Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 39.1923-1924

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stehenden Welt rein aus ihm selber erschaffen, Mittel endliche Größen sind, das Zusam-
indem er die tiefste Bestimmung des Gebäudes menpassen und Verhältniß-suchen einmal er-
unmittelbar in ihm selbst fühlte, und nun erst schöpft werden; ein widerlicher Kreislauf
entsteht die Frage, was sind die nothwendigen finge nun an, wenn noch Kraft dazu übrig
Mittel zur Realisirung dieser neuen, in ganzer bliebe, und nicht die Martyrien von fort-
Freiheit erzeugten Idee. laufenden Jahrtausenden das Menschenge-
Es ist wohl sehr klar, daß von den vor- schlecht hierin so erschlafften, daß reiner Tod
handenen bestehenden Mitteln, die für andere entstände.

Zwecke dienten, wohl nichts geradezu seine Der erste, welcher die korinthische Säule

Anwendung finden dürfte, sondern daß auch erfand und sie an den Ort stellte, der allein

die Mittel ganz neu zu erschaffen wären. ihr zukommen kann, war ein Künstler im wahren

Es wäre ein ärmliches Ding um die Bau- Sinne des Worts, aber wahrhaftig keiner, der

kunst und sie verdiente wahrhaftig nicht den ihm folgt und nachahmt, was er vorthat, darf

Platz im Rang der andern Künste, wenn alle sich mit diesem Namen schmeicheln, er mag

nothwendigen besonderen Stücke wie z. B. be- sein Verdienst haben, daß er das Gute aner-

stimmte Säulenordnungen, Gesimse pp. in der kannte und verwandte, aber er ist nicht mehr

Antike schon vorgerichtet und fertig dalägen Schöpfer, in ihm ist nicht mehr die ursprüng-

und auf nichts zu sin- liehe Thätigkeit, er lebt
nen wäre, als auf ei- ^^h^^hhb^hhhh^^^^h nicht sein eigenes Le-

nige neue Zusammen- ben, sondern lebt noch

Setzung dieser Stücke, das Leben eines an-

— ein kärgliches Ge- dem, welches in jenem

schäft für den Ver- andern wahrhaft le-

stand. Auch würde, Jt>3R™*^^k« DI bendiges Leben ist.

da diese bestehenden KT 1\ r W £(Y) ^Eäfl K.F.Schinkel

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CARPE DIEM. GLASGE-
MÄLDE IM ATELIER

SEPP FRANK DES KÜNSTLERS


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