Heidelberger Volksblatt — 1.1868

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Dr Weffzemoier.

Und auf dieſer Kehrſeite ſtehen ganz gränliche Dinge,
die unſere Voreltern von der katholiſchen Chriſteniiehe
zu erdulden hatten. Nämlich: Jnguiſition, Scheiter-
haufen, Pariſer Bluthochzeit, Verbannung und ann-
fluch! - Und als die Voreltern unſerer Voreitern,
noch in dem alleinſeeligmachenden Schafſtalle Chriſti,
alſo noch keine Proteſtanten, keine verirrten Schafe wa-
ren, da ging es ihnen auch recht ſchlecht. Statt aß
ſie der jeweilige einzige Hirte an die Quelle der Wahr-
heit und Vernunft geführt, ließ er ſie aus dunkeln
Pfützen trinken. Statt gutem Futter, bekamen ſie
Sprene. Und als ihnen dieſe Koſt nicht mehr grnügte,
und ſie nach dem alten Wege gefragt, den der Erz-
hirte, der Gründer der chriſtlichen chafheerde, zm
beſſern Heil an Leib und Seele vorgeſchrieben, da ſag-
ten die damaligen Hirten; Jhr habt nicht zu fragen
und zu forſchen, ſondern nur uns zu folgen. - Und
als ſie ſich geweigert und ſtarrköpfig wurden und nicht
mehr wandeln wollten die Wege der Nacht und ewi-
gen Finſterniß, und ſich zuſammenſchaarten und einen
andern Hirten wählten, da verwandelte ſich das Schä-
ferangeſicht der chriſtlichen Liebe und Dehmuth in einen
Wolfsrachen, und der einzige Schäferſtah in einen
Spieß um, mit dem die nnn verirrten Schafe als
Ketzer in alle Welt gejagt und zerſtreut wrden, und
die chriſtliche Liebe warf Brandfackeln unter ſie und
ließ ſie ſieden und am Spieße braten.
Und ſo ganz feſt und unerſchütterlich, wie Du ſagſt,
heiliger Vater, ſteht doch der einzige Schafſtall zu den
ſieben Hügeln heute noch nicht - iſt doch erſt kürz-
lich eine "ſpaniſche Wand" darin umgefallen. Sein
italieniſches Dach iſt auch bereits eingeſtürzt, und wenn
nicht die fromme Taube von Frankreich ihre Flügel
zum Schutze darüber ausbreitete, wäre ſchon lang alles
derin durch den Sturm der neuen Zeit watſch naß ge-
wordeu. Und dann, heiliger Vater, haſt Du erſt neu-
lich wieder einige hundert Zentner Pulver, Brandracke-
ten und Hinterlader bezogen. Das ſind doch ganz ge-
fährliche Kopfkiſſen. Und auf dieſe ſollen wir wieder
unſere verirrten Schafsköpfe zur Ruhe legen?
Höre uns, heiliger Vater! Wenn es Dir ſo recht
ernſt iſt, us verirrte Schafe wieder zurückzuführen,
ſo führe zuerſt die noch unverirrten wieder auf den al-
ten Weg, den der Erzhirte Chriſti vorgeſchrieben, und
ſetze, ſtatt der dreifach güldenen Krone, die er nicht ge-
kannt, ſeine Dornenkrone auf Dein Haupt, und
dana - wollen wir gern Deiner Einladung folgen
und Dir zurufen als ein blöckendes: Lvia nono!
Soodele. - Wie g'fallt Jhne die Antwort, Herr
"Pälzer Bott"? Hae Se was dagege einzuwenne?
Scheniere Se ſich nit. Norr geredd. Die Gedanke
un pälzer Bottgrobheite ſinn zollfrei. Jm Jwrige
haw ich die Ehr mich Jhne zu empfehle un zwar mit
dem Soruch: "Wer nicht liebt Wein, Weib und Ge-
ſang, der bleibt ein Narr ſein Leben lang".

Die Broteſchtante werre ſich jetzt zu beeile hawe,
in de alleinſeeligmachende "Schafſtall Chriſti", wie d'r
heilige Babba in Room ſegt, zurickzukehre. Es ig die
ekſcht Zeit, ihr Broteſchtantemänner! D'r heilige
Babba, Pabſcht Pius JX., ermahnt eich in ſei'm apo-
ſchtoliſche Schreiwe vum 13. September 1868. des ge-
richt is an "Alle Proteſtanten und Nichtkatholiken", un
zu leſe is im "Chriſchtliche Pilger" Nr. 42 vom 18.
Oktober 1868, wie folgt:
Wir nun c., ſchreiben dieſen Unſern Brief an alle
von Uns getrennten Chriſten, worin Wir ſie inſtändigſt
ermahnen und beſchwören, zu dem einen Schafſtall
Chriſti zurückzueilen; denn . . die ganze Welt kann
ſo lange nicht des wahren Friedens ſich erfreuen, als
nicht ein Schafſtall und ein Hirte ird." - Uff'n Brief
g'heert e Antwort, Männer! Weil awer d'r heilige
Babba unſer pälzer Deitſch wahrſcheinlich nit ver-
ſchteht, ſo folgt die Entgegnung d'r broteſchtantiſche
vererrte Schoofhämmel hiermit in gut Deitſch, wie
folgt:

Von den verirrten Schafen.
Antwort auf die Einladung des Hirten
von den ſieben Hügeln.
Wir ſind alſo eingeladen zu einem Oekumeniſchen
Concil auf den ſieben Hügeln, heiliger Vater - um
wieder einzutreten in Deinen Schafſtall, weil Du allein
vom Erzbirten, der die chriſtliche Schafheerde gegrün-
det, berufen ſeiſt, den Schäferſtab zu führen - weil
Dein Schafſtall der allein wahre und nie wankende ſei,
da er auf dem Felſen Petri ruhe, und die verirrten
Schafe außer Deines Pferches alle zu Grunde gehen
müßten. - Das wäre alles recht ſchön, wenn die aus-
gegebene römiſche Medaille der Liebe und Verſöhnung
nicht von veraangenen Zeiten her eine Kehrſeite hätte,
die Du vergeſſen haſt, heiliger Vater, herumzuwenden.

Druck und Verlag von G. Geiſendörfer
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