Schäfer, Georg
Kunstdenkmäler im Grossherzogthum Hessen: Inventarisirung und beschreibende Darstellung der Werke der Architektur, Plastik, Malerei und des Kunstgewerbes bis zum Schluss des XVIII. Jahrhunderts: Provinz Starkenburg: Kreis Erbach — Darmstadt, 1891

Page: 151
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kdgh_erbach/0180
License: Creative Commons - Attribution - ShareAlike Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
KÖNIG

151

Vielbrunn gehörten. Schon 819 erscheint die Cent als geistliches Gebiet im Besitz
der Abtei Lorsch und kam in der Folge unter Erzbischof Siegfried III von Epp-
stein (1230-—1249) an Kurmainz. Die jenseits des bei Fürstengrund entspringen-
den Weilbaches (1012 Widelebach, 1450 Wydellebach;) gelegenen Bestandteile
der Gemarkung von König gehörten der Abtei Fulda und zur Cent Höchst. Durch
Kauf kam 1355 zunächst die Hälfte des Ortes und dann 1459 der ganze Ort an
Erbach-Fürstenau. Nach verschiedenen Theilungen gelangte der Besitz im Jahre
1747 an die Grafen von Erbach-Schönberg. Als Besitzer Erbachischer Lehen
traten urkundlich folgende Adelsfamilien in König auf: die Herren von Anevelt,
von Bafey, von Gans zu Otzberg, von Ravenolt und das Geschlecht der Schelme
von Bergen. f

Die evangelische Schloss- und Pfarrkirche, deren Patronat in vorreforma-
torischer Zeit bei dem Höchster Kloster stand und 1544 an das Grafenhaus Er-
bach gelangte, liegt auf einer Anhöhe, die noch zu Anfang des 18. Jahrhunderts
von einem wehrhaften Mauerring umgeben war, dem ein befestigter Wohnbau als
Stützpunkt diente. Die Bedeutung der Wehranlage erhellt aus dem Umstand, dass
Kurmainz in dem mit Erbach geschlossenen Enteignungsvertrag das Oeffnungsrecht
der Veste als Vorbehalt für alle Zukunft sich ausbedungen hatte. — Die Kirche
trägt an zwei Hauptbestandteilen die Merkmale unterschiedener Bauzeiten und
Stilarten. Der Thurm gehört dem Schluss des 15. Jahrhunderts an und zeigt dem-
gemäss spätgothische Bauformen; Langhaus und Chor stammen aus der Mitte des
18. Jahrhunderts und weisen auf die Formensprache des Ueberganges von Barocco
zum Rococo hin.

Der Thurm baut sich in drei Geschossen auf, welche nach Ausweis der gleich-
artigen Technik im Mauerwerk wie der Gliederung ihrer Wasserschlagsimse eine
und dieselbe Zeitstellung beanspruchen, worüber der am Untergeschoss befindliche
Gründungsstein durch folgende Minuskelschrift authentische Kunde gibt:

(€urti£ • Ijacc • ej#tructa • e3t • • geneto^o • öno • ^cfjeticß • ^eotto •
toone • bc • sErparfj •

Schätzung des Kunstalterthums der Römerdomination nicht gebrach, sehen wir am
Mauerwerk des zweiten Thurmgeschosses, in sorgfältiger Anordnung neben einer
rechteckigen Lichtöffnung, das ansehnliche Fragment eines römischen Grabsteines ein-
gelassen. Nur der obere Theil des Denkmales ist erhalten. Die Giebelseiten der
dreieckigen Bekrönung umschliessen eine Flachnisch'e und entwickeln sich voluten-
artig aus Rosetten in der an diesen Denksteinen ziemlich allgemein üblichen Form.
Darunter steht als titulus sepulcralis die Inschrift:

Darunter steht folgende Jahreszahl nebst Steinmetzzeichen :
Beginn der Bauführung in das Jahr 1479 fällt. — An
gothischen Thüreinganges ist eine Barockthür mit weit
Winkelhaken an den Seiten des wagerechten Sturzes
Zum Zeichen, dass es auch dem Mittelalter an gebühren-

wonach der
Stelle des
ausladenden
getreten. —
der Werth-

D . M .
L . SEXTII . VALE .
loading ...