Schäfer, Georg
Kunstdenkmäler im Grossherzogthum Hessen: Inventarisirung und beschreibende Darstellung der Werke der Architektur, Plastik, Malerei und des Kunstgewerbes bis zum Schluss des XVIII. Jahrhunderts: Provinz Starkenburg: Kreis Erbach — Darmstadt, 1891

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SECKMAUERN

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Der Brunnen entsendet seine als Bächlein abfliessende Wasserfülle in geringer Der heilige Horn
Entfernung zur rauschenden Euter. Sein Ursprung ist nach Dan. Schneider hinter
dem Hochaltar im Chorhaupt zu suchen. Der eigentliche Quellenraum scheint
jedoch in der Nähe des Triumphbogens unter dem Langhaus-Niveau zu liegen,
wo der beim Besuch der Oertlichkeit uns begleitende bejahrte Küster noch vor
einigen Jahrzehnten die in die Tiefe hinabführende, später ausgebrochene Treppen-
anlage gesehen haben will. —- Wie in alter Zeit, so besteht auch in der Gegenwart
ein festes Vertrauen auf die Segens- und Heilkraft der Quelle. Das Gräfliche
Haus Erbach hält die alte Stiftung in Ehren und bleibt der Sitte der Väter getreu,
indem noch jetzt, bei Spendung des Sakramentes der Taufe in der erlauchten
Familie, das geweihte Wasser aus dem heiligen Born zu Schöllenbach geschöpft wird.

XXIX. SECKMAUERN

FARRDORF, nordöstlich von Erbach, östlich von Höchst gelegen, hiess
im 13. Jahrhundert Sickinmuren, 1366 Seckenmuren, 1408 Seckmuren
und Seckmawren, eine Namensform, welche als Zusammensetzung von
mura, Maner mit dem Personennamen Seggo, Sigo, Sicco angesehen
wird. Die Richtigkeit der weitergehenden Ableitung von dem römischen Krieger Lucius
Favonius Seccianus der VIII. Legion, dessen Namen die Inschrift des Bullauer
Votivaltares trägt (vergl. S. 42), mag dahingestellt bleiben. Zu Seckmauern »besassen
verschiedene Familien vom niederen Adel Breubergische Lehen, namentlich die
Herren von Erlebach und die Starkerade von Breuberg, welche hier Gefälle hatten.
Als Rechtsnachfolger Beider erscheinen zunächst Heintz von Sickingen und nach
ihm die Herren von der Thann«. (G. Simon.)

Die evangelische Pfarrkirche, von welcher Simon gegen Ende der fünfziger Kirchen
Jahre berichtet, »sie ist so alt und baufällig, dass sie schon seit längerer Zeit nicht
mehr benutzt werden kann«, wurde 1860 niedergelegt. Das Gotteshaus war der
h. Margaretha geweiht. Vorhandene Aufzeichnungen über Plananlage und Struktur
des Gebäudes beschränken sich auf die dürftige Notiz, dass der Thurm gross und
von viereckiger Gestalt war, dass das Innere ein Kreuzgewölbe besass, aber sonst
nichts Bemerkenswerthes enthielt. Der alten Baustelle gegenüber erhebt sich seit
1865 eine neue evangelische Kirche im Schema des Rundbogens als Konstruktions-
prinzip, während die unweit davon, auf einer leisen Bodenerhebung erbaute, noch
jüngere katholische Kirche dem Spitzbogenstil gerecht zu werden sucht. Der
moderne Charakter dieser Kirchenbauten, sowie der Mangel an älteren Profanbau-
werken gewährt sonach in Seckmauern selbst keinen Anhalt für die kunstgeschicht-
liche Betrachtung.

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