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Pantel, Etta [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 9, Teil 1): Stadt Wolfenbüttel — Braunschweig, 1983

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https://doi.org/10.11588/diglit.44416#0070
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einheitliche Bebauung ein. Der andere Flügel
der Anlage Klosterstraße 2, das sog. Münch-
hausen'sche Hofbeamtenhaus, das um 1700
für den Staatsminister Hieronymus von
Münchhausen wohl von dem Architekten
Hermann Korb errichtet wurde, ist der Klo-
sterstraße selbst zugewandt. Dieser langge-
streckte, hohe zweigeschossige Baukörper
ist mit seinem symmetrischen Gesamtauf-
bau, der überstrichenen Fassade sowie dem
seit 1800 weitgehend erhaltenen Innenaus-
bau ein Musterbeispiel des barocken Hof-
beamtenhauses. Die überhöhten Mittelach-
sen an beiden Längsseiten und deren Be-
tonung durch ein breit gelagertes gerahm-
tes Zwerchhaus lassen von außen die Lage
eines Festsaales erkennen, dessen zeitge-
nössischer Innenausbau erhalten und re-
stauriert worden ist. Zahlreiche Wohn-
und Wirtschaftstrakte sowie eine Remise
bilden mit den beiden Haupthäusern einen
stilvollen Innenhofgarten.
Der nördlich anschließende straßenbildwirk-
same Wohn- und Wirtschaftstrakt, ehemals
Kanzleistraße 2, heute Klosterstraße Nr. 1,
aus der 1. Hälfte des 17. Jh. sowie das
Schulgebäude von ca. 1870 mit straßensei-

Kommißstraße 5, sog. „Kommisse", 1587/88


tiger Hofeinfahrt in den Schulhof waren
um 1900 Wolfenbüttels Bürger- bzw. Armen-
schule und werden heute von der Volks-
hochschule genutzt.
Die Ostseite der Straße wurde erst nach
1600 mit Bürgerhäusern bebaut, nachdem
wahrscheinlich ein großes Lagergebäude, das
zum Vorwerk/Faktoreikomplex gehörte, ab-
gebrochen war. Die östliche Straßenansicht
liegt zwischen der dominanten Hauptkirche
St. Marien an der Reichsstraße und dem
Kanzleigebäude. Dazwischen steht eine ge-
schlossene Reihe traufständiger zweigeschos-
siger Fachwerk-Bürgerhäuser vorwiegend aus
der 2. Hälfte des 17. Jh. in heute einheitlich
wirkendem barockem bzw. klassizistischem
Erscheinungsbild des 18. Jh.
KOMMISSSTRASSE

Die Kommißstraße verbindet den Harztor-
platz mit dem Kornmarkt. Zunächst in
Nord-Süd-Richtung verlaufend, knickt sie
auf der Höhe der „Kommisse", dem histori-
schen Versammlungshaus, nach Osten ab.
Die Südseite des Kornmarktes bis zur Haupt-
kirche gehörte bis weit in das 18. Jh. hinein
zur „Commißstraße" (1679 und 1754). Hier

Kommißstraße 5—7, Westseite


Kommißstraße 4—1, Nordseite


befand sich seit 1599 anstelle der jetzigen
Häuserzeile Nr. 10, 11, 12 ein 22-fachiges
Fachwerkgebäude des Generalkriegskommis-
sars David Sachs auf dem größten Grund-
stück der gesamten Heinrichstadt. Heute en-
det die Kommißstraße bei Eintritt in den
Kornmarkt. Die westliche Häuserzeile mit
der Kommisse wird straßenseitig von dem
offen fließenden Okerkanal („Klein Vene-
dig") begleitet; die nördliche Häuserzeile
wurde bis zur Zuschüttung um 1907 rücksei-
tig vom Kanal der Reichsstraße begrenzt.
Die Bebauung der Westseite, entstanden in
einem morastigen Teichgebiet, ist seit 1562
nachweisbar. Das Gebäude der Komisse, Nr.
5, wurde 1587/88 hier als beidseitig von
Okerarmen umflossene Neue Mühle errich-
tet. Im Zusammenhang mit dem heutigen
Nachbargebäude Nr. 6 wurde es schließlich
1602 von Herzog Julius (wohl nach Abzug
von Nutzungen aus der Juliusstadt, s. dort)
als Versammlungsgebäude (Speise-, Gesell-
schafts-, Hochzeits- und Warenhaus) einge-
richtet. Der Anbau eines Schlachthauses
an der Nordwestseite erfolgte 1612. Seit
1702 wurde der Komplex als Schule genutzt;
1753 als „Große Schule" und 1865 als Gym-
nasialgebäude. Nach einer Zwischennutzung
als Landesstrafanstalt zum Ende des letzten
Jahrhunderts ist es gegenwärtig wieder
Schulgebäude.
Das vielseitige Straßenbild wird heute durch
diesen langgestreckten zweigeschossigen,
größtenteils verputzten Massivbau bestimmt.
Er ist zugänglich über eine flachbogige Stein-
brücke von 1751. Das rundbogige giebel-
bekrönte und von ionischen Säulen gerahm-
te Eingangsportal fängt den Blick aus der
Richtung des Kornmarktes auf. Es soll 1602
von H. v. d. Velde erbaut worden sein. Sym-
metrisch dazu angeordnete, verschieferte
Zwerchhäuser von 1790 betonen die Ein-
gangssituation. Der südliche Teil des Gebäu-
des hat einen hochliegenden kreuzgewölbten
Keller. Das in seiner Kernsubstanz dazuge-
hörige Gebäude Nr. 6 (s.o.) wurde im 18.
Jh. umgebaut. Auf seine Nutzung als Wein-
schenke (seit 1709 bis ins 20. Jh.) deutet
eine metallene („Spanische") Krone sowie
eine Banderole mit Inschrift hin, die über
dem straßenseitigen Eingang mit geohrter
Werksteinrahmung angebracht ist.
Die wenigen Fachwerkgebäude stehen je-
weils an den beiden Straßenenden. Das Haus
Nr. 1 wendet seine aus dem 18. Jh. stam-
mende Schmalseite der Kommißstraße zu,
während die originale Hauptfassade aus dem
späten 17. Jh. auf den Kornmarkt zeigt und
dort seit der 2. Hälfte des 19. Jh. durch
einen eingeschossigen Vorbau (Kornmarkt
4/5) verstellt wird. Das Mansarddach sowie
Teile des Innenausbaus deuten ebenfalls
auf die Umbauphase des 18. Jh. hin. Nr. 8/
Ecke Zimmerhof wurde in der 2. Hälfte des
17. Jh. über den in Nord-Süd-Richtung flie-
ßenden Okerkanal gebaut. Es zeigt straßen-
seitig den für die Zeit typischen Aufbau von
Erdgeschoß und Zwischengeschoß in Ge-
schoßbauweise. Die Auskragungen des Ober-
geschosses und der Dachbalken werden von
Volutenknaggen getragen. An der weithin
sichtbaren Südseite ist die Fassade durch
Holzpaneele verkleidet.

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