Heidelberger Volksblatt — 1.1868

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Werkſchtatt hawe ſich die G'ſelle gebriggelt, ſo lang'der
in eierer roſerothe Feſchtlaune in Wien rumgebummelt
ſeid. - Fahr norr ſo fort, Michl, ſag ich, haw ich
g'ſagt - 's Heiſ'l werd bald die Krenk hawe. Dann
kannſcht in de Hauszins ziechge un Driebſaal blooſe!
Unſer neier deitſcher Keiſer wechslt'r vielleicht ſchpäter
emool dein verlorene Feſchtgulde in Goldſchticker aus!
Fahr norr ſo fort.
Hoffe un Harre, macht Manchen zum Narre!
Aach du, liewer Mich'l, du krikſcht noch dein Schbarre!

als uff die Mannemer "Belle-Vuo". Wo halt's dann,
Deitzin? Warum ſchpiele dann de ganze Summer
norr fremde Militärmuſike drowe? He? Warum
dann? Warum kenne dann unſer Heidlberger Fami-
lienvätter deß Geld do drowe nit aach als emool ver-
diene? He?
Deitzin: Deß will ich'r ſage, Kannegießern.
Sie hawe mit'm Schloßwerrth was g'hatt! E Kipp-
lerei. 's is vielleicht nit Sacksbendls werth!
Kannegießern: So? Un do macht ma mir
nix, dir nix, unſer Leit halwer brodlos, un loßt die
Fremde 's Geld aus d'r Schtadt naus drage? Un
unſer Schtadtmuſik hott's zugucke, un kann in d'r
Welt rumfahre? Deß g'fallt mar nit, Deitzin. D'r
Herr Schloßwerrth werd ſich hoffentlich mit unſere
Leit ſo ball wie meeglich widder uff'n gute Fuß zu
ſchtelle wiſſe, ſunſcht mach ich en Mordsſchbektaakel,
Deitzin.

Miseellen.

(Spaniſche Rechtszuſtände.) Die "Jndepend. belge" er-
zählt eine pikante Geſchichte aus Spanien Zwei Soldaten, die auf
Urlaub nach Hauſe reiſten, baten um Aufnahme in einem guten bür-
gerlichen Hauſe in einer Ortſchaft nahe bei Alicante. Der Beſitzer
deſſelben war abweſend und ſeine Frau nur mit einem Dienſtmäd-
chen zu Hauſe; jedoch wurden die Soldaten aufgenommen und er-
hielten für die Nacht eine Schlafſtätte auf dem Boden; mitten in
der Nacht wurde an die Hausthür geklopft und die Frau öffnete in
der Meinung, daß ihr Mann nach Hauſe komme, arglos die Thür,
brach aber in ein lautes Geſchrei aus, als zwei maskirte Kerle auf
ſie losſtürzten und ihr Geld forderten. Glücklicher Weiſe aber eilten
die Soldaten auf den Hilferuf raſch genug herbei, es entſpann ſich
ein Kampf und der eine Soldat ſtreckte die beiden Eindringlinge mit
ſeinem Revolver nieder. Nach einiger Zeit wurde wieder an die
Thür geklopft und diesmal war es wirklich der Mann, der nach
Hauſe kam. Es wurde ihm aber von den Soldaten bedeutet, daß
ſie ihm nicht öffnen würden, als bis er mit einer Magiſtratsperſon
wiederkomme, die den Thatbeſtand eonſtatiren könne. Der abgewie-
ſene Hauseigenthümer lief alſo nach dem Maire und als dieſer nicht
zu Hauſe war, zu deſſen Adjunkten, den er ebenfalls nicht finden
konnte Er mußte nun mit dem Polizeiwächter vor ſein Haus rücken
das ihm dann auch geöffnet wurde. Groß war aber die Ueberra-
ſchung dieſes Dieners der Geſetze, als er den beiden getödteten
Räubern die Maske abnahm und in ihnen ſeine vorgeſetzte Behörde,
den Maire und deſſen Adjuneten erkannte.

Deitzin: Recht, Kannegießern. Jch helf mit!
Alles was recht is, hott Gott lieb! - No, un was
ich ſunſcht noch ſage wollt, Kannegießern! Was macht
dann ihr Mann, d'r bollittiſche Michl? Js'r noch
nit vun Wien zurickkumme?
Kannegießern: Jodanndoch! Er is do. Awer
ſeh' ſollt Se'n jetzt, Deitzin - wie'r de Kopp henkt -
un wie'r ſich reiſchbert un wie'r ſchbuckt - un wie'r
ſich ärgert, daß'r ſein Geld verjuckt hott! Dreihun-
nert baare Gulde ſinn beim Deiwl, Deitzin. Un erſcht
nix g'ſchoſſe, un erſcht kee Breis in Wien kricht!
Recht g'ſchieht's'm. Muſcht du mit Offizier ſchieße -
ſag ich u'm, haw ich g'ſagt - mit Tyroler Schitze
Hoſcht gemeent: in Wien ging's wie in Heidlberg?
Hoſcht gemeent: dort krägſcht aach en Breis wie vorm
Johr uff eierm Schitzehaus hier, wann'd norr die Scheib
driffſcht? Dort heeßt's Zentrum, mein Liewer -
ſchwarz! Dreihunnert Gulde, Deitzin. Dreihunnert
Gulde Wiener Feſchtkoſchte! Un do ſoll mer ſein Maul
zu binne! Do ſoll mer nix redde! Wann noch ſo e
paar deitſche Schitzefeſchte an de Dag kumme, kann ich
emool in's Schpitaal gehn, wann ich alt bin. - No,
ſag ich zum, wie ich'n an d'r Eiſebahn abg'hoolt hab
- habt'r dann deß deitſche Vatterland in Wien jetzt
eenig gemacht? Habt'ers'n widder emool g'ſagt for'n
Doppl, dene Herrn Breiße, die nit noch eiere Bichſe
danze wolle? Habt'r nit gleich, wie's Feſcht vorbei
war, gleich en Barademarſch durch Berlin gemacht?
Seid'r nit gleich an Frankfort vorbei un habt die
deitſch Mainlinie abgegraawe? Deß habt'r vergeſſe,
- ſag ich, haw ich g'ſagt - gelte? Un an eier Wei-
wer daheem habt'r aach nit mehr gedenkt, ihr Herrn
Heidlberger Schitze, wie'der die Wiener Schitzefeſcht-
daame emool am Aarm g'hatt habt? Do habt'r 's
hald laafe loſſe, gelte? Do habt'r nit geknixt un ge-
knaxt, wie daheem, wann eier Weiwer emool e nei
Kleed brauche? Jn Wien habk'r die Galante, die
Noowle g'ſchbielt! Habt de Schambannier knalle loſſe,
un die Fraa hott daheem ſitze un oowends mit de
Kinner ihrn ſcheele Kaffee drinke kenne. Un in d'r

(Aus dem Briefe einer zärtlichen Gattin.) Liebſter
Mann! Du fehlſt mir überall. O wäreſt Du ſchon wieder hier!
Jch denke nur an Dich, und ſo oft ich Morgens und Abends in's
Zimmer trete und Deinen Schlafrock hänge ſehe, wünſche ich, Du
hingeſt da!

(Die Flucht vor dem Tode.) Jn Brüſſel hat ſich vor
einiger Zeit ein eigenthümlicher Vorfall ereignet. Ein Arzt hatte
einer armen auf dem Todtbett liegenden Frau ihr nahes Ende und
zugleich den letzten Beſuch des Geiſtlichen angekündigt. Als dieſer
Letztere erſchien, um der Kranken die Sterbeſaeramente zu ertheilen,
fand er zu ſeinem Erſtaunen das Bett leer. Die arme Frau hatte
ſich aus Furcht vor dem Tode unter das Bett verkrochen und war
dort von demſelben erreicht worden.

Gerſte iſt ſund Hopfen ſteht bis jetzt allenthalben gut, allein
man fürchtet, daß an den Bierbrauern Hopfen und Malz perloren
iſt und man doch kein wohlfeileres Bier zu trinken bekommt.

(Dorfztg.)

Druck und Verlag von G. Geiſendörfer.
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