Ephron, Walter; Strzygowski, Josef <Prof. Dr.> ; Bosch, Hieronymus [Editor]
Hieronymus Bosch - Zwei Kreuztragungen: eine "planmässige Wesensuntersuchung" — Zürich , Leipzig , Wien, 1931

Page: 134
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60. Die hochentwickelte Landschaftskunst spricht für eine zeitlich späte
Entstehungszeit (Heuwagen um 1510). Lit.

61. Trotzdem die Formmittel zum guten Teil altes Malergut sind, ist ihre
Verbindung am Weinb.-Bild typisch für die Wesensart Bosch’scher Malkunst.

*

Durch die in zwei Reihen vorgeführten Beweispunkte wird folgendes Er-
gebnis begründet:

Der geistige Urheber des Weinb.-Bildes ist Hieronymus Bosch.

Das Mus.-Bild ist eine Kopie nach dem Weinb.-Bild.

Die Klarstellung der geistigen Urheberschaft gestattet das Eingehen in die
Erforschung der schöpferischen Hand. Im folgenden gelangt diese Untersu-
chung zur Durchführung.

II.

Die schöpferische Hand
1. Die Sicherstellung

So wenig erforscht sich der Künstlergeist Bosch’s erwies, noch viel weni-
ger wissenschaftlich bestimmt ist die Eigenart seiner Hand. Vom Dunkel eines
vielfältigen schwer faßbaren Gehaltes gelangt man vollends ins Ungewisse,
wenn man auf Grund des gegenwärtigen Standes der Bosch-Forschung
beginnt in das Wesen der Handschrift des Meisters einzudringen.

In welchem Rahmen bewegt sich eine solche Untersuchung ? Wir kennen,
ich folge hier dem Verzeichnis D aus M. Friedländers Geertgen-Bosch, 33 Ori-
ginalwerke, 11 zweifelhafte und 45 Kopien nach Bosch. Aber diese 33 Originale,
ein recht kärglicher Bestand für einen so bedeutenden Künstler, gewähren uns
keineswegs einen klaren Einblick in die schöpferische Hand. Auf welch un-
sicherem Boden man sich in dieser Frage beflndet, erhellt daraus, daß selbst
ein so geübter und sachkundiger Kenner wie M. Friedländer 11 Werke nicht
mit voller Bestimmtheit, sei es als Originale oder als Kopien erklärt. So sagt er
von einer „Anbetung der Könige“ „möglicherweise eine glückliche Nachahmung“
oder vom „Narrentanz“ „Ausführung etwas derb, aber von strenger Alter-
tümlichkeit, wohl Original“ oder von der Antwerpener „Dornenkrönung“
„ . . . das beste bekannte Exemplar, schwerlich das Original.“

Die Unsicherheit bei manchen Werken erweist sich als wohl berechtigt.

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