Schäfer, Georg
Kunstdenkmäler im Grossherzogthum Hessen: Inventarisirung und beschreibende Darstellung der Werke der Architektur, Plastik, Malerei und des Kunstgewerbes bis zum Schluss des XVIII. Jahrhunderts: Provinz Starkenburg: Kreis Erbach — Darmstadt, 1891

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KREIS ERBACH

XXIII. REICHENBERG

CHLOSS der Grafen von Erbach-Erbach, südöstlich von Darmstadt, nord-
westlich von Erbach und hoch über dem Marktflecken Reichelsheim gelegen,
erscheint in Urkunden unter den Namensformen: Richgisesbura (795?),
Richenburg (1307), Rychenburg (1321) und Richinbuvg (1402).

Allgemeines Bei der Gebietstheilung der Linie Erbach-Reichenberg im Beginn des 14. Jahr-

hunderts*) war das Schloss im Kondominatbesitz der damals entstandenen beiden
jüngeren Linien Erbach-Reichenberg-Fürstenau und Erbach-Reichenberg-Michelstadt
geblieben. Nach kurzem friedlichen Bestand dieses Verhältnisses brachen zwischen
den gemeinschaftlichen Besitzern, Schenk Eberhard genannt Rauch von der Fürstenauer
und Schenk Eberhard dem Aelteren von der Michelstäder Unterlinie, Streitigkeiten aus,
die im Jahre 1307 ihre Beilegung zu Heidelberg durch einen Vertrag fanden, worin
feste Bedingungen für den Fall eines Verkaufs des Schlosses aufgestellt und die
Grundlagen eines Burgfriedens vereinbart wurden, kraft dessen die Zone von Reichels-
heim, Eberbach, Michelbach mit dem Rücklingsberg, Gersprenz, Beerfurth und Frohn-
hofen als neutrales Gebiet frei von jeder Fehde erachtet werden sollte. In der
Vertragsurkunde sind Ulrich und Gottfried von Bickenbach, Erpo von Weingarten
und Wyprecht Schwende als Vermittler genannt. Bei dem Wiederausbruch des
Haders ura's Jahr 1320 führte Abt Heinrich von Fulda unter dem Beistand des

*) S. ob. S. 45.
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