Heidelberger Jahrbücher der Literatur — 31,2.1838

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Hegels Werke. 5r Bd.

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Zügellosigkeit des unmittelbaren Erkenn ens ein Ziel zu
setzen.
Hegel mit seinem herkulischen dialektischen Verstand,
vereint mit speculätivera Tiefsinn, folgte auf die tief erregte
Zeit, die in das Jahr 1795 bis 1807 fiel, wo Schelling seine
Naturphilosophie aufgestellt und entwickelt hatte, und legte
den Grund zu einem System, das später eine so weit aus-
gebreitete und grofse Talente enthaltende Schule hervorrief.
Hegels grofser umfassender Geist umfafste, wie nicht vor
ihm geschehen war, alle Wissenschaften in einer organischen
Einheit in seiner Encyclopädie der philosophischen Wissen-
schaften, und führte dieselben nach und nach aus. Man kann
von Hegel wie von Kant sagen, es giebt fast keinen Zweig
des Wissens, den er nicht als Moment in die Idee der Phi-
losophie aufgenommen und bearbeitet hat. So hat er auf alle
Zweige des Wissens seinen Einllufs ausgeübt. Dieses er-
fuhr das Publicum erst recht, als der Tod den rastlos thäti-
gen Mann aus seiner Laufbahn abrief und so seine Unter-
lassenen Schriften , theils in blofsen, nicht für den Druck aus-
gearbeiteten, Vorlesungsheften, theils von ihm selbst zum
Druck ausgearbeiteten Manuscripten bestehend, als Ausgabe
seiner sämmtlichen Werke in das Publicum traten.
Die Vorlesungen über Geschichte der Philosophie, wo-
von der dritte Band hier besprochen werden soll, hat er öf-
ters gehalten. Sie umfassen die ganze Geschichte der Phi-
losophie. Der erste Band enthält die Philosophie bis zu den
Sophisten und Sokrates. Der zweite geht von diesen bis zu
den Neuplatonikern. Der dritte und vorliegende enthält die
Philosophie der Neuplatoniker, des Mittelalters und der neue-
ren Zeit.
ln der Einleitung zum Neuplatonismus, wo Hegel den
Übergang aus der alten Welt in das Christenthum zeigt, tritt
der Pantheismus der Hegel’schen Philosophie so platt hervor,
dafs jede Distinction, die man zwischen Pantheismus machen
wollte, um, wie von Anhängern dieses Systems in der neue-
sten Zeit, z. B. von Rosenkranz, geschehen ist, den Hegel-
schen nicht in die Kategorie des gemeinen fallen zu lassen,
sich als eitel und vergeblich erweist. Es heifst S. 16: „Es
ist unerläfslich, dafs Gott im Verhältnifs zur Welt, zum Men-
schen gedacht wird, insofern Gott ein lebendiger Gott ist $
dies Verhältnifs zur Welt ist dann ein Verhältnifs zu einem
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