Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Metadaten

Schäfer, Georg
Kunstdenkmäler im Grossherzogthum Hessen: Inventarisirung und beschreibende Darstellung der Werke der Architektur, Plastik, Malerei und des Kunstgewerbes bis zum Schluss des XVIII. Jahrhunderts: Provinz Starkenburg: Kreis Erbach — Darmstadt, 1891

DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.18295#0171

DWork-Logo
Overview
loading ...
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
KIRCH-BROMB A CH

143

XIII. KIRCH-BROMBACH

ARKTFLECKEN, südöstlich von Darmstadt, nördlich von Erbach am
Fusse der Böllsteiner Höhe, der alten Birkunhart im Plumgau ge-
legen, erscheint urkundlich unter folgenden Namensformerl: im 1 1. Jahr-
hundert Brambuch, 1012 und 1324 Branbach, 1450 und 1461
Kirchbranbach, zur Unterscheidung von dem nahen Langenbranbach, jetzt
Langen-Brombach, 1602 Brambach genannt, vom althochdeutschen -prama, mittel-
hochdeutsch brame, brome, Brombeere.

Kirch-Brombach war Hauptort der vom Mümlingthal zum Gersprenzthal Allgemeines
über vierzehn Dörfer sich erstreckenden Cent gleichen Namens, »und bildete, wie
eine Cent, so auch eine Pfarrei. Zu beiden gehörte in ganz alter Zeit auch die
Cent Oberkainsbach mit Ober- und Untergersprenz. Die Cent Kirchbrombach war
nicht, wie die Cent Lützelbach, Breubergisches Allodialgut, sondern Fuldisches
Lehen. Die alte Malstätte, wo das Centgericht zusammenkam, war zu Ivirchbrom-
bach vor dem Kirchhofe unter einer Linde. Zur Zeit, als die Herrschaft Breuberg
im 15. Jahrhundert zu drei Viertel Wertheimisch und zu ein Viertel Erbachisch
war, gehörte diese Cent beiden Ganerben gemeinschaftlich und jede der Herr-
schaften hatte hier einen Schultheissen. Wie in allen Orten dieser Cent waren
auch zu Kirchbrombach verschiedene Geschlechter vom niederen Adel begütert.
Namentlich hatten die Starkerade und Erlebache hier Gefälle, die sie theilweise
von Wertheim, theils von der Erbacher Linie der Schenken zu Lehen trugen,
bevor noch Erbach Antheil an Breuberg hatte.« (G. Simon.)

Die evangelische Pfarrkirche liegt auf einer leise ansteigenden Anhöhe mit Kirche
Staffel förmigem Zugang, welcher in die Friedhofumgebung
des Gotteshauses durch ein Rundbogenthor führt. Der
Bogenschluss zeigt einen Wappenschild in Tartschenform
mit dem Reliefbild eines über einen Pfeil hinschreitenden
Löwen nebst Jahreszahlen in folgender Zusammenstellung:

Die römischen Zahlzeichen, mit der ungewöhnlichen Form V für 500 anstatt des
gebräuchlicheren D, werden als 1510 zu deuten sein und bezeichnen ohne Zweifel
das Gründungsjahr des Thorbaues, während die darüber eingemeisselten arabischen
Ziffern, deren Lesung keine Schwierigkeit darbietet, wohl auf eine nahezu 200 Jahre
jüngere Erneuerung des Werkes zu beziehen sind. — Das stattliche Kirchenge-
bäude gehört in seinen Hauptbestandteilen dem späteren Mittelalter an, erfuhr
jedoch im Beginn des vorigen Jahrhunderts mancherlei Veränderungen, die sein
gothisches Stilgepräge beeinträchtigt und zumeist das Langhaus, minder Chor
 
Annotationen