Schäfer, Georg
Kunstdenkmäler im Grossherzogthum Hessen: Inventarisirung und beschreibende Darstellung der Werke der Architektur, Plastik, Malerei und des Kunstgewerbes bis zum Schluss des XVIII. Jahrhunderts: Provinz Starkenburg: Kreis Erbach — Darmstadt, 1891

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KREIS ERBACH

XXXII. WALD-AMORBACH

ILIALDORF, nördlich von Erbach, nordöstlich von Höchst, 1303
Ammirbach, 1382 Ammerbach, 1485 Amberbach, 1502 Amerbach,
dann bis auf die Neuzeit Wüst-Amorbach genannt, war Sitz einer
wahrscheinlich im Beginn des 16. Jahrhunderts erloschenen Adelsfamilie
mit den beiden Linien Schelle von Amorbach und Schelle von Umstadt, aus denen
im 14. und 15. Jahrhundert Burgmänner zu Breuberg, Erbach und Babenhausen
vorkommen.

Kirche Das vom evangelischen Pfarramt Heubach im Kreis Dieburg pastorirte Gottes-

haus ist ein kapellenartiger Bau, welcher im Jahre 1739 an die Stelle eines dem
h. Apostel Bartholomäus geweihten Heiligthums trat, über dessen Zeitverhältniss und
Stilbeschaffenheit keine Kunde mehr besteht. Das jetzige Gebäude erhebt nur geringe
baukünstlerische Ansprüche; seine dürftigen Formen lassen jedoch nicht zu ver-
kennende Einwirkungen des in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts herrschenden
Spätbarocco durchschimmern. — Die Plananlage bildet ein Rechteck mit dreiseitigem
Chorschluss. Zwei rundbogige, ungegliederte Eingänge führen zum Innenraum,
welcher durch ein schlichtes, ebenfalls im Rundbogen gestaltetes Fensterpaar das
nöthige Licht empfängt. Orgelbühne und Emporen sind von einfacher Struktur
und dehnen sich über sämmtliche Hoch wandflächen aus. Die Kanzel ist an der
polygonen Brüstung von geradlinigen Feldern umgeben; den Schalldeckel schmückt
ein gehäufter Simskranz mit dekorativem Aufsatz, über welchem ein Kreuz ansteigt. —
An der Aussenseite entwickelt sich aus dem Fassadengiebel ein schieferbekleideter
Dachreiter anfänglich quadratisch, dann in geschwungener Linie zum achtseitigen
Glockenhaus übergehend, dessen halbkugelförmige Bedachung ein schmiedeisernes
Kreuz ziert.

Liturgische Unter den liturgischen Gewissen ist eine mit der Jahrzahl 1788 bezeichnete

Gefässe.

Hostienbüchse zu nennen, welche an den Aussenseiten der Wandungen und auf
dem Deckel mit Reliefzügen von Laubwerk und Fruchtschnüren im Zopfstil orna-
mentirt ist. Eine gleichaltrige Taufschüssel enthält auf ihrer Innenfläche eine eben
nicht kunstvolle Reliefdarstellung der Taufe Christi im Jordan. Zwei Abendmahls-
kannen aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts sind auf ihren Wandungsflächen
mit spiralförmigen Furchen umzogen. Sämmtliche genannten vasa sacra sind aus
Zinn. Aus dem nämlichen Metall bestehen einige andere Gefässe von gleicher

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liturgischer Bestimmung, deren Schlichtheit übrigens zu einer genaueren Besprechung
keinen Anlass bietet.

Wüstungen Im Thalgrund westlich vom Dorfe waren bis zum Jahre 1846 die Trümmer

des Stammsitzes der Adelsfamilie von Schelle vorhanden. Damals wurde mit den
Ueberresten des Ruinenbestandes so gründlich aufgeräumt, dass von der Anlage
des Herrensitzes gegenwärtig nur noch die Dämme eines Teiches sichtbar sind.
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