgängerbaus errichtet.
Die schlicht wirkende Fassade ist durch ein
breites, mittiges Zwerchhaus mit geschwun-
genem Giebelfeld symmetrisch gegliedert. Im
Erdgeschoß ist die Gliederung durch jüngste
Ladenausbauten aufgehoben worden. Das
Gebäude wurde zusammen mit u-förmigen,
etwas jüngeren dreigeschossigen Seitenflügeln
in Fachwerkkonstruktion seit der 2. Hälfte
des 19. Jh. als Tuchfabrik genutzt. Dieser
rückseitige Teil des Grundstücks sowie der
dort fließende Okerkanal ist 1978 durch
moderne Wohn- und Geschäftshäuser über-
baut worden.
In der Reihe der Fachwerkgebäude fällt das
übernächste Haus Nr. 48 aufgrund seiner
Viergeschossigkeit auf. In einem ehemaligen
Türsturz findet man die Datierung von 1674.
Es hebt sich auch durch die eigenwillig
geformten Volutenknaggen und die mit
Schiffskehlen verzierten Setz- und Sparren-
schwellen hervor.
Ebenfalls aus dem späten 17. Jh. stammt das
zweigeschossige, langgestreckte Fachwerkge-
bäude Nr. 32/33, das die Ecke zur Breiten
Herzogstraße markiert. Charakteristisch sind

die renaissancistischen Fensterverdachungen
von 1910, die jedoch besonders in der Brei-
ten Herzogstraße durch moderne, maßstabs-
sprengende Ladenfenster ersetzt worden
sind.
Die Südseite der Langen Herzogstraße, Nr.
1 — 19, wird in den Grenzen der Alten Hein-
richstadt von ehemaligen meist als Wirt-
schaftsgebäude genutzten Hinterhäusern der
Kanzleistraße gebildet. Diese sind den heu-
tigen Anforderungen entsprechend ausge-
baut; so das auf breitem Grundstück errich-
tete Haus Nr. 1, das die Ecke zum Stadt-
markt bildet. Es wurde wohl bereits am
Ende des 16. Jh. errichtet und ist seit dem
19. Jh. mit dem „Vorderhaus" Kanzleistraße
20 baulich verquickt. Über dem hohen, ur-
sprünglich in Geschoßbauweise errichteten
Erdgeschoß (Erd- und Zwischengeschoß)
kragt das Obergeschoß auf schmalen, ge-
schweiften Knaggen extrem aus. Eine
Schleppgaube mit Kranausleger weist auf die
ehemalige wirtschaftliche Nutzung des Ge-
bäudes hin. Heute ist das Erdgeschoß auch
hier durch einen umfassenden, modernen
Ladenausbau in seinem typischen Aufbau
zerstört.

Lange Herzogstraße 62—52, Nordseite


Lange Herzogstraße 47—49, Nordseite


Lange Herzogstraße 11—32/33
Ecke Breite Herzogstraße, Südseite


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