Schäfer, Georg
Kunstdenkmäler im Grossherzogthum Hessen: Inventarisirung und beschreibende Darstellung der Werke der Architektur, Plastik, Malerei und des Kunstgewerbes bis zum Schluss des XVIII. Jahrhunderts: Provinz Starkenburg: Kreis Erbach — Darmstadt, 1891

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FÜRSTENAU

Kurmainz veranlasst zu haben, durch Errichtung einer Veste dicht bei Steinbach
festen Fuss im Odenwald zu fassen und damit gleichzeitig einen Stützpunkt zwischen
seinen Gebieten an Bergstrasse und Main zu gewinnen. Urkundlich tritt Fürstenau
zum ersten Male im Jahre 1317 auf, aus Anlass der Ernennung des Schenken
Eberhard zum kurmainzischen Burg-
mann des Schlosses, in welcher
Eigenschaft im weiteren Verlauf des
14. Jahrhunderts auch die Herren
von Duborn und von Hochbausen
Erwähnung finden. Zur Schlichtung
der Wirren zwischen Kurmainz und
Kurpfalz tagte 1344 zu Heidelberg
ein Schiedsgericht, welches für die
Niederleguno- der Veste oder deren

O O

Abtretung an Erbach sich aussprach,
weil die Burg gegen den Willen der
Erbacher auf deren Grund und Boden
errichtet worden war. Gleichwohl
blieb Kurmainz noch längere Zeit
Eigenthümer des Schlosses, wie es
scheint in Folge besonderer Ab-
machungen. Eine theilweise Wieder-
einlösung geschah im Jahre 1355
von Seiten der Erbacher, welche
nun Mainzische Erbburgmänner von
Fürstenau wurden. So lange Fürstenau
zum Erzstift gehörte, war die Burg
Sitz eines Mainzischen Amtes. Erst
um die Mitte des 15. Jahrhunderts
kam Erbach durch Kauf in den wirk-
lichen Besitz des Schlosses; Kurmainz
behielt sich jedoch das Oeffnungsrecht
vor, ebenso das Recht des Wieder-
kaufes, das niemals zur Verwirk-
lichung gelangte. Das Lehensver-

hältniss zu Mainz erlosch erst durch den Reichsdeputations - Hauptschluss vom
Jahre 1803.

In seiner gegenwärtigen Erscheinung bildet Schloss Fürstenau (s. Lageplan Schlossgruppe
Fig. 68) eine ausgedehnte Gruppe von Gebäuden, welche den verschiedensten
Stilepochen ihr Dasein verdanken. Gothik, Renaissance, Barocco und Rococo
haben hervorragenden Antheil daran. Inmitten der alterthümlichen Architektur-
gruppe und gerade in ihrem glanzvollen Centrum hat leider auch ein modernes
Bauwerk, das neue Schloss, (Nr. 3 im Lageplan) Platz gefunden, ein unerfreu-
liches Wahrzeichen der Verödung und Gesunkenheit des Kunstgeschmackes im

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Fig. 68. Schloss Fürstenau.
Lagepla.11 der Schlossgrnppe.

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