Heidelberger Volksblatt — 1.1868

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wo ich mich hinwen-

Jch wußte nun ſelbſt nicht,
den ſollte.
Wem ich meine Dienſte anbieten wollte, der lachte
mir in's Geſicht, da kam ich in dieſe Gegend und wurde
mit meinem Knaben Heinrich, den ich als Kind aus
dem Feuer gerettet, in welches ihn wüthende Lanzknechte
geworfen, im Binwalde von vier Schurken überfallen,
welche mich trotz meiner Gegenwehr überwältigten; da
kam Herr von Elz mit ſeinem Hans, verjagte das Ge-
ſindel und befreite mich und Heinrich.
So blieb ich nun mit meinem alten Freundebei-
ſammen, erbauten dieſe Klauſe, in der wir, ſo Gott
will, einſtweilen gegen die Stürme von Außen geſichert
ſind."

Hier ſchwieg Meiſter Klaus, doch Herr von Elz
ietzte hinzu: "Ja, ja alter Freund Klaus, ſo fanden
wir uns wieder, und werden uns in dieſer Welt nicht
mehr trennen, bis einſt der Ewige den Einen oder
Andern als Quartiermacher für ſeinen Freund in das
beſſere Leben abruft" "Amen" ſagte der alte Stockheim.
(Schluß folgt)

Eine Couſine Napoleons

fürchtete, daß es die erhabene Dame, ohne deren Ge-
bot ich dieſes Kleinod holte, mir machen würde, wie
einſt der Ritter jener Dame, als er auf ihr Gebot
den Handſchuh aus dem Thierzwinger holte.*) Der
Kurfürſt lächelte, drohte nochmals mit dem Finger
und ging mit ihm und der noch eingeholten Kurfür-
ſtin in den neuen Eliſabethbau. Bald darauf kam
ſeine Königswahl, und ſo ſehr ich meinen Scharſſinn
anſtrengte, um ihn ven der unglücklichen Annahme zurück-
ubringen, ſo ſehr ſeine edle Mutter die Kurfürſtin
Wittwe ihn warnte, ſo ſehr ſeuerte ihn ſeine ſchöne
ſtolze Gemahlin an, die Wahl anzunehmen. Ganz
Heidelberg glich einem Trauerhauſe. Die Geiſtlichkeit
und Bürgerſchaft flehten im ahnenden Vorgeſühle in
ſeinem Vaterland zu bleiben, doch nichts half und ich ging
mit biutendem Herzen mit, und als ich nach der Schlacht
am weißen Berg ihn, da er trotz meiner Warnungen die
Krone doch angenommen, nun dahin bringen wollte,
nicht Alles feige zu verlaſſen, ſondern jetzt muthig ſeine
Krone zu vertheidigen, ließ er an mir ſeinen Zorn aus,
gab mir Fußtritte und verbannte mich aus ſeiner Nähe.
Herzog Chriſtian, den er und ſeine Gemahlin in
den Niederlanden traf, nahm ſich ſeiner mit allem ju-
gendlichen Feuer an, Jhr, edler Herr von Elz, waret
ein Freund von ihm, wie ich, und wißt, daß wenn es
auf dieſen Helden angekommen wäre, da ſäße der un-
glückliche Fürſt längſt wieder auf dem pfälziſchen Throne.
Jch wandte mich nnn zum Herzog Chriſtian, ver-
tauſchte die Schellenkappe mit dem Helm, und die
Narrenpritſche mit dem Schwert, und trotz meiner
Kleinheit und Mißgeſtalt, erwarb ich mir im Felde doch
ſoichen Rnhm, daß es keiner von unſern Lanzknechten mehr
wagte, über mich zu lachen, und der tapfere Herzog
Cyriſtian mir ein Fähnlein anvertraute. Als dieſer
edle junge Mann plötzlich ſeinen Tod herannahen ſab,
rief er mich zu ſich und ſagte: "Mein Klaus, es wüthet
in meinem Leib, wie wenn Scharmeſſer darin mir alle
Gedärme entzwei ſchnitten. Nimm hier dieſen Hut mit
dem Handſchuh und thue ihn nie davon herab, denn ich
ſchwur, ihn nicht eher von dem Hute zu nehmen, bis
die Kurfürſtin wieder in Heidelberg einzöge.
Jſt dieſes Ziel nach meinem Tode erreicht, ſo gehe
in Deine Vaterſtadt, dem ſchönen Heidelberg, nimm den
Handſchuh vom Hute und reiche ihn der Fürſtin, und
ſage ihr, daß ich ihn treu bis zu meinem Tode bewahrt,
und daß ich die Verehrung für ſie und ihren Gemahl
bis an mein frühes Ende, ja mit in die Ewigkeit nehme.
Trage ſelbſt ſortan den Hut, er iſt auf dem beſten
Platze bei Dir."
Jch nahm den Hut und bald darauf ſtarb der

(Fortſetzung)
Lavareille befand ſich einem Manne gegenüber,
deſſen Augen Flammen auf ihn ſchleuderten. Dieſer
Mann, in ein grobes Fiſchergewand gekleidet, forderte
mit gebietender Miene den geraubten Kranz von ihm
zurück.

"Wer biſt Du? was willſt Du?" fragte der Offi-
cier den kühnen Vertheidiger Mariannens.
"Jch nenne mich Colazzo," antwortete der Fiſcher
"ich ſtand fünf Schritte hinter dem Baum; bereit, Dich
zu erdolchen, hätteſt Du nur mit der Spitze Deines
Fingers, das Haar dieſes Mädchens, das meine Braut
iſt, berührt! Jch will den Roſenkranz, deſſen Du Dich
eben bemächtigt haſt"
"Da haben wir das Geheimniß!" rief der Offi-
cier, "das die Erklärung Deines hochmüthigen Beneh-
mens, meine ſchöne Wilde! Der Platz war beſetzt und
ich bin zu ſpät gekommen. Das iſt ohne Zweifel ein
Unglück, wenigſtens für heute. Ja, ich liebe Deine
Braut, Colazzo, ich liebe ſie, weil ſie ſtolz und muthig
iſt. Daher gieb wohl Acht auf ihre Fenſter, denn Du
haſt einen Nebenbuhler!"
"Schändlicher!" ſchrie Colazzo, in Wuth ausbrech-
end, "gieb den Roſenkranz wieder, wo nicht - "
"Wo nicht?" wiederholte Lavareille, indem er die
Hand auf ſeine Hüfte ſtemmte.
"Wo nicht, ſo iſt es Dein Unglück!" antwortete
der Fiſcher und ſtürzte auf den Officier los.
Aber Dieſer war ſchnell wie der Blitz drei Schritte
zurückgewichen und hatte ſeinen Degen gezogen, deſſen
Spitze er auf Colazzo richtete, der ein wiüldes Gebrüll
ausſtieß.
Ein heftiger Kampf entſpann ſich zwiſchen Beiden;
Lavareille, mit ſeiner Waffe dem Gegner überlegen,

Edle.

Ruhe ſeiner Aſche und ſeinem Andenken Ehre!
Es ſind bis jetzt keine Ansſichten vorhanden, daß
ich mein Kleinod ſobald abzugeben babe, doch wird mich
Gott noch dieſe Freude erleben laſſen, ich fühle es in
meiner Seele.

* Unſer großer Scbiller hat dieſe alte Sage in einer treff-
lichen Balede "der Handſchuh" beſungen.
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