Heidelberger Volksblatt — 1.1868

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"Lange genug hört' ich von dieſem unwürdigen Ver-
hältniß; allein ich meinte, es ſei nur ſo eine Spielerei,
um ſich damit die Langeweile in dem kleinen Neſte zu
vertreiben.
"Jch treibe niemals mit dem Allerheiligſten, mit
der Liebe ein frevles Spiel!"
"Alſo darauf haſt Du ſchon lange gewartet?" fuhr
ſie, durch ſeine Ruhe noch immer mehr gereizt fort.
"Darum die vornehmſten und reichſten Partien ausge-
ſchlagen, um die Tochter des Hausvaters!"
"Nicht juſt um ſie," entgegnete Curt ruhig, "da
ich ſie zu jener Zeit noch nicht kannte, doch darum,
weil ich von dieſen Salonpuppen nicht eine lieben
konnte."

gerufen hörte, erwachte; als er Morreda erblickte, ſtieß
er einen Schrei aus, einen einzigen; Morreda bohrte
ihm ſeinen Dolch in die Kehle. Von Lärm erweckt,
erhob ſich die Schuldige ſchnell - die Axt des beſchimpf-
ten Gatten trennte mit einem Hiebe Rita's Kopf von
den Schultern. Noch einmal erhob er ſeine ſchreckliche
Waffe und löſte ein zweites Haupt, das des Johannes.
Dann nahm er die Leichname, ſchnitt ſie in Stücke,
brachte ſie noch rauchend unter die Steine der Oel-
mühle. Hier wurden ſie zermalmt; dann dörrte er
ſie in der Gluth des Ofens, und nachdem er dies blu-
tige Geſchäft verrichtet, legte er ſich ſchlafen. Am an-
deren Morgen verbreitete ſich das Gerücht, die ſchöne
Müllerin ſei mit ihrem Geliebten entflohen; nun lachte
man dem armen Joſe ins Geſicht, der finſter, ſchwei-
gend, auf die Spöttereien, deren Gegenſtand er war,
nicht zu achten ſchien. Jn der folgenden Nacht brachte
er die menſchlichen Ueberreſte unter die Steine der
Mehlmühle, zermalte ſie zu feinem Mehl und miſchte
daſſelbe unter ſeine Vorräthe. - Als er ſie verkauft
hatte, verſchwand er plötzlich. Als ſeine Nachbarn
ihn einige Tage nicht ſahen, wurden ſie beſorgt, dran-
gen bei ihm ein und erblickten in ſeinem Zimmer die
Köpfe ſeiner beiden Opfer; der der Rita war mit
einem Orangenkranz geſchmückt; beide ſtanden auf einem
Tiſche, auf dem auch ein Brief lag: "An die Be-
wohner von Hidalejo. Jch habe mich gerächt und ich
bin zufrieden, ich laſſe euch den Kopf meiner Frau und
den ihres Verführers; aus ihrem Fleiſche habe ich das
Mehl bereitet, das ihr zu eurem Brod verbraucht habt.
Jch ſage euch nicht Lebewohl, bald werdet ihr von mir
hören. Joſe Morreda." Dem Briefe war eine ge-
naue Beſchreibung ſeines Verbrechens beigefügt. -
Man glaubt jetzt, daß Morreda ſeine Dienſte irgend
einem Brigantenchef angeboten, und daß er bei Gele-
genheit zurückkehren wird, ſein Dorf in Aſche zu ver-
wandeln. - So rächt ſich ein Mexikaner!

"Und das Mädchen iſt, wie ich höre, ein Kind
faſt zwanzig Jahre jünger als Du."
"Je nun, wen kümmert das, wenn ſie mich trotz
dieſes Vorſprungs von zwanzig Jahren dennoch liebt?
"Wäre es mindeſtens Helene Moller, die Tochter
des Geheimſekretärs!" jammerte die Tante.
"Es iſt nun aber Johanna, meine herzige Hanna
liebe Tante!"
"Nenne mich nicht Tante! Jch kenne Dich nicht
mehr, denn Du beſchimpſt Deine Familie!"
(Fortſetzung folgt.)

Mexikaniſche Rache.
Jn Hidalejo, einer mexikaniſchen Provinz, lebte
ſeit einer Reihe von Jahren ein Ehepaar, das recht
glücklich ſchien; der Mann, ein muthiger, energiſcher
Charakter, betrieb das Geſchäft eines Mehl- und Oel-
müllers, die Frau, Rita, eine prächtige Bergſchönheit,
half ihm beſtens dabei. Aber ſeit einiger Zeit ver-
breitete ſich in ihrer Ortſchaft das Gericht, daß die
Frau es mit einigen Punkten des Ehekontraktes nicht
ſehr genau hielt, und daß ihr Mühlknecht ihr dabei
half. Soſort wußte alle Welt von dem Mißgeſchick
des armen Joſe Morreda, des Herrn, und allerlei
Sticheleien und boshafte Bemerkungen circulirten; nur
er wußte nichts davon. Ein Zufall enthüllte es ihm.
Am letzten December war er nach der Stadt gereiſ't,
um Mehl zu kaufen; er glaubte eine Woche abweſend
ſein zu müſſen, kehrte aber zufällig früher zurück, kam
unvermerkt an, und trat leiſe, da es Abend war, in
das Schlafgemach ſeiner Frau, ihr eine angenehme
Ueberraſchung zu bereiten. Hier aber wnrde ihm eine
Ueberraſchung zu Theil, wenn auch keine angenehme.
Er fand die beiden Schuldigen Hand in Hand, ſüß
ſchlummernd. Jetzt erinnerte er ſich gewiſſer, ihm un-
verſtändlich gebliebener Scherze und Bemerkungen ſei-
ner Nachbarn, denen die jetzige Entdeckung plötzlich
einen ſchimpflichen Sinn gab. Er beſchloß, ſich an
ſeiner Frau und ſeinem Geſellen, aber auch an allen
ſeinen Nachbarn zu rächen, weil ſie ſich über ihn lu-
ſtig gemacht. Leiſe verließ er das Zimmer, holte eine
Axt und ein Stilet und kehrte zurück. "Johannes!"
rief er mit dem ſanfteſten Tone. Der Knecht, der ſich

Dr. Gemithlich.
Schad dafor, Män-
ner - recht ſchad
dafor, daß d'r Nad-
ler nit mehr lebt!
Sein"BrandimHutzl-
wald" hott die vorig
Woch in Heidlberg
die zwett Ufflag er-
lebt! D'r Brand in
Hockene kann'm we-
nigſchtens wirdig zur
Seit g'ſchtellt werre.
Ganz Hockene hätt
abbrenne kenne, bis
unſer Feierwehrmän-
ner Geil an de
Schbritze g'hatt hawe.
Unſer Kutſcher hawe
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