Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 39.1923-1924

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FRITZ CLAUS

Der in München wirkende Bildhauer Fritz Das Erfreuliche an den Werken von Claus
Claus gehört zu den leider nur allzu sei- ist zuerst und zuletzt die Stilsauberkeit, die
tenen Künstlern, die ruhig ihr Ziel verfolgen, Ehrlichkeit und die Kraft des Wollens. Alle
ohne sich an die Öffentlichkeit zu drängen und Figuren, jede Büste ist wirklich plastisch ge-
ohne die Reklametrommel für ihr Talent zu dacht. Ohne Anlehnung an frühere Stile, frei
rühren. Die Bescheidenheit ist begründet in einer von jedem Klassizismus wie von einer heimlichen
innerlichen Gefestigtheit, in der Überzeugung, Nachfolge der Klassik sucht der Künstler die
daß alle Schöpfungen, auch die, welche der dreidimensionale Form in ihrer Rundung als
Künstler selbst als verhältnismäßig gelungen etwas sinnlich Abtastbares vor uns aufzubauen,
bezeichnet, nur Etappen, Vorbereitungen be- Es ist absolute Plastik angestrebt, ohne irgend-
deuten für das, was dem Bildhauer als Ziel welche malerischen Tendenzen oder Effekte,
vorschwebt. Gerade in dieser schlichten Sachlichkeit liegt

ein gut Teil der Überzeugungs-
kraft, der dauernden Wirkung der
Clausschen Schöpfungen.

Es berührt weiterhin angenehm,
daß sich der Künstler jederzeit
frei von modischen Strömungen
hält, kein heimlicher Gotizismus
und kein Kokettieren mit ägyp-
tischer Plastik. Die gerundete
Form des bewegten Körpers be-
schäftigt Claus am meisten. Dabei
ist sein Bemühen darauf gerich-
tet, allen Gefahren des malerisch
Barocken auszuweichen. Daß in
dem Betonen der Bewegung bei
so vielen Schöpfungen wie in der
Freude an vollen, mitunter fast
üppig zu nennenden Formen ein
gewisser barocker Zug steckt, ist
jedoch nicht zu leugnen, aber der
Bildhauer hütet sich stets vor der
Wiedergabe allzu heftiger Aktion.
Es ist somit eine Art gefesselter
Barock, überall wird eine gewisse
Dämpfung, eine Harmonie beson-
derer Art angestrebt.

Die gesunde, kräftige, männ-
liche und an richtiger Stelle zu-
rückhaltende Kunst von Claus do-
kumentiert sich besonders schön
in seinen Bildnisbüsten. Jegliche
Zuspitzung ist hier vermieden und
wiederholt verspürt man das Be-
mühen, zu dem Einmaligen, Be-
sonderen des Porträts etwas All-
gemeingültiges, allgemein Mensch-
liches zu gesellen, das Individuelle
mit dem Typischen zu vermählen.

FRITZ CLAUS HARLEKIN (TERRAKOTTA) August L. Mayer

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