Oechelhäuser, Adolf von ; Kraus, Franz Xaver [Hrsg.]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 8,2): Die Kunstdenkmäler des Amtsbezirks Heidelberg (Kreis Heidelberg) — Tübingen, 1913

Seite: 345
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Der ringsum mit Bäumen bepflanzte Karlsplatz ist erst i. J. 1S05 infolge des
Abbruchs des Franziskanerklosters (s. oben S. n6f.) entstanden. Über die an ihm ge-
legenen Gebäude s. oben (S. 301 und 33of).

Der kleine dreieckige Heumarkt. der sich einst gleich beim Mitteltürturm längs
der Grabenmauer nach Süden abzweigte, war bereits vor dem Stadtbrande auch auf
der Westseite mit Häusern umgeben, die sich längs der Stadtmauer entlang zogen. Seine
ursprüngliche Große und Gestalt hat er beibehalten. Ungefähr in der Mitte stand zu
Merlans Zeit ein Brunnen, der längst verschwunden ist.

Der jetzige Lztdv6igsj>latS (so genannt nach dem Großherzog Ludwig [1819—1830]},
welcher von Karl Theodor zum Exerzierplatz hergerichtet worden war und damals den
Namen Paradeplatz geführt hat, ist das Gelände, auf dem sich einst das im Stadt-
brande zugrunde gegangene Augustinerkloster (s. oben S. ii4f.) erhob.

Über die Resultate der während der Drucklegung dieses Bandes vorgenommenen
Ausgrabungen (s. oben S. 114) gibt nachstehender Bericht aus der Feder des Leiters
der Grabungsarbeiten Kenntnis.*)

Das Augustinerkloster
Von Hermann Schrieder'

Über das Aussehen des ehemaligen Augustinerklosters, an welches bisher nur
noch die Augustinergasse erinnerte, sind wir durch kleine Abbildungen in den An-
sichten von Heidelberg in Seb. Münsters Kosmographie (s. oben Fig. 50) und Merians
großer Nordansicht (s. oben Fig. 52) einigermaßen unterrichtet. Außerdem sind auf dem
von Hirsch veröffentlichten Plane des (Jniversitätsarcbivs (s. oben S. 204) mit sämtlichen
Universitätsgebäuden aus dem 17.Jh. auch die damals schon zur Universität gehörenden
Klostergebäude verzeichnet. Während man bisher glaubte, das Kloster sei bis auf einige
Keller, deren einen man noch in der Mitte des 19. Jhs. mit Schutt ausfüllte, vom Krdboden
verschwunden, stellte sich bei den Grabarbeiten im Sommer 1912 heraus, daß bei der
Einebnurig des Platzes im Anfang des iS. Jh. dessen Niveau ca. 1,70 m über das Kloster-
niveau zu liegen gekommen war und daß die Mauern größtenteils bis zu dieser Höhe
im Boden erhalten waren (s. Abbildung Fig. 233). Alle Gebäude sind aber mit Aus-
nahme des Kreuzganges bis unter die Fensterbänke abgebrochen, so daß sich nirgends
aus den Fensterformen Schlüsse auf die Entstehungszeit ziehen lassen. Ein zwischen
den Gewölberippen des eingestürzten Kreuzganges gefundener prächtiger Gewölbeschluß-
stein veranlaßte die Stadtverwaltung, nach den Übrigen Schlußsteinen zu suchen und so
nach und nach den Kreuzgang, den Chor der Kirche, den Verbindungsraum zwischen
beiden und die Vorhalle der Kirche bis auf den Fußboden ausheben zu lassen. Es
fanden sich im ganzen 13 Schlußsteine des Kreuzganges und 2 von der Vorhalle,
fl,e in unseren Abbildungen Fig. 234 bis 236 wiedergegeben sind.

Dieselben stellen dar: 1. Osterlamm. 2. Christus, mit der Dornenkrone, seine Wund-
male zeigend. 3. Mönch, in der Rechten ein Buch und Lilie, in der Linken einen
Heller mit einem gebratenen Vogel haltend; ein (Raub-)Vogel schwebt über dem Teller.

*) Während der Drucklegung dieses liogens (Ende Dezember 1912) ist man mit Wieder-
'USCflttttnng des Ganzen und Herstellung von (Strienanlagen daselbst beschäftigt.
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