Schäfer, Georg
Kunstdenkmäler im Grossherzogthum Hessen: Inventarisirung und beschreibende Darstellung der Werke der Architektur, Plastik, Malerei und des Kunstgewerbes bis zum Schluss des XVIII. Jahrhunderts: Provinz Starkenburg: Kreis Erbach — Darmstadt, 1891

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BEERFURTER SCHLÖSSCHEN

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II. BEERFURTER SCHLÖSSCHEN

UINE, nordwestlich von Erbach, östlich von Reichelsheim gelegen, ist
Gemeindeeigenthum des benachbarten Filialdorfes Kirch-Beerfurt (1324
Berenforte, 1335 Berenfurte, 1443 Bernfurt an der syte der
backe), von dem sie den jedenfalls neueren Namen trägt.

Aus den Zeiten des Mittelalters ist über das Beerfurter Schlösschen nicht die Allgemeines
geringste urkundliche Nachricht auf die Gegenwart gekommen. Erst in einem 155 1
von den Grafen Georg und Eberhard von Erbach und dem Grafen Michael von
Wertheim abgeschlossenen, die Erbachischen Ansprüche an die Herrschaft Breuberg
betreffenden Vergleiche tritt das Gebäude unter der Benennung das steinerne
Haus aus dem Dunkel hervor. — »In den dreissiger Jahren des vorigen Jahr-
hunderts kamen einige Schatzgräber auf den Gedanken, hier nach verborgenen
Schätzen zu suchen und wollten den Eingang zu einem unterirdischen Gewölbe

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oder Gange aufgefunden haben. Da bei dieser Gelegenheit sehr schön behauene
Steine zum Vorschein kamen, so wurden diese von den Einwohnern von Beerfurt
heruntergefahren und als Bausteine benutzt, was ihnen jedoch von der Herrschaft
verboten wurde, obgleich sie vorwendeten, ihr Schulhaus damit bauen zu wollen.« *)

Kein Wunder, wenn das Bild, welches das Gebäude jetzt gewährt, für die Lage und

Beschaffenhei

Forschung unerfreulich ist. Unter den waldigen Bergkuppen, deren Ausläufer
zwischen Beerfurt und Bockenrod zum Gersprenzthal abfallen, führt eine den Namen
Burgberg. Den Gipfel krönen hochstämmige Buchen und Fichten, welche auf
ein trümmerhaftes, aus dem Waldboden nur wenig aufragendes Gemäuer nieder-
schauen. Dies sind die Ueberreste des Beerfurter Schlösschens. Das Mauerwerk
bildet ein im Grundriss der Kreisform sich näherndes, unregelmässiges Polygon,
dessen Durchmesser etwa 15 m beträgt, mithin in seiner Ausdehnung hinter dem
Plateau des benachbarten Sehnellerts (s. Abschnitt XXVII) bedeutend zurückbleibt.

Die von dem Mauerring umschlossene Stelle des ehemaligen Wohnbaues wurde

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von der erwähnten Schatzgräberei so gründlich durchwühlt und das vorhandene
Steinwerk in so umfassender Weise ausgebrochen und weggeführt, dass eine be-
trächtliche, kraterförmige Tiefe entstand, die jetzt von Moos und Schlinggewächsen
cranz und gar überwuchert ist.

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Hinsichtlich seines Ursprungs ist das Beerfurter Schlösschen ein vielbestrittener Ursprung
Gegenstand unter den Vertretern der Archäologie altgermanischer, römischer und
mittelaltriger Observanz. Die fast kreisförmige Steinummantelung kann nicht an
und für sich als entscheidendes Moment gelten, weder nach der frühgermanischen
noch nach der römischen Seite hin. Als einzig richtiges Kriterium vermag im vor-

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*) S. G. Simon S. 126, nach Akten im Archiv zu Erbach.

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