Schäfer, Georg
Kunstdenkmäler im Grossherzogthum Hessen: Inventarisirung und beschreibende Darstellung der Werke der Architektur, Plastik, Malerei und des Kunstgewerbes bis zum Schluss des XVIII. Jahrhunderts: Provinz Starkenburg: Kreis Erbach — Darmstadt, 1891

Page: 180
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KREIS ERBACH

Hinter dem Sarkophag steigt das hochragende architektonisch-plastische Wand-
denkmal auf einem an den Seiten kräftig ausladenden Untersatz empor, dessen
Doppelsims von einem, den spärlich gewandeten Sarg-Karyatiden ähnlichen Figuren-
paar mit erhobenen Armen aufgenommen wird. Die beiden Sockelfüllungen sind
auch hier mit Citaten aus den Episteln des Apostels Paulus bedeckt und zwar mit
Stellen aus dem Thimoteusbriefe i V. 5 und aus dem Galaterbriefe 5 V. 6. —
Ueber dem Sockel dehnt sich eine Predella aus mit einer Ahnen- und Allianzprobe
von sechzehn Wappen, die sich in Einzelfällen wiederholen und auf die Geschlechter
Erbach, Eppstein, Isenburg, Weinsberg, Eberstein, Hag, Wertheim, Salm, Neuenburg,
Yinstingen u. a. sich beziehen. Ueber der Predella theilen zwei Pfeiler die Wand-
dekoration in ein Mittelfeld und in je ein Seitenfeld. Den Abschluss nach oben
bildet ein Gebälke mit krönendem Giebel. Die beiden Seitenfelder enthalten in
Medaillon - Umrahmungen die Reliefdarstellungen der Geburt und Auferstehung des
Herrn. Die Gruppen sind gut komponirt, folgen jedoch durchweg der Eigenart
italiänischer Barockplastik, sowohl im Ausdruck wie in den perspektivisch behandelten
architektonischen und landschaftlichen Hintergründen. Darüber liest man die
Schriftstellen :

XDir faben fein £)erligfeit ift (Efyriftus ift um unfer fiiriöe

i}erligfeit als öes eingebor= tpilleu öafyingegeben unö

neu Sofyns t>om Datter coler um unfer gerecfytigfeit

gnaö unö JDafyrfyeit. Joann. 1 v. 14. millen auferroecfet. Rom. 4 v. 25.

Genien mit Siegespalmen in den Händen stehen auf der Umrahmung des
Medaillon-Reliefs im Mi'telfelde, welches die lebendig bewegte und figurenreiche
Gruppe der Himmelfahrt Christi enthält. Darunter liest man folgendes Epitaph
des verewigten Grafen :

Per IDofylgeborne f)err £)err (Seorg (Sraue ju (Erpacf) unö £}err 51t
Breuberg ift geborn öert 5. anno \5^8. X^at (Ebriftlid) unö Cöblirf)
regirt 50 Jai* un^ rir (Semafyelin gejeiget 25 "Kinöer. Die erfte ift
geroefe ^rau ZCrtna 2lmalia ein geborne (Sräpin 5U Sayn mit öeren er ge-
jeugt eine Cocfyter. Tie anöer ^raro Zinna ein geborne d5rär>iti 5U Solms
Saupacfyer linien mit öeren er gejeiget Sechs Söfyne unö Heyn Cöcbter.
Pie dritte ^rau Dorothea eine geborne Heyfin t>o?t Plauen mit öeren er
gejeiget einen Sofyn unö 5100 Oester. Pie Pierte ^rau ZHaria eine geborne
<£»räüin 5U Barby unö UTiilingen mit öeren er gejeiget jtoeen Söfyne unö
cier Cöcfyter, ift in Cfyrifto felicfy geftorben 511 (Erpacfy öen \6. ^ebrary 2lrtno
\605. feines Hilters 56 3a^r " \ tag. fjat öiefer (£>rar>efcf?afft nütslicfy
unö tüofyl üorg'eftanöen felbige mit Dielen fcb orte beuen gejieret unö fonöer--
Iid) öas £)aus (Seorgenburg 511 Kleinfyeubacb am ZlTayu uon grunö r>f
ganj neu ausgebauet. Per allmächtige (Sott üerleifye ihm unö allen (£fjrift-
glaubigen am Jiingften Cag eine ^rölidje unö feiige auferftefyung Zlmen.

Die beiden gegürteten Gewandfiguren in den Pfeilernischen, von denen die
eine ein nacktes Kind auf den Armen trägt, die andere einen Pokal in der Rechten
hält, werden von Manchen als allegorische Hinweise auf die zahlreiche Nach-
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